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Weißwasser

Muttersprache und Tracht einbringen

Die Sorbin Marka Suchec ist seit Mai Mitarbeiterin für sorbische Sprache und Kultur in der Krabat-Mühle Schwarzkollm.

© Foto: Andreas Kirschke

Schwarzkollm. Er beginnt im Wald unweit der Schwarzen Mühle: der Lehrpfad für Schüler, der Krabats Leben beschreibt. Die Themen dieses Lehrpfads reichen von der Lehre des jungen Krabat in der Schwarzen Mühle bis zu seinen Taten und Erlebnissen und schließlich zum Sieg der Liebe über den bösen mächtigen Müller.

„Bislang orientiert sich der Lehrpfad vor allem an der Krabat-Sage nach Otfried Preußler. Mit einbinden wollen wir die Krabat-Sage nach Měrćin Nowak-Njechorński. Die Texte sollen kürzer werden. Sie sollen auch in Sorbisch zu lesen sein. Kapitel für Kapitel gehe ich durch. Ich will an die Vorarbeit von Kerstin Zukunft und Sonja Hrjehorjowa anknüpfen“, erklärt Marka Suchec (35) aus Sollschwitz. Seit Mai ist die sorbische Muttersprachlerin und Katholikin jetzt im Erlebnishof Krabat-Mühle Schwarzkollm Mitarbeiterin für sorbische Sprache und Kultur. Befristet ist ihre Stelle zunächst bis Ende des Jahres. Finanziert wird sie mit Mitteln des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien, der Stadt Hoyerswerda und des Trägerwerks Soziale Dienste in Sachsen GmbH.

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Die Familie lebte das Sorbische vor

Die Krabat-Sage ist Marka Suchec seit früher Kindheit vertraut. Und das vor allem durch Měrćin Nowak-Njechorńskis Buch „Meister Krabat, der gute sorbische Zauberer“. – „Zugang zur Sage fand ich auch durch den DEFA-Film «Die Schwarze Mühle». Vor allem die Szene, als die Mutter mit dem Feuerkrug durch das Dorf läuft und in Hof um Hof Licht hineinträgt, ist mir gut in Erinnerung“, schildert sie. In ihrer Familie, berichtet sie aus der Kindheit, lebten Eltern und Großeltern die Liebe zur sorbischen Muttersprache vor. Vor allem ihr Vater Jurij Suchy achtete auf sorgfältiges, natürliches, korrektes Sprechen. Der gelernte Baumaschinist arbeitet heute in Bautzen im Sorbischen Museum im Besucher-Empfang. Marka Suchec’ Mutter Roswitha ist gelernte Herrenmaßschneiderin. „Sie gab mir die Liebe und die Detailtreue zur Tracht mit. Meine Mutter und meine Großmutter haben meine ganze katholische Festtagstracht genäht“, sagt Marka Suchec.

Auf der Fala (so heißt die Schürze in Sorbisch) ist ein Wabenmuster verewigt. Es stammt aus Großmutters Zeiten. Darauf ist Marka Suchec besonders stolz. „Im Kindergarten Sollschwitz lernte ich frühzeitig die Bräuche und die Traditionen im Jahreskreis kennen“, erzählt Marka Suchec. „Ganz stolz ging ich zur Vogelhochzeit als Braut.“ Später sang sie mit Freude im Chor des Sorbischen Gymnasiums Bautzen mit.

Marka Suchec studierte nach der Schulzeit in Leipzig Lehramt Sorbisch, Ethik und Philosophie. Das Studium schloss sie jedoch nicht ab. „Ich spürte, dass ich mit meinen Händen etwas schaffen will. Ich bin eine Macherin“, bekräftigt die Sollschwitzerin aus heutiger Sicht. So absolvierte sie in Leipzig eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. Gesundheitsbedingt musste sie kurz vor Schluss abbrechen. In Zittau, wo ihre Schwester mit der Familie lebt, lernte sie daraufhin Köchin. „Diese Ausbildung schloss ich ab. Ich habe dann einige Jahr im Hotel «Dreiländereck» in Zittau als Köchin gearbeitet“, beschreibt sie ihren Werdegang. Nach einer weiteren abgeschlossenen Ausbildung als Pflegehelferin arbeitete sie später in der Mobilen Pflege im Bereich Zittau und Hirschfelde. „Ich bin immer offen für Neues. Denn vieles verändert sich schnell im Leben“, weiß sie. Durch die familiären Wurzeln in Sollschwitz, durch ihre Berufserfahrungen und vor allem durch ihre Kinder Dárinka (3) und Aleš (1) fühlt sie sich jetzt geerdet. Der Wunsch nach einer dauerhaften, festen Stelle führte sie nach Schwarzkollm in den Erlebnishof Krabat-Mühle. In sorbischer Tracht begrüßt und führt sie künftig Besucher durch den Erlebnishof. Sie bringt ihnen die Entstehung, die Geschichte, die Entwicklung und die heutige inhaltliche Arbeit nahe. Dazu will sie viel von anderen im Förderverein Krabat-Mühle Schwarzkollm e. V. erfahren, will von „Urgesteinen“ wie Gertrud Winzer, Dieter Klimek, Undine Kotow, Joachim Rauhut und anderen lernen.

Mit einbringen will sie sich ins Projekt „Kinder lesen für Kinder“. „Dabei wollen wir kurze Kapitel der Krabat-Sage gemeinsam lesen, vorspielen und darüber diskutieren“, sagt die Sollschwitzerin. Mit einbringen will sie sich zudem in der Kultur-Information im Jurij-Brězan-Haus des Erlebnishofes Krabat-Mühle Schwarzkollm. Dort will sie Mitarbeiterin Karin Trautmann tatkräftig unterstützen. Zum Mühlentag Pfingstmontag am 10. Juni betreute sie zusammen mit Stefanie Werner, Mitarbeiterin der Krabat-Mühle Schwarzkollm, das Kinderbasteln. Bei den diesjährigen Krabat-Festspielen vom 3. bis 21. Juli will sie mit Mitgliedern des Fördervereins Krabat-Mühle Schwarzkollm e. V. und zahlreichen Helfern in sorbischer Tracht den Besuchern Speisen und Getränke servieren.

Derzeit erstellt sie das Programm für das Erntedankfest am 5. und 6. Oktober. Sorbisch heißt es domchowanka. „Dom steht für «Haus». Chować heißt «einlagern». Gemeint ist «Das Geerntete einlagern»“, erläutert Marka Suchec. Eben diese sorbische Erdigkeit will sie ins Fest einbringen. Sie will den Besuchern Inhalte wie Erntedank, Folklore und regionale Vermarktung der Produkte aus Land-, Forst- und Teichwirtschaft nahebringen. Neben Vereins- und Handwerkerständen werden viele regionale Produkte aus der Lausitz angeboten. Der Erntedank-Gottesdienst findet in der Schwarzkollmer Marienkirche statt. Viel zu koordinieren hat Marka Suchec für die domchawanka.

Trotz der erst kurzen Zeit seit ihrer Einstellung im Mai fühlt sie sich im Erlebnishof zu Hause. Das liegt auch an der Mühlenscheune. Sie stammt aus ihrem Heimatort Sollschwitz. Die „Brückner-Scheune“, wie sie im Volksmund heißt, stand früher in Sollschwitz Nr. 43. Ein Erhalt als Kulturdenkmal vor Ort war nicht möglich. Zu stark nagte bereits der Verfall am Gebäude. Die fünfzonige Scheune entstand ursprünglich in kombinierter Fachwerk- und Blockbauweise. Älteste Teile stammen von 1657 und 1791. Von April 2011 bis Oktober 2013 wurde die abgebaute Scheune auf dem Erlebnishof in Schwarzkollm wieder aufgebaut. Heute dient sie zum Empfang der Besuchergruppen, wird auch für Veranstaltungen und für kleine Ausstellungen genutzt. Die Galerie im Dachboden mit Laufgang soll den Blick ins Gebälk ermöglichen. Sie dient der Ausstellung und Erläuterung der historischen Gerätschaften.

Würde gerne länger bleiben

„Als diese Scheune noch in Sollschwitz stand“, erinnert sich Marka Suchec, „bin ich gleich in der Nähe aufgewachsen. Oft haben wir Kinder dort gespielt.“ Bei den Führungen durch den Erlebnishof will sie künftig auch von dieser Scheune und deren Geschichte erzählen.

Voller Ideen für die kommenden Monate steckt sie. Unter anderem will Marka Suchec eine Ausstellung „Sorbische Bräuche im Jahreskreis“ ins Leben rufen, entwerfen und gestalten. Dabei sollen Bilder und Exponate – je nach Zeitpunkt – den jeweiligen Brauch erläutern. Vorstellbar ist, diese Ausstellung künftig im Jurij-Brězan-Haus zu zeigen.

Davor steht heute der Gertrud-Winzer-Brunnen. Er würdigt die unbändige Kreativität und Schaffenskraft der Initiatorin des Erlebnishofes. Zur Einweihung begrüßte Marka Suchec in ihrer Muttersprache in sorbischer Tracht die Besucher. Lampenfieber spürte sie. Danach kam sie mit Gästen ins Gespräch. „Die Arbeit mit Menschen bereitet mir Freude – gerade hier in der Krabat-Mühle“, sagt die Sollschwitzerin und unterstreicht: „Ich würde gern langfristig bleiben.“

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