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Radebeul

Mysteriöses Graffito am Brandort

In der abgebrannten Halle in Coswig finden Polizisten ein frisch gesprühtes Graffiti. Doch warum ist darauf kein Ruß? Stammt es vom Brandstifter? Eine Spurensuche.

Kripo-Chef Jürgen Leistner (links) und sein Kollege vor einem frischen Graffiti in der ausgebrannten Halle. Ist das eine heiße Spur zum Feuerleger?
Kripo-Chef Jürgen Leistner (links) und sein Kollege vor einem frischen Graffiti in der ausgebrannten Halle. Ist das eine heiße Spur zum Feuerleger? © Arvid Müller

Coswig. Die Werkhallen an der Coswiger Emil-Hermann-Nacke-Straße, in denen es am Pfingstsamstag vom Nachmittag bis in die Nacht brannte, geben ein gespenstisches Bild ab. Verkohlte Balken hängen von der Decke, verglühte Maschinenteile, angebrannte Stühle, Reste von Matratzen und zwischen all dem ein großes silbernes, helles Graffito an der Ziegelwand.

Zum wiederholten Male kehren die Ermittler von der Meißner Kriminalaußenstelle (KAST) der Polizeidirektion Dresden an den Ort zurück. Sie sind auf Spurensuche. Für sie steht außer Frage, dass das Brandstiftung war. Einige Tage vorher brannte es in der Wohnsiedlung an der Eugen-d‘Albert-Straße, am Pfingstsonntag an einer Autowerkstatt an der Straße Am Güterbahnhof. Alles nicht weit voneinander entfernt.

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Aber einer der wesentlichen Schlüssel für die Aufklärung, für das Finden des Brandstifters, liegt offenbar in den Hallen der alten Zellstofffabrik. Die Sprayerszene hat sich hier getroffen. 

Das belegen nicht nur die über alle Hallen verteilten unterschiedlichen Tags, wie die Zeichen von den Graffiti-Leuten genannt werden. KAST-Chef Jürgen Leistner und sein Kollege finden zwischen verkohlten Holzpaletten immer wieder auch Reste von Spraydosen. Verglühtes und teils explodiertes Blech.

Die ausgebrannte Halle der alten Coswiger Zellstofffabrik – überall hat sich nach dem Feuer Ruß abgelagert.
Die ausgebrannte Halle der alten Coswiger Zellstofffabrik – überall hat sich nach dem Feuer Ruß abgelagert. © Arvid Müller

Um die 1.000 Grad müssen in der Halle, die am nächsten an der Elbe gelegen ist, beim Brand geherrscht haben. Erst stieg am Nachmittag heller Rauch auf, dann wurde er schnell schwarz. Farbeimer brannten, Dachpappe stand in Flammen. Die über 50 Feuerwehrleute aus Coswig und den Nachbarorten löschten aus der Luft mit der Drehleiter und vom Boden aus. Unmengen Wasser wurden in vier Leitungen aus der Elbe herangepumpt.

Ruß verbreitete sich auf allen Wänden und ist jetzt als schmieriges Schwarz überall zu sehen. Deutlich erkennbar machen die Kriminalisten das Zentrum, den Ausgangsort für den Brand aus – er liegt unweit des hellen silbernen Graffitos.

Doch das Tag, das Zeichen, ist völlig unversehrt. Kein Ruß drauf. Wie frisch gesprüht. Wie kann das sein?, fragen sich die Spezialisten, wo doch sonst alles vom Brand gezeichnet ist. Unmittelbar neben dem Graffito wurden ebenfalls Spraydosen gefunden. 

Leer, aber nicht schwarz und verbrannt. Jürgen Leistner und sein Ermittler: „Der Sprayer, der das gemacht hat, muss unmittelbar vor oder eher nach dem Brand hier gewesen sein. Oder hat er es gar direkt am Anfang des Feuers gesprüht, um ein Zeichen zu hinterlassen?“

Zeugen haben zu Brandbeginn, noch bevor die Feuerwehr eintraf, einen vermutlich 30-jährigen Mann, schwarz gekleidet, mit einem schwarzen Fahrrad und schwarzen Rucksack direkt in der Emil-Hermann-Nacke-Straße gesehen. Kripochef Leistner: „Zu dem Graffito haben wir aus einem anderen Zusammenhang erste Erkenntnisse. 

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Trotzdem würden wir gern wissen, wann dieses in der Halle entstanden ist. Der Sprayer oder ein anderer aus der Szene sollte sich bei uns melden. Vor allem, wenn er klarstellen will, dass er nichts mit dem Feuerleger zu tun hat.“

Hinweise bitte an: Polizeidirektion unter  Telefon  0351/4832233, das Revier Meißen unter 1 03521/4720 oder generell die 110.

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