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Nach 40 Jahren zurück auf die Fechtbahn

Wie der frühere Dresdner Hochschulrektor Rolf Pfrengle zum alten Haudegen wird – und was sein Trainer sich erwartet. 

Schon wenige
Wochen nach seinem Comeback als Fechter macht
Rolf Pfrengle auf der Bahn wieder eine gute Figur.
Schon wenige Wochen nach seinem Comeback als Fechter macht Rolf Pfrengle auf der Bahn wieder eine gute Figur. © Sven Ellger

Nach dem Ruhestand erst mal auf den Golfplatz. So läuft das doch häufig. Für Rolf Pfrengle aber brachte der grüne Rasen nicht die erhoffte Erfüllung. Schon nach einigen Wochen stellte er den Schläger in die Ecke. „Die Technik ist super, aber das war mir einfach zu zeitaufwendig“, sagt der 70-Jährige. Klar war für ihn aber, dass er nach seinem Ausscheiden als Rektor der Fachhochschule Dresden nicht faul auf dem Sofa enden wollte.

Also suchte Pfrengle nach einer neuen sportlichen Herausforderung. Irgendwann betrachtete er daheim im Wohnzimmer sein altes Florett, das ihm einst seine Oma für 15 Mark gekauft hatte. Damals war er zehn Jahre alt. Sollte er es noch einmal wagen? Mehr als 40 Jahre lang hatte er kein Florett mehr in den Händen gehalten. Damals, als Heranwachsender, hatte er jahrelang jede Woche auf der Fechtbahn gestanden. Irgendwann waren Beruf und Familie aber wichtiger geworden. Mal lebte er in Bonn, mal in Rom, mal in Paris. „Ich hatte einfach keine Zeit mehr“, sagt er, gibt aber im selben Moment zu, dass das natürlich eine beliebte Ausrede sei. „Man hat halt andere Prioritäten gesetzt.“

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„So einen Ehrgeiz wünscht man sich manchmal bei den Jugendlichen“

Jetzt hat Rolf Pfrengle seine Prioritäten neu geordnet. Er will wieder fechten. Beim Dresdner Fechtclub 1998 stieß er auf Trainer Stephan Wunderlich, der ihm einmal wöchentlich Einzeltraining gibt. An einem anderen Wochentag übt Pfrengle mit anderen Sportlern. „Es ist einfach sensationell, wie Rolf sich dieser Herausforderung stellt“, sagt Wunderlich, auch wenn der so Gelobte bescheiden abwinkt. Gemeinsam mit neunjährigen Jungen und Mädchen machte der 70-Jährige zuletzt seine Turnierreifeprüfung.

Schon bei seinem ersten Training im Mai merkte er, wie sehr sich sein Sport in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Einige Regeln wurden angepasst. Auch die Waffen brechen längst nicht mehr so schnell wie früher. „Vor allem ist das Fechten aber viel athletischer geworden“, sagt er. „Es ist nicht mehr ganz so filigran.“ Deswegen seien die besten Fechter heute auch um einiges jünger als früher. Doch Pfrengle ist lernwillig. „So einen Ehrgeiz wünscht man sich manchmal bei den Jugendlichen“, sagt sein Mentor Wunderlich.

Rund 180 Mitglieder hat der an die Sportschule angebundene Dresdner Fechtclub derzeit. Gegen die allermeisten von ihnen sieht Pfrengle bislang noch keinen Stich. „Mein Ziel ist, dass ich künftig sportlich einigermaßen mithalten kann“, sagt er. Sein Trainer schüttelt den Kopf. „Das sehe ich ganz anders. Rolf hat wirklich großes Talent. Ich möchte ihn so weit bringen, dass er an einer Deutschen Meisterschaft teilnehmen kann.“

„Ruhiger“, ruft Wunderlich ihm zu. Nach vier Minuten auf der Fechtbahn ist der Schüler außer Puste. „Ich muss an meiner Kondition arbeiten“, gibt er zu. Außerdem steigt er vom Florett auf den Degen um. Der ist nicht ganz so schnell, dafür gelten Treffer aber am ganzen Körper. Genau richtig für einen alten Haudegen.

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