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Nach Chemieunfall „rosten“ die Pflanzen

Das Landratsamt hatte eingeladen und kam mit Amtsleitern des Umwelt-, Gesundheits- und Katastrophenschutzamtes nach Großdubrau. Auch Betriebsleiter Dr. Reinhard Haase stellte sich den Fragen der Bürger.

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Von Kerstin Fiedler

Das Landratsamt hatte eingeladen und kam mit Amtsleitern des Umwelt-, Gesundheits- und Katastrophenschutzamtes nach Großdubrau. Auch Betriebsleiter Dr. Reinhard Haase stellte sich den Fragen der Bürger. Am Ende blieb vieles offen. Deshalb wird es, so Bürgermeister Siegfried Schuster (FWV), eine weitere Versammlung geben. „Wir fordern jetzt, dass die Auswertungen der Proben beschleunigt werden und sichere Antworten auf den Tisch kommen“, sagt Siegfried Schuster.

was war bei alsical vorige Woche passiert?

Kreisbrandmeister Manfred Pethran fasste nochmals zusammen, wie sich die Explosion und der Brand in der Firma aus Sicht der Einsatzkräfte darstellte. Eine Wolke zog über einen aus einem Hubschrauber heraus ermittelten Korridor über den Ort Großdubrau. 120Einsatzkräfte mit 30Fahrzeugen waren im Einsatz. Bis gegen 23.30Uhr wurden Häuser nahe des Flugkorridors abgespritzt.

ist diese wolke gefährlich für den menschen?

Georg Richter, Umweltamtschef, erklärte den Stoff, der explodiert war. Er versuchte, die chemische Reaktion nach der Explosion von Kaliumpermanganat plausibel zu machen. Doch die Bürger sind weiter beunruhigt. Fotos von Pflanzen mit braunen Flecken, Aluminiumzäune mit Rosterscheinungen und Autos, in denen regelrechter „Lochfraß“ stattfand, ließen die Bürger vermuten, dass der Stoff gefährlich ist. Dem widersprach Amtsärztin Ilona Walter. „Wir haben es schriftlich, dass das in der Wolke befindliche Kaliumpermanganat in der gemessenen Konzentration für den Menschen unbedenklich ist“, sagte sie mehrfach. „Und warum sollen wir dann unser Obst nicht essen“, fragten mehrere Bürger. Das sei eine fürsorgliche Empfehlung, sagte Ilona Walter. Ihr wurde daraufhin vorgeworfen, dass dies dann doch reine Panikmache sei, wenn der Stoff ungefährlich ist.

liegen schon alle Ergebnisse von proben vor?

Nein, nur die der Wolke. Diese Messungen wurden von einem Spezialfahrzeug der Feuerwehr vorgenommen. Die Materialien, die nach der Explosion in der Halle gebrannt haben, sind nicht nach außen geraten. „Die brannten ja erst, nachdem das Kaliumpermanganat gelöscht war“, sagt Reinhard Haase. Das Landeskriminalamt sucht immer noch nach der Ursache für die Explosion. Auch die Bodenproben sind noch nicht ausgewertet. „Wenn sich hier etwas ergibt, das schädlich für die Bürger sein könnte, werden wir weitere Proben veranlassen“, sagt Landkreissprecherin Franziska Snelinski. Vor allem diese unklaren Aussagen der Landkreis-Vertreter riefen Unmut bei den Bürgern hervor. Die Frage, ob die Bürger denn ihre Pflanzen mit dem jetzt gefallenen Regenwasser gießen können, wurde nicht eindeutig beantwortet. „Der Regen dringt auch in die Erde und schadet den Pflanzen nicht. Wenn die Tonnen sauber sind, kann das Wasser auch als Gießwasser genutzt werden“, sagt Franziska Snelinski.

wie geht die firma mit den schadensforderungen um?

Reinhard Haase entschuldigte sich bei den Anwesenden. Er bittet alle, die geschädigt wurden, sich an die Firma zu wenden. Auch die, die sich nicht sicher sind, ob ein Schaden eingetreten ist oder noch eintreten wird, sollten dies vorsorglich aufschreiben. Mittwoch kommt ein Vertreter der Dekra, der die Schäden an den Fahrzeugen bewertet. „Unsere Versicherung tritt für alles ein“, sagt Haase.

was wollen die bürger

jetzt tun?

Karl-Heinz Großmann schlug vor, eine Bürgerinitiative zu gründen. „Damit hatten wir doch schonmal Erfolg“, sagt er und bekommt Applaus von den Anwesenden.