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Nach Corona-Pause: Rentnerinnen sporteln wieder

Monika Vogel und Renate Pieruschka lieben ihre Sportgruppe im ASB-Begegnungszentrum in Dresden. Jetzt dürfen sie endlich wieder loslegen.

Renate Pieruschka und Monika Vogel trainieren wieder im ASB Seniorenzentrum "Wiesenhäuser".
Renate Pieruschka und Monika Vogel trainieren wieder im ASB Seniorenzentrum "Wiesenhäuser". © Marion Doering

Dresden. Ja, wo laufen sie denn? Sie laufen über den Parkplatz und über die Wiese. Immer hin und her. Mal wedeln sie dabei mit ihren Handtüchern, mal ziehen sie das Tempo an, sodass mancher Jungspund seine Mühe hätte, da mitzuhalten. 

Selten waren die Frauen aus der Sportgruppe des Begegnungszentrums "Wiesenhäuser" so motiviert. Endlich dürfen sie wieder loslegen, nachdem die Corona-Krise ihnen viel zu lange diesen Höhepunkt der Woche raubte.

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Monika Vogel und Renate Pieruschka waren am Montagmorgen 8 Uhr wie immer die ersten. 8.30 Uhr begann ihr Kurs. "Aber wir wollen ja vorher auch ein bisschen quatschen", sagt Monika. Die 76-Jährige ist seit Anfang an Teil der Gruppe. 

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Vor 15 Jahre wurde diese noch von der früheren Weltklasse-Turmspringerin Ingrid Krämer-Gulbin geleitet. Seitdem gab es immer mal wieder Wechsel. Von der aktuellen Vorturnerin Edeltraud Fischer, einer früheren Sportlehrerin, sind alle begeistert.

Das ASB-Begegnungszentrum "Wiesenhäuser" am Großen Garten ist offen für jeden, der die Gemeinschaft sucht und aktiv sein will. Insgesamt gibt es hier vier Sportgruppen für Frauen und Männer, eine Kreativgruppe, eine Tanzgruppe und einen Singekreis. Außerdem werden regelmäßig Vorträge und Filmnachmittage angeboten. 

Motiviert wie nie zuvor: Die Frauensportgruppe legt sich mächtig ins Zeug.
Motiviert wie nie zuvor: Die Frauensportgruppe legt sich mächtig ins Zeug. © SZ/Henry Berndt

Für die Anwohner in den Häusern der Wohnungsgenossenschaft Aufbau sind die meisten Angebote kostenlos. Andere Gäste zahlen eher symbolische Beträge. Wer möchte, kann hier auch Mittagessen. 

Als in der Corona-Krise das Begegnungszentrum geschlossen werden mussten, mussten die beiden das schweren Herzens akzeptieren. "Da waren wir schon traurig", sagt Renate. "Natürlich hätte man auch zu Hause etwas machen können", bemerkt Monika richtig, "aber wie das so ist... macht man dann allein doch nichts."

Der Leiterin der Einrichtung Darja Müßiggang lag viel daran, ihre Frauen und Männer in diesen Wochen nicht allein zu lassen. Dabei hatte sie selbst den Job erst zwei Wochen vor der Schließung übernommen. Nun sah sie es als ihre wichtigste Aufgabe, die Kontakte aufrechtzuerhalten. 

Während der große Gemeinschaftsraum renoviert wurde, führte Darja Müßiggang in ihrem Büro viele Telefonate. "Da haben sich alle sehr gefreut, dass sie nicht vergessen wurden", sagt sie. Und mehr noch: Zusätzlich verschickte die 55-Jährige die "Wiesenhäuser-Post", Briefe mit Spielen für zu Hause, Scherzfragen und Übungen für die Sitzgymnastik. Die Kreativgruppe erhielt eine Origami-Anleitung zum Basteln eines Schmetterlings, die Singegruppe einige Liedtexte.

Für den 12. Mai organisierte Darja Müßiggang ein Hofkonzert mit einem Streichtrio der Staatsoperette. Den Sportgruppen konnte Darja Müßiggang dagegen nur schwer helfen. "Die riefen mich schon immer wieder ungeduldig an, wann es nun endlich weiterginge", sagt sie.

An der Eingangstür werden die Gäste mit einem gemalten Schild samt Blume begrüßt.
An der Eingangstür werden die Gäste mit einem gemalten Schild samt Blume begrüßt. © Henry Berndt

Mehr noch als der Sport selbst fehlten den Frauen die persönlichen Kontakte. "Hier hat doch immer mal jemand einen lustigen Spruch auf den Lippen", sagt Monika. "Das gehört einfach dazu." Wenn jemand Geburtstag hat oder Uroma wird, dann schmeißt er eine Runde Kuchen, Kekse oder gern auch mal Schnapspralinen. Da wird gemeinsam gesündigt, gelacht und gelebt.

Zu Hause wohnt Renate seit etwa einem Jahr allein, nachdem die 78-Jährige ihren dementen Mann in ein Pflegeheim geben musste. In der Coronazeit blieb ihr nur das Telefon. Regelmäßig hatte sie auch Monika an der Strippe. Außerdem bekam sie jeden Tag eine Nachricht von der Leiterin der Sportgruppe. "Die Mädels haben mir sehr geholfen", sagt sie.

Und dann war da dieser lange ersehnte Aushang: Ab 2. Juni wurde das Begegnungszentrum wieder geöffnet - und zur ersten Kursstunde am darauffolgenden Montag traten die sportlichen Damen nahezu vollständig an. "Wir hatten eben schon große Sehnsucht nacheinander", sagt Renate und lacht.

Im Juni war das Programm des Zentrums noch recht abgespeckt, schon im Juli soll aber wieder vieles möglich sein. Lediglich die Spieleabende und die Selbstverteidigungskurse pausieren noch coronabedingt. Anders als vor der Krise müssen sich alle Interessenten nun im Vorfeld telefonisch anmelden. Für alle Veranstaltungen gelten Mindestabstände und damit maximale Teilnehmerzahlen. Wenn die erreicht sind, müssen sich die nächsten Bewerber nach Alternativen umschauen.

Für die Frühstarter Renate und Monika ist das kein Problem. Sie bringen jetzt wieder wöchentlich ihre Knochen in Schwung, wobei Renate betont: "Wir müssen niemandem mehr etwas beweisen." Da muss Monika grinsen. "Aber wir versuchen es." 

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