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Nach dem Bob-Casting zum Schnuppertraining

Drei junge Sportlerinnen könnten Deutschland bei Olympia 2018 vertreten. Ob sie in den Zweierbob umsteigen?

Von Torsten Schilling

Castings wie das für angehende Bobpilotinnen im Mai in Altenberg sind das eine. Wenn die Fotoapparate, Mikrofone und Fernsehkameras ausgeschaltet sind, beginnt der Trainingsalltag mit Schinden und Schwitzen. Ganz zu schweigen vom Glamour. Denn den strahlt die Anfang der 1980er-Jahre gebaute Trainingshalle im Sportstättenkomplex ganz und gar nicht aus. Im Gegenteil: Die Zeit in dem Gebäude scheint stehengeblieben zu sein. Trotzdem werden seit Jahren erfolgreiche Bobfahrer gemacht.

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Vivian Bierbaum hatte beim Casting des Rennrodel-, Bob- und Skeletonverbandes Sachsen vor Kurzem am besten abgeschnitten. Ob die 16-jährige Leichtathletin aus Marbach in den Bob umsteigt, wird sich zeigen. Sie und die Plauenerin Julia Schiller (17) trainieren beim Leichtathletikverein 1990 Thum. Julia besucht das Sportgymnasium in Chemnitz; Vivian das Gymnasium in Flöha. Vier Kilogramm schwer ist das metallische Gerät, das sie sonst so weit wie möglich stoßen. Knapp 40-mal so viel – 150 Kilogramm – wiegt das Startrollengerät, das die zwei Kugelstoßerinnen sowie Handballerin Sophie Zeller (21) aus Weißenborn so schnell wie möglich in die Spur katapultieren sollen.

Ohne Blessuren geht die erste Bekanntschaft mit dem Trainingsbob nicht ab. Vor allem Schrammen an den Unterarmen tragen die drei jungen Frauen davon, wenn sie das Gerät aus einer tiefen Hocke heraus anschieben. „Ist ja wie bei einer Schubkarre“, entfährt es ihnen.

Der aus Heidersdorf stammende Verbandstrainer René Thierfelder treibt die angehenden Bobpilotinnen an. Immer und immer wieder. Er filmt die Eiskanalaspirantinnen, spielt ihnen die Startsequenzen vor. Analysiert. Kritisiert. „Euch werden nach dem ersten Training bestimmt die Oberschenkel brennen.“ Sein Fazit des Wochenendes: „Alle drei haben großes Potenzial.“

Die Trainingshalle in Altenberg gleicht einer Achterbahn. Es geht 68 Meter auf Schienen hinab bis zum Nullpunkt. Dann wieder nach oben in den Auslauf. 50, 60 Meter – je nach Bobbahn – sprinten Anschieberin und Pilotin neben dem Bob her, ehe sie in das Gefährt springen. Neben Schnellkraft ist auch Ausdauer gefragt.

„Früher wurde die Trainingsbahn im Sommer vereist“, so das Trainergespann René Thierfelder/Andreas Zschocke. Die DDR ließ sich sportliche Erfolge einiges kosten. Dass Bobfahrer früher im Sommer Starts auf Eis trainieren konnten, trug mit dazu bei, dass sie oft eine Kufe eher ins Ziel kamen als die Konkurrenz. Mittlerweile müssen die Schienen einer ehemaligen Schmalspurbahn das Eis simulieren.

Die richtige Bobbahn in Altenberg wird Ende September/Anfang Oktober vereist. Und bis dahin haben auch die drei jungen Frauen noch Zeit, sich zu entscheiden. Dann käme zum Schwitzen und Schinden im Training noch die Geschwindigkeit, die sie beherrschen müssten. Frauenbobs erreichen 125 bis 145 Kilometer pro Stunde. Angst? Das Trio schüttelt den Kopf.

Vivian Bierbaum lässt nach dem Training offen, ob sie im Eiskanal ihre sportliche Zukunft sieht. Auch Sophie Zeller sagt: „Ich habe meine Ausbildung als Immobilienkauffrau abgeschlossen. Mal sehen, wie es für mich weitergeht.“

Geht es nach Trainer René Thierfelder, soll aus Sophie eine Pilotin werden. „Als Handballerin hat sie die koordinatorischen Fähigkeiten dafür.“ (FP)