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Nach der Sanierung bleiben Dinge zu tun

Eine Verschönerungskur für die Hoyerswerdaer Altstadt mit staatlicher Hilfe ist aber nun endgültig vorbei.

„Städtebauliche Missstände“ heißt amtlich, was man vor drei Jahrzehnten in Hoyerswerdas Altstadt – hier im September 1991 – zuhauf vorgefunden hat.
„Städtebauliche Missstände“ heißt amtlich, was man vor drei Jahrzehnten in Hoyerswerdas Altstadt – hier im September 1991 – zuhauf vorgefunden hat. © Archivfoto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Einen offiziellen Schlussstrich unter ein sehr langwieriges Programm hat der Hoyerswerdaer Stadtrat während seiner Mai-Sitzung gezogen. „Im Januar 1991 hatte die Stadtverordnetenversammlung erste, vorbereitende Untersuchungen nach § 141 des Baugesetzbuches beschlossen“, erinnerte während der Ratssitzung Michael Kroll von der Beratungsfirma KEM an die Anfänge des förmlichen Sanierungsgebietes „Hoyerswerda Zentrum Altstadt“. Ein paar Minuten später hoben die Räte einstimmig die zugehörige Satzung über die Festlegung des Sanierungsgebietes auf. Sie stammte aus dem Jahr 1994.

Die Altstadt war nach dem Ende der DDR in einem Zustand, mit dem man nicht unbedingt Reklame machen konnte. Nicht nur hatten dazu Kapazitäts- und Materialmangel zu DDR-Zeiten und die Konzentration auf den Wohnungsbau vor allem in der Neustadt geführt. Eine ganze Reihe von Gebäuden war so nicht mehr zu retten. Doch es gab sogar noch Schäden beziehungsweise Brachen, die durch die Kampfhandlungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges verursacht worden waren.

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Kurz gesagt: Die Altstadt fiel in die Kategorie des Baugesetzbuches, die von städtebaulichen Missständen spricht. Diese sind dort spezifiziert als Gegebenheiten, die den Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und an die Sicherheit der betroffenen Menschen zuwiderlaufen oder die ein Gebiet in der Erfüllung seiner Funktion im Stadtraum behindern. Und es war viel zu tun. Das Sanierungsgebiet umfasste 27 Hektar. Dabei war das Bahnhofsquartier noch nicht einmal eingeschlossen, sondern es war zwischen 1997 und 2017 das zweite amtliche Sanierungsgebiet in der Altstadt.

30 Millionen Euro investiert

„Ein Großteil der Ziele sind umgesetzt worden“, befand Michael Kroll im Stadtrat. Alle geförderten Bau-Maßnahmen des letzten Vierteljahrhunderts aufzuzählen, zöge eine recht lange Liste nach sich. Kroll nannte als Beispiele die Wiederbebauung beziehungsweise den Lückenschluss im Bereich Schloßstraße / Badergasse / An der Mühle oder die Sanierung des Park-Cafés in den 1990ern. Die letzten größeren Maßnahmen, die mit der staatlichen Förderung für die Neugestaltung der Hoyerswerdaer Altstadt umgesetzt wurden, waren die Neuordnung des Schweinemarktes sowie die Umgestaltung des Mühlweges zwischen Kino und Johanneskirche.

Neben der Umsetzung der meisten Vorhaben besteht der zweite Grund für das Ende des amtlichen Sanierungsprogramms darin, dass Bund und Land dafür kein Geld mehr zur Verfügung stellen. Das Förderprogramm für städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen ist geschlossen worden. Die Zuschüsse aus Dresden und Berlin beliefen sich nach Angaben der Stadt über die Jahre auf 19,2 Millionen Euro. Mit zusätzlichen Mitteln aus der Stadtkasse sowie Sanierungsbeiträgen von privaten Eigentümern schlagen sogar reichlich 30 Millionen Euro zu Buche. „Die Ergebnisse sind deutlich im Stadtbild sichtbar und an der gestiegenen Attraktivität der Stadt erkennbar“, findet das Rathaus.

Allerdings warnte Michael Kroll davor, sich zurückzulehnen. Einerseits, sagt er, gebe es immer noch Orte, an denen einst städtebauliche Mängel diagnostiziert wurden und an denen sich bisher nichts oder wenig getan hat.

Neuer Sanierungsbedarf entstanden

Das prominenteste Beispiel ist wohl die im April 1945 niedergebrannte Ostseite des Marktes. Dort, wo einmal das Hotel „Zum goldenen Anker“, Kliches Brauerei und die Adler-Drogerie zu finden waren, erstreckt sich heute der sogenannte Schwarze Markt. Daran freilich, ob der Parkplatz wieder bebaut oder doch lieber in seinem Zustand belassen werden sollte, scheiden sich die Geister. Kroll wies aber auch darauf hin, dass über die letzten Jahre schon wieder neuer Sanierungsbedarf entstanden ist. Beispielhaft nannte er Bäume in der Friedrichsstraße, deren Wurzeln Gehwegabschnitte anheben. Allgemein, so der Kommunalberater, müsse die Stadt unter anderem darauf achten, dass Grünanlagen erhalten und gepflegt werden. Das Kapitel Altstadtsanierung mag unter diesem Namen also geschlossen sein. Eine Binsenweisheit ist aber, dass städtebauliche Entwicklung natürlich niemals endet.

Eine der letzten Maßnahmen im Förderprogramm war die Umgestaltung des Neumarktes.
Eine der letzten Maßnahmen im Förderprogramm war die Umgestaltung des Neumarktes. © Foto: Gernot Menzel
Die Umgestaltung des lange als Parkplatz genutzten Marktes war eines der ersten Vorhaben der Altstadt-Sanierung.
Die Umgestaltung des lange als Parkplatz genutzten Marktes war eines der ersten Vorhaben der Altstadt-Sanierung. © Foto: Uwe Schulz
Kein Vergleich zu früher ist auch das Quartier An der Mühle / Badergasse / Schloßstraße.
Kein Vergleich zu früher ist auch das Quartier An der Mühle / Badergasse / Schloßstraße. © Foto: Gernot Menzel

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