SZ +
Merken

Nach dem Studium ins Prüflabor

Was machen Absolventen der hiesigen Unis und Hochschulen nach ihrem Abschluss. Einige stellt die HochschulSZene vor: Heute Sabine Norosinski.

Teilen
Folgen

Von Silke Schoepe

Wer in Kischees denkt, ist bei Sabine Norosinski fehl am Platz. Denn die junge Frau hatte sich 2001 für den Studiengang Energie- und Umwelttechnik an der Hochschule Zittau/Görlitz eingeschrieben. Zuvor absolvierte die heute 28-Jährige eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Forstwirtin. „Mir hat es schließlich nicht gereicht, wenn es in der Schule hieß, die Atome zerfallen“, erinnert sie sich. Da musste mehr sein. Deshalb wählte sie im Hauptstudium die Vertiefung Kernenergie und Strahlentechnik.

Ihr Leitspruch „Nur der Denkende erlebt sein Leben, an Gedankenlosen zieht es vorbei“ von Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), die – für ihre Zeit ungewöhnlich – eine Uhrmacherausbildung absolvierte, passt überhaupt gut der jungen Frau. Denn in Zittau engagierte sie sich auch nach den Lehrveranstaltungen als studentische Hilfskraft und Mitglied des Studentenrates. Sie erhielt dafür sogar Unterstützung der Studienstiftung des Deutschen Volkes in Form eines Stipendiums.

Nach dem Diplomsemester bei Framatome ANP und dem erfolgreichen Studienabschluss in Zittau arbeitete sie für acht Monate bei Areva NP GmbH, ein Unternehmen von Areva und Siemens – eines der weltweit führende Kerntechnikunternehmen. „Ich habe mich dort mit der Sicherheitsphilosophie von Kernkraftwerken beschäftigt“, erzählt sie. Denn bereits zu Studienzeiten stand fest, dass Kernenergie so oder so kein Auslaufthema ist. Auch für den möglichen Abbau von Kraftwerken würden Spezialisten gebraucht, stand damals für sie fest. Allerdings interessierte sie bereits zu dieser Zeit das Forschungsgebiet Medizin und Strahlenschutz.

Insofern passt der berufliche Wechsel vor gut einem Jahr zu ihren Vorstellungen als Studentin: Sabine Norosinski wechselte zu Siemens Medical Solutions. „Ich bin dort im Prüflabor und bin zuständig für das Gebiet produktbezogener Strahlenschutz, hauptsächlich für die Produkte der Strahlentherapie“, erklärt sie.

Familiär hat sich seit ihrem Abschied aus dem Dreiländereck auch etwas getan, verheiratet ist sie mittlerweile. Doch es ist kein Abschied für immer, denn die Erinnerungen an die Studienheimat sind nur gute. „Mein letzter Kontakt zur Hochschule war zum Abschiedskolloquium für Professor Hans-Christoph Mehner. Mit ihm habe ich gut zusammengearbeitet. Letztes Jahr habe ich sogar meinen Urlaub in Zittau verbracht. Das war sehr schön“, sagt sie.

Ob das vermittelte Wissen genützt hat? Diese Frage kann sie auf jeden Fall bejahen. „Ohne die Ausbildung in Zittau wäre ich nie soweit gekommen. Das vermittelte Wissen war sehr solide und dennoch sehr tief greifend.“ Es sei, so glaubt sie, wichtig, Grundlagen zu vermitteln. „Absolventen sollen bestenfalls in der Lage sein, das erlangte Wissen auf die Realität anzuwenden.“ Daran würden Absolventen in der Praxis gemessen.

Insgesamt betrachtet, ist Sabine Norosinski deshalb zufrieden mit ihrem Lebenslauf, in dem die Hochschule Zittau/Görlitz eine tragende Rolle spielt.