SZ +
Merken

Nach der Krise wieder im Aufwind

Jütte-Messedruck wurde durch Fusion in eineSchieflage gebracht. Die Insolvenz hat gewunken.

Teilen
Folgen

Von Gitta Keil

Nach einer existenzbedrohenden Krise ist die Jütte-Messedruck Leipzig wieder auf Erfolgskurs. Im Jahr 2002 waren die beiden alteingesessenen Unternehmen Jütte und die Druckerei der Leipziger Messe fusioniert. „Das Jahr der Fusion hat die Firma in eine Schieflage gebracht. Die Insolvenz hat gewunken“, sagt der heutige Geschäftsführer Steffen Wölling. Mit konsequenter Umstrukturierung und sozial verträglicher Personalreduzierung in der Verwaltung sei es gelungen, das Unternehmen auf dem schrumpfenden Markt zu halten.

Nach einem siebenstelligen Verlust im Jahr 2003 stieg im Jahr darauf der Umsatz um 16 Prozent auf 10,4 Millionen Euro. „Damit haben wir ein positives Betriebsergebnis erwirtschaftet. Die Firma ist wieder in sicherem Fahrwasser“, sagt Wölling. Er ist seit August 2003 Geschäftsführer des Unternehmens, das zur Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH gehört. In diesem Jahr soll das Betriebsergebnis bei fünf Prozent des Umsatzes liegen. „Die Effekte der Umstrukturierung ernten wir jetzt, im Jahr 2005.“

Verwurzelung in der Region

Etwa 44 Prozent des Produktionsvolumens macht der Buchdruck aus. Zu 40 Prozent kommen Zeitschriften von den hochmodernen Druckmaschinen. Der Rest sind Werbematerialien. 82 Millionen Druckbögen, 2500 Aufträge und rund 320 Kunden – das ist die Bilanz des vergangenen Jahres.

Wölling sieht einen Erfolgsfaktor in der tiefen Verwurzelung der Druckerei in der Region. Der Hauptteil der Kunden sitzt in Mitteldeutschland in einem Umkreis von zirka 200 Kilometern. Großer Kunde ist weiterhin die Leipziger Messe. „Alle Leipziger Buchverlage lassen bei uns drucken“, erzählt Wölling. „Und wir wiederum kaufen unsere Materialien nur in der Region.“

„Das Unternehmen ist ausgelastet“, sagt Wölling. Um auch in Spitzenzeiten nicht in Bedrängnis zu geraten, gibt es flexible Arbeitszeiten und Überstundenkonten für die 65 fest angestellten Mitarbeiter. Dazu kommen 15 Aushilfen und Lehrlinge.

Nach Angaben des Verbandes Druck und Medien sind in der Druckindustrie derzeit 12 000 Unternehmen mit 186 000 Beschäftigten am Markt. Ein Drittel der Betriebe gehört zum Handwerk, 84 Prozent haben weniger als 20 Beschäftigte. Der Branchenumsatz wird auf 24 Milliarden Euro geschätzt. Zwar konstatiert der Verband nach dreijähriger Krise eine leichte konjunkturelle Besserung, bewertet die Geschäftslage aber als unverändert unbefriedigend.

Das Geheimnis, um im harten Verdrängungswettbewerb die Nase vorn zu haben, sieht Wölling in der Firmenphilosophie. Angesichts des hohen Standes der Technik könne fast jedes Unternehmen Qualität liefern. Für ihn sind weiche Standortfaktoren wie Beratung und Service ausschlaggebend.

Der Manager räumt indessen ein: „Wir haben im Osten einen Kostenvorteil im Vergleich zu den alten Bundesländern.“ Gegen Beschäftigungssicherung sei die 40-Stunden-Woche ausgehandelt worden. „Wir sind nicht tarifgebunden. Es gibt bei uns kein Weihnachtsgeld und kein Urlaubsgeld“, sagt Wölling. Allerdings sei bereits im vorigen Jahr ein kleiner Obolus an die Beschäftigten gezahlt worden. „Wenn wir den guten Lauf fortsetzen, wird das die Belegschaft auch in diesem Jahr spüren.“