merken
PLUS

Nach der Notbremse gibt Mizera wieder Vollgas

Der Dresdner Rennfahrer ordnet sein Leben neu und startet mit einem sächsischen Team im reifen Alter von 38 Jahren noch einmal durch.

© Marko Förster

Von Alexander Hiller

In Neuseeland passieren offenbar immer wieder faszinierende Dinge. Dort hat Regisseur Peter Jackson Großteile seiner 17-fach oscarprämierten Herr-der-Ringe-Saga gedreht. Ein offenbar idealer Ort für die märchenhaften Fantasy-Landschaften von Mittelerde, die J. R. R. Tolkien in seinen Romanen so lebendig beschrieben hatte.

ELBEPARK Dresden
Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden
Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden

Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Und auf dieser Insel im südlichen Pazifik entdeckte sich ein Dresdner quasi noch einmal neu. Im reifen Alter von 38 Jahren. Als Rennfahrer. Steve Mizera hat im Dezember und Januar als Gastfahrer bei der neuseeländischen Superbike-Serie noch einmal die große weite Motorrad-Welt geschnuppert – und nachher befunden, noch nicht zu alt zu sein für diese Art der sportlichen Herausforderungen. In gleich zwei Kategorien – der Bears- und der Superbike-Klasse – raste er in der Gesamtwertung in die Top zehn.

Also fasste der langjährige Langstrecken-Pilot den Entschluss: ich mache weiter. „Ich habe einfach gemerkt, dass noch reichlich Energie in mir steckt, ich noch richtig heiß auf weitere Rennen bin“, betont der Sachse. Der hat in der Zeit nach seinem Rennausflug nach Neuseeland sehr viel über sich nachgedacht – und ist zu einer lebensverändernden Erkenntnis gekommen. „Ich habe viel zu viel gearbeitet, und hatte somit kaum mehr Zeit für meine Freunde und die schönen Dinge im Leben“, sagt Mizera. Er zog deshalb für sich die Notbremse und gestaltet seither sein Leben ein wenig um. Seine Geschäftsführer-Position seiner Firma „Race-Taxi 99“ gab Mizera auf. Die Übernahme an die Firma „European Race Events Berlin“ sei „in der Abwicklung“, wie Mizera sagt. „Die Firma wächst und ich hätte neue Leute einstellen müssen, noch mehr Zeit investieren müssen. Das wollte ich nicht mehr“, sagt er. Hauptberuflich arbeitet Mizera seit Jahren als selbstständiger Handelsvertreter für Fahrrad- und Motorrad-Schutzausrüstungen. Auch ein zeitfressender Job. Also ist er nur noch Teilhaber der 2008 gegründeten Firma, die sich auf gut dotierte „Taxifahrten“ in Rennautos oder auf -Motorrädern auf deutschen Rennstrecken wie Oschersleben oder auf dem Lausitzring spezialisiert hat.

Die somit freigeschaufelte Freizeit investiert Steve Mizera in sein liebstes Hobby. Den Motorrad-Rennsport. Das sächsische Privat-Team „RS Speedbikes Racing Team“ hat den erfahrenen Piloten aus Dresden für zunächst zwei der insgesamt vier Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft des Weltverbandes FIM engagiert. Mizera glaubt, dass sein neues Team für die komplette Saison mindestens eine halbe Million Euro investiert. Unter anderem in sechs Fahrer, 20 Crewmitglieder und drei BMW-Rennmaschinen. „Ich werde beim Acht-Stunden-Rennen in Oschersleben Ende August mitfahren, und beim Wüstenrennen in Katar“, sagt Steve Mizera. Möglicherweise rutscht er auch für den Klassiker schlechthin – das 24-Stunden-Rennen in Le Mans – in die Mannschaft. Zudem absolviert der 38-Jährige das Fischereihafen-Rennen in Bremerhaven und zwei Läufe des internationalen BMW-Cups. Der Mann scheint hungriger als je zuvor. Über die Osterfeiertage absolvierte Steve Mizera Testfahrten auf dem Lausitzring. „Es macht mir derzeit unheimlich viel Spaß“, sagt er.