merken
PLUS

Nach der Sensation ist vor dem Alltag

Die Monarchs erhalten viel Lob für ihren Sieg in Wien. Das kann vor dem Punktspiel gegen die Berlin Rebels aber hinderlich sein.

© Steffen Unger

Von Alexander Hiller

Das Schulterklopfen dürfte jetzt wieder aufhören. Für ihren überragenden und überraschenden Sieg bei den Vienna Vikings in der europäischen Königsklasse „Big Six“ heimsten die American Footballer Dresden Monarchs jede Menge Lob ein.

Anzeige
Dotzler komplettiert Dresdner Abwehrreihe
Dotzler komplettiert Dresdner Abwehrreihe

Alexander Dotzler wird auch in der neuen Saison das Trikot der Blau-Weißen tragen.

Vor allem der deutsche Meister New York Lions aus Braunschweig reihte sich artig und fair in die Reihe der Gratulanten ein. Kein Wunder, profitierten die Braunschweiger (2:2 Punkte/30:24 Scores) vom 41:35-Sieg der Sachsen und stehen nun statt der jeweils punktgleichen Teams von Titelverteidiger Wien (2:2/49:54) oder Dresden (2:2/51:52) als Gruppensieger im Endspiel um den Eurobowl. Finalpartner sind die Berlin Adler, die sich in der vermeintlich etwas schwächeren anderen Dreier-Gruppe mit zwei Siegen klar durchsetzten. Die Dresden Monarchs dürften als Gruppenzweiter auch für die kommende Saison im Big-Six-Turnier gesetzt sein. Robert Huber, Präsident des Europäischen Dachverbandes EFAF, hatte in einem Interview mit der SZ erklärt, dass nur der Letzte beider Staffeln ein Relegationsspiel um den Verbleib in der europäischen Königsklasse bestreiten müsse. Das wäre also der Schweizer Meister Calanda Broncos.

Darum müssen sich die Dresden Monarchs nun keine Gedanken mehr machen. Sondern eher darüber, wie sich die Europapokal-Euphorie in den Bundesliga-Alltag hinüberretten lässt. Das ist gar nicht so leicht, wie es klingt. Denn am Sonnabend empfangen die Sachsen im Heinz-Steyer-Stadion (15 Uhr) mit den sieglosen Berlin Rebels eine Mannschaft, gegen die bei den Ansprüchen der Dresdner ein Sieg einer Pflichtübung gleichkommt. Liegt da nicht die Gefahr nahe, dass die Gastgeber nach dem Erfolg beim vermeintlich stärksten Vereins-Team Europas den kommenden Rivalen aus der Bundesliga-Niederung auf die leichte Schulter nehmen? „Natürlich ist diese Konstellation gefährlich. Aber wir tun im Training alles, um solche Gedanken zu vermeiden. Wir werden Gas geben“, sagt Co-Trainer Thomas Stantke.

Damit das nach den körperlichen Anstrengungen des Wien-Spiels und den damit verbundenen Reisestrapazen (sechs Stunden Busfahrt) auch am Sonnabend funktionieren kann, wurde das Training leicht modifiziert. Nach dem freien Montag folgte „am Dienstag ein relativ lockeres Training“, wie es Stantke formuliert. Körperlich besonders beanspruchte Athleten – wie etwa Punktegarant Trevar Deed (drei Touchdowns in Wien) – durften noch einen Tag länger die Beine und Seele untätig baumeln lassen.

„Unser ganzer Fokus ist nun wieder auf die Bundesliga ausgerichtet“, versichert Thomas Stantke. Auch wenn am Sonnabend der eine oder andere angeschlagene Stammspieler seine Blessuren noch auskurieren kann. Was durchaus Sinn machen würde. Denn eine Woche darauf treten die Dresdner dann beim Ligakrösus in Braunschweig an. Deren Dankbarkeit dürfte sich dann bereits erschöpft haben.