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Bautzen: Was Kretschmer zu den Sorgen der Wirte sagt

Nach dem Protest der Gastronomen kam Sachsens Ministerpräsident zum Gespräch in den Alten Bierhof. Kritische Fragen stellte vor allem das Publikum.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts) hat Sandro Reichel (Mitte) vom Best Western und André Domsch vom Alten Bierhof in Bautzen besucht. Ganz Sachsen konnte dabei sein - per Facebook-Livestream.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts) hat Sandro Reichel (Mitte) vom Best Western und André Domsch vom Alten Bierhof in Bautzen besucht. Ganz Sachsen konnte dabei sein - per Facebook-Livestream. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Noch vor einer Woche legten Bautzener Gastwirte Löffel in einen Sarg, trugen symbolisch ihre Betriebe zu Grabe. Sie schrieben Briefe an die Politik, suchten Rettung, erklärten: „Unsere Zeit läuft ab.“ Der Grund: hohe Umsatzeinbußen angesichts der Schließungen wegen des Coronavirus. Die Situation schien also eine gute Grundlage für ein kontroverses Gespräch zu sein - zu dem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Freitag in den Alten Bierhof kam. 

Welches Bild also bietet sich denen, die einen Blick in den Facebook-Livestream wagen? Die Szenerie: harmonisch. Vögel zwitschern, Blumen stehen auf den Tischen, im Hintergrund schieben sich langsam Autos über Bautzens Friedensbrücke. Erstaunlich harmlos verläuft die Debatte der Gastwirte mit dem Ministerpräsidenten. „Ich freue mich über den Start der Gastronomie“, erklärt Michael Kretschmer, er selber sitze gerade in einem „wunderbaren Restaurant“ und er sei hier, an diesem Tag, ja auch „ein Stück weit in seiner Heimat“.

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Kellner mit Mundschutz - klappt das?

Was also bewegt Bautzens Gastronomen? Die letzten Wochen seien zum Teil recht entspannt verlaufen, erklärt André Domsch, Inhaber des Bierhofes, dem Ministerpräsidenten, während sich die ersten Wut-Smileys und Daumen-hoch-Symbole der Zuschauer im Livestream über den Bildschirm schieben. „Andererseits haben wir natürlich gewartet.“

Mit Sorge, erklärt Sandro Reichel, Geschäftsführer des Best Western in Bautzen, blicke er einer Sache entgegen: Der Mundschutz sei im Sommer sicher eine Belastung für die Servicekräfte. Ihn beschäftige auch die Frage: „Wie nehmen die Gäste das an?“ Dennoch: Die Hygieneregeln an sich seien gar nicht so kompliziert, im Hotelbetrieb sei man darauf sowieso bedacht. Dann spricht er von immensen Einnahmeverlusten und einem gehemmten Buchungsverhalten. Später bitten Reichel und Domsch die Gäste um Nachsicht; erklären noch einmal, wie froh sie sind, endlich öffnen zu dürfen. Konkrete Forderungen? Stellen die beiden erst einmal nicht.

Die Reaktion des Ministerpräsidenten: „Es gibt eine Perspektive“, sagt er. „Heute in einem Jahr wird das Gröbste überstanden sein.“ Medikamente in Aussicht, vielleicht ein Impfstoff – es gelte eben, die Zeit bis dahin zu überbrücken. „Das ist nicht einfach“, zeigt er Verständnis.

Schulanfang mit den Großeltern feiern?

„Was also macht Sachsen gegen das Gastronomie-Sterben? Wie steht es um finanzielle Hilfen?“, fragt dann jemand aus dem Publikum. „Wir haben in den vergangenen Tagen intensiv über Gastronomie und Hotellerie gesprochen“, antwortet Kretschmer, spricht dann aber über die Wirtschaft im Allgemeinen weiter.

Überhaupt stellen vor allem die Zuschauer auf Facebook konkrete und kritische Fragen. „Sind denn jetzt Familienfeiern in der Gastronomie möglich?“, will jemand wissen. „Zur Zeit nicht“, antwortet Kretschmer. Dass bei größeren Feiern mit Familienangehörigen aus mehreren Haushalten Abstand gehalten wird, sei einfach sehr unwahrscheinlich.

„Und wie steht es um den Schulanfang? Kann die Familie da mit den Großeltern feiern?“, will eine Zuschauerin wissen. Kretschmer antwortet ähnlich wie auf die Frage, wie es um Trauerfeiern in der Gastronomie steht: Er wirbt für die Kontaktbeschränkungen, appelliert an die Vernunft jedes einzelnen.

Warum dürfen Reisebusse nicht fahren?

„Warum dürfen Flugzeuge fliegen, aber ich darf meine Reisebusse nicht fahren lassen?“, will ein anderer Kommentator auf Facebook wissen. Schließlich sei ja auch in Bussen ein Hygienekonzept möglich. „Ich bin bereit, das zu verändern“, antwortet Kretschmer. Es könnten dann vielleicht nur 20 statt 50 Leute im Bus sitzen, es sei fraglich, ob das wirtschaftlich ist. „Aber das ist natürlich nicht die Frage, die die Politik klären muss“, so Kretschmer. „Ich nehme das gerne mit.“

Immer wieder nennt Michael Kretschmer dieses Wort: „Verständnis“. Haben Bautzens Gastwirte welches? Kurz vor Schluss werden sie doch noch einmal kritisch. „Die sieben Prozent Mehrwertsteuer-Senkung nur auf Speisen“, erklärt Sandro Reichel, ist im Hotel ein Problem. Beim Frühstück, zum Beispiel, gebe es auch Getränke. „Da muss nachgesteuert werden“, fordert er. Und beim Kurzarbeitergeld, da reiche die Regelung auch nicht aus. „Die Gastronomie lebt auch vom Trinkgeld“, erklärt er – das sei nicht einberechnet. Michael Kretschmer nimmt das mit auf den Weg – und beendet mit einem „Bleiben Sie gesund“ den Livestream.

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