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Juwelendiebstahl: Das Rätsel um die Tiefgarage 

Warum brannte das Fluchtfahrzeug ausgerechnet in Dresden-Pieschen? Die Mieter dort sorgen sich um ihre Sicherheit und fürchten, dass ihre Autos kaputt sind.

Auf ihrer Flucht in einem Audi A6 Avant stoppten die Täter in einer Tiefgarage in Dresden-Pieschen. Dort steckten sie das Fahrzeug in Brand.
Auf ihrer Flucht in einem Audi A6 Avant stoppten die Täter in einer Tiefgarage in Dresden-Pieschen. Dort steckten sie das Fahrzeug in Brand. © Roland Halkasch

Gabi Schulze lebt seit zehn Jahren in einer schönen Maisonettewohnung in Dresden-Pieschen. Es ist eine ruhige, eher anonyme Wohnanlage, Elbblick inklusive. Seit Montag jedoch ist die Ruhe empfindlich gestört, und das hängt direkt mit dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe zusammen.

Auf ihrer Flucht in einem Audi A6 Avant stoppten die Täter in einer Tiefgarage in der Kötzschenbroder Straße. Dort unten steckten sie kurz nach 5 Uhr ihr Fahrzeug in Brand. Die Polizei ist sicher, dass die Täter so ihre Spuren verwischen wollten und ihre Flucht in einem anderen Fahrzeug fortgesetzt haben. „Gegenstände, die in dem ausgebrannten Auto gesichert werden konnten, lassen sich eindeutig mit dem Residenzschloss in Verbindung bringen“, sagte Kriminalrat Olaf Richter, der Leiter der Sonderkommission "Epaulette". Das Auto ist jetzt eine wichtige Spur für die Ermittler.

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Nicht so für Gabi Schulze. Sie fragt sich jetzt nach dem Grund, warum das Auto ausgerechnet unter ihrem Wohnhaus abgestellt wurde? Ob es möglicherweise Bezüge der Täter zu dem Wohnkomplex geben könnte? Die erlebte Sicherheit weiche nun einem Gefühl des Unbehagens, ja Misstrauens. Ähnlich hatten sich bereits weitere Bewohner geäußert.

Am frühen Montagmorgen hatte die Beamtin zunächst weißen Rauch aus den Lüftungsschächten im Innenhof strömen sehen, wenig später die Feuerwehr gehört. Dann, auf ihrer Terrasse, bekam sie mit, dass es brennt. Als die Feuerwehr noch mit dem Löschen beschäftigt war, war Gabi Schulz längst auf dem Weg zur Arbeit. Am Abend dann erlebte sie das volle Ausmaß des Brandes. Die Tiefgarage war ein abgesperrter Tatort. Dutzende Autos standen drinnen, total verrußt. „Es war alles schwarz“, sagt sie. 

Die Bewohner mussten bis Mittwochabend auf Heizung und Warmwasser verzichten, manche auch auf den Fernsehempfang. Erst am Mittwoch hat auch die Polizei die Tiefgarage freigegeben. Viele Stellplatzmieter fürchten, dass ihre Autos nur noch Schrott wert sind. Ein Gutachter habe vielen keine Hoffnungen gemacht, den Schaden ersetzt zu bekommen, sagt Gabi Schulze. Sie hat etwas Glück gehabt, der Stellplatz ihres BMW liegt weit vom Brandort entfernt, sodass ihr Wagen nicht erheblich verrußt wurde. Das Auto ist nun in der Werkstatt. 260 Euro wird sie die Reinigung kosten.

„Es gibt zu viele Wenn und Aber“

Drei Tage nach dem spektakulären Juwelendiebstahl weicht das öffentliche Entsetzen nur langsam. Die Sonderkommission „Epaulette“ arbeitet ihr Programm ab. Noch immer suchen Beamte in den Morgenstunden an den Tatorten am Schloss und im Bereich der Tiefgarage Zeugen, die möglicherweise auch ohne es zu ahnen wertvolle Beobachtungen gemacht haben.

Auch Gabi Schulze wurde vor ihrer Wohnung von Beamten befragt. Der ganze Fall bewegt sie sehr. Die Täter müssen, davon ist sie überzeugt, Insiderwissen gehabt haben, um die Tat so durchführen zu können. „Es gibt zu viele Wenn und Aber.“

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Die Dresdner Polizei hat am Donnerstag keine neuen Details veröffentlicht. Zu Medienberichten über die angebliche Fahrtroute der Täter, oder dass Mieter sie im Bereich der Tiefgarage gesehen haben wollen, sagte ein Sprecher nur: „Das kommentieren wir nicht.“ Am Nachmittag teilte die Staatsanwaltschaft Dresden mit, dass die Anzahl der Ermittler in der Soko von 20 auf 40 verdoppelt wurde. Darüber hinaus wird eine Belohnung von 500.000 Euro für Hinweise, die zu den Tätern führen, ausgesetzt. Das soll den Druck auf die Täter erhöhen und die Ermittlungen vorantreiben.

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