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Riesa

Nach Kollision mit Schranke: Lkw-Fahrer droht Fahrverbot

Ein Sattelzug fährt in Röderau bei Rot über die Gleise und beschädigt eine Bahnschranke. Für die Deutsche Bahn kein Einzelfall.

Momentan versperrt ein Sicherheitsband den Weg über die Bahnschranke in Röderau. Ein Lkw hat eine Seite der Anlage am Freitag zerstört. Deshalb muss nun ein Sicherungsposten den Verkehr regeln.
Momentan versperrt ein Sicherheitsband den Weg über die Bahnschranke in Röderau. Ein Lkw hat eine Seite der Anlage am Freitag zerstört. Deshalb muss nun ein Sicherungsposten den Verkehr regeln. ©  Sebastian Schultz

Zeithain. Die Spuren des Unfalls sind auch am Montag noch zu sehen: Die Schranke am Bahnübergang nahe der Mehrzweckhalle in Röderau ist noch nicht wieder einsatzfähig. Auch wenn Techniker der Deutschen Bahn das kaputte Teil bereits entfernt haben, muss der Übergang vorerst im Handbetrieb funktionieren. Immer wenn auf der Bahnstrecke Leipzig – Dresden ein Zug kommt, muss ein Sicherungsposten dort eine Absperrkette über die Fahrbahn ziehen.

Grund dafür ist ein Unfall mit einem Sattelzug. Ein 31-jähriger Ukrainer steuerte seinen in Polen zugelassen Lkw am Freitag kurz vor 17 Uhr aus Richtung Dorfplatz über den Bahnübergang – obwohl dort bereits das rote Blinklicht leuchtete. Während der Sattelzug die Gleise überquerte, senkte sich die Schranke ab und kollidierte mit dem Lkw-Auflieger. Die Schranke wurde bei dem Vorfall völlig verbogen und war danach nicht mehr einsatzfähig.

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Für die Deutsche Bahn ist der Vorfall keine Seltenheit. „Leider kommt es immer wieder aufgrund Fehlverhaltens von Straßenverkehrsteilnehmern zu Sachbeschädigungen, unter anderem an Bahnübergängen“, sagt Bahn-Sprecherin Erika Poschke-Frost auf Anfrage der SZ. Zwar sei die Zahl der Vorfälle seit Jahren rückläufig, dennoch gebe es an den rund 17.000 Bahnübergängen noch immer eine Reihe schwerer Unfälle. 

Eine entsprechende Statistik führt für das Jahr 2016 insgesamt 140 Kollisionen an Bahnübergängen auf. Fast alle hätten laut Bahn durch das richtige Verhalten der Verkehrsteilnehmer verhindert werden können. Etwa 90 Prozent der Zusammenstöße seien auf Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Unkenntnis zurückzuführen. „Vielen Autofahrern, Radlern und Fußgängern ist die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen am Bahnübergang oft nicht richtig bekannt“, heißt es von der Deutschen Bahn, die hierzu auf eine Studie des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft verweist. In der stimmte fast ein Viertel der 2.500 Befragten der Aussage zu, dass ein rotes Blinken am Bahnübergang dem Gelb der Ampel entspricht und ein Anhalten demnach nicht erforderlich sei. Dabei gilt das rote Blinken am Bahnübergang als unbedingtes Stoppsignal.

Warum der 31-jährige Ukrainer, der am Freitag mit seinem Sattelzug über die Gleise wollte, nicht rechtzeitig angehalten hat, ist derzeit noch unklar. Die Ermittlungen der Polizei dazu laufen. Brisant ist, dass der Vorfall an dieser Stelle eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen: Die Gohliser Straße ist in diesem Abschnitt für den Lkw-Verkehr gesperrt.

Reparatur dauert an

Wann die Schranke wieder in Betrieb gehen kann, wird sich im Laufe der Woche zeigen. „Die Reparaturarbeiten der Deutschen Bahn werden mehrere Tage in Anspruch nehmen“, so Bahn-Sprecherin Erika Poschke-Frost. Der Schaden beläuft sich laut Angaben der Polizei auf rund 1.000 Euro. Dies sei die übliche Größenordnung bei solchen Vorfällen, heißt es. 

Hinzu kommen die Reparaturkosten. „Solche Fälle werden zur Anzeige gebracht und die Kostenübernahme von den Verursachern eingefordert“, erklärt die Bahn-Sprecherin. Für den Lkw-Fahrer wird die Sache wohl ein langes Nachspiel haben. Die Polizei ermittelt wegen einer schweren Ordnungswidrigkeit. Dem Mann droht deshalb ein Fahrverbot.

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