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Nach nur einem Jahr: Siebenbürgen ist zu

"Heute leider geschlossen" steht an der Tür des rumänischen Restaurants in Görlitz - schon ganz schön lange.

Restaurant Siebenbürgen an der Neißstraße in Görlitz.
Restaurant Siebenbürgen an der Neißstraße in Görlitz. ©  Nikolai Schmidt

Es sieht nicht leer aus bei einem Blick durch die Fensterscheiben des Siebenbürgen. Die schweren Holztische sind zu sehen, sogar mit Tischdecken drauf. Die sind aus dem Leinen alter, großer Getreidesäcke genäht, erzählte Theodor Osnaga, als die SZ den Betreiber und das damals neue Restaurant in der Görlitzer Altstadt im Januar vorstellte. Alles ist noch da, vom Kleiderständer bis zu den Kerzenhaltern auf den Tischen. Aber es hängt ein Schild an der Tür: "Sehr geehrte Gäste, wir haben heute leider geschlossen." Es hängt nun schon länger.

Seit wann und warum das Siebenbürgen zu ist, dazu entspann sich kurz nachdem die Ersten das Schild entdeckt hatten, eine Diskussion auf einer Görlitzer Facebookseite. Dieser Post ist nun nicht mehr auffindbar. Aus den Kommentaren ging hervor, dass das Restaurant sehr plötzlich geschlossen haben soll. Warum, und ob es tatsächlich eine dauerhafte Schließung ist, kann man Theodor Osnaga nicht fragen. Der Telefonanschluss des Restaurants ist offenbar außer Betrieb, ans Handy geht er nicht ran. 

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Streit zwischen Pächter und Inhaber

Laut SZ-Informationen soll es nicht an fehlenden Einnahmen gelegen haben, das Siebenbürgen mit seiner rumänischen Küche soll gut gelaufen sein. Eine Suche in den Insolvenzbekanntmachungen gibt auch keine Treffer. Nach SZ-Informationen soll es aber Streit gegeben haben zwischen den Pächtern des Siebenbürgen und dem Inhaber und Vermieter des Gebäudes. Um was es nun genau ging? Auch Anfragen über Facebook bleiben unbeantwortet. Die Internetpräsenz des Siebenbürgen gibt es noch, die Facebook-Seite des Restaurants ist kurz nach der Anfrage durch die SZ nicht mehr verfügbar.

Die SZ berichtete im Januar über die Eröffnung des Siebenbürgen auf der Neißstraße. Laut dem Impressum auf der Facebookseite, die jetzt weg ist, war das Gründungsdatum am 14. Dezember 2018. Die Familie Osnaga betreibt seit vielen Jahren ein Restaurant mit Hotel in Bukarest, erzählte Theodor Osnaga im Januar. Die Familie habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine zweite Gaststätte, womöglich in Deutschland, zu eröffnen. Beziehungen in die Region hatten sie durch befreundete Familien. Während eines Besuches hier, und als sie sich im Internet über die Stadt informierten, seien sie durch Zufall auf einen Facebook-Post von Peter Michel gestoßen, dass die Räumlichkeiten in der Neißstraße 28 zu vermieten seien. Der gebürtige Ostritzer Peter Michel hatte das Gebäude seit 2016 aufwendig saniert, konnte dabei viel Historisches wie die Holzbalkendecken erhalten.

Pachtvertrag im März gekündigt

Theodor Osnaga kommt aus Bukarest, besuchte acht Jahre ein Gymnasium in Österreich, erzählte er der SZ. Nach der Matura ging er zurück nach Rumänien, um an der FABIZ-Hochschule in Bukarest BWL zu studieren. Während sein Bruder in Rumänien blieb, um das dortige Hotel zu führen, seien die Eltern mit nach Görlitz gekommen, um ihn beim Siebenbürgen zu unterstützen, erzählte Theodor Osnaga. Auf der Internetseite findet sich noch die Speisekarte: Burgerbrötchen mit Rind gab es, Ciulama und Tochitura nach rumänischer Art, Sauerkrautwickel, Hackfleischbällchen-Suppe, Papanasi.

Er habe Theodor Osnaga bereits im März den Pachtvertrag gekündigt, erzählt Hauseigentümer Peter Michel. "Es war von Anfang an nicht das beste Verhältnis", sagt er. "Es ist Verschiedenes passiert." Auch seines Wissens nach seien die Umsätze des Unternehmens sehr gut gewesen. "Das Essen war auch wirklich gut", sagt Peter Michel. Dennoch sei die Miete für mehrere Monate nicht gezahlt worden. "Stattdessen kamen immer neue Forderungen", erzählt er. 

Zum Beispiel sei die Beschwerde gekommen, die Abluft aus der Küche, die übers Dach abgeleitet wird, sei durch die Fenster wieder reingekommen. Und dass Dunst durch die Wände dringen würde, es rieche. Über dem Restaurant sind drei Wohnungen. "Ich bin selbst vor Ort gewesen, ich habe bei den anderen Mietern  nachgefragt. Ich habe Freunde ins Restaurant geschickt, damit sie mir ihren Eindruck sagen, ob es in der Gaststätte riecht. Da war nichts, auch in den Wohnungen nicht", sagt Peter Michel. Der Küchenabzug sei ohnehin ein großes Thema gewesen. Osnagas, so erzählt es Peter Michel, wollten eine neue Technik eingebaut haben, die mehrere tausend Euro gekostet hätte. "Aufgrund denkmalschutzrechtlicher Bestimmungen geht das nicht so einfach." Sein Eindruck ist, dass die immer neuen Forderungen dienten, um Zahlungen zu umgehen. "Man sollte seinen Teil des Vertrages auch einhalten, wenn man Forderungen stellt."

Schlechter Umgang mit Personal

Seinen Informationen nach sei auch der Umgang hinter den Kulissen mit dem Personal "zwischenmenschlich sehr schlecht gewesen." Peter Michel sagt, Theodor Osnaga sei nicht der einzige Pächter gewesen, sondern auch eine Frau, die im Bernstädter Ortsteil Dittersbach lebt. Ein Anruf bei ihr fällt kurz aus. Sie sei nur eine Mitarbeiterin gewesen, wenn es ums Siebenbürgen geht, müsse die SZ den Theo fragen. Aber bis Redaktionsschluss gab es keine Rückmeldung von ihm. Damit bleibt nur die Sicht des Vermieters auf die Dinge. In dem Impressum der verschwundenen Facebookseite des Restaurants stand Theodor Osnaga zumindest als Geschäftsführer alleine gelistet. 

Ob Osnagas noch einmal wiederkommen, ob es noch eine Übergabe der Geschäftsräume gibt - das weiß Peter Michel nicht. Auch bei ihm melde sich die Familie nicht zurück. "Ich werde nach Abklärung der Sache einen neuen Pächter suchen."

Andreas Nixdorf vom Fast-Nachbar-Restaurant Barbecue findet es schade, dass das Siebenbürgen zu ist. Die Neißstraße lebe von der Gastronomie, sagt er. Und das Siebenbürgen mit seinen rumänischen Speisen sei mal was anderes gewesen als das Erwartbare. 

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