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Meißen

Nach Russland-Embargo folgt der Brexit

Hegewald & Peschke hat kürzlich neue Prüfmaschinen entwickelt. Wirtschaftskrisen sind für die Firma nur eine Herausforderung.

Die Nossener Firma Hegewald & Peschke kann auf stetes Wachstum zurückblicken. Jan Hegewald (r.) – Sohn einer der beiden Firmengründer, Volkmar Hegewald (l.) – ist der dritte Geschäftsführer.
Die Nossener Firma Hegewald & Peschke kann auf stetes Wachstum zurückblicken. Jan Hegewald (r.) – Sohn einer der beiden Firmengründer, Volkmar Hegewald (l.) – ist der dritte Geschäftsführer. © Anne Hübschmann

Nossen. Werkstoffe auf verschiedene Eigenschaften, wie Reißfestigkeit zu prüfen, ist nichts Neues. Aber heutzutage wird alles Mögliche getestet. Beispielsweise wollen Unternehmen etwas über die Haltbarkeit von Obst und Gemüse wissen. Mithilfe bestimmter Tests kann das überprüft werden. Oder auch die Druckfestigkeit von Zahnimplantaten ist genauso gefragt wie die Haltbarkeit von Schubladen. Bei Letzterem sieht das Nossener mittelständische Unternehmen Hegewald & Peschke bei sich ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. Ständig entwickelt die Firma neue Prüfmaschinen. Erst im Mai stellte sie bei einer Messe zwei neue Universalprüfmaschinen-Serien für kleine Lasten vor.

Vor fast 30 Jahren mit Volkmar Hegewald und Volker Peschke als Zweimann-Firma angefangen, sieht das Unternehmen auf eine rasante Wachstumsentwicklung zurück. Inzwischen ist Sohn Jan Hegewald als dritter Geschäftsführer eingestiegen. Derzeit sind 70 Mitarbeiter, darunter 23 Ingenieure in den Bereichen Software, Entwicklung und Konstruktion, Projektmanagement und in einem Erprobungslabor beschäftigt. „Konstrukteure zu finden ist nicht schwer“, sagt Jan Hegewald. Jedoch gute Facharbeiter sind rar. „Wir suchen bereits seit einem halben Jahr einen Servicetechniker mit mechatronischer Ausbildung. Bisher haben wir noch keine einzige Bewerbung erhalten“, sagt Volkmar Hegewald. 

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Das Unternehmen könne im Vergleich zu den in Dresden ansässigen großen zwar nicht die gleichen Gehälter bezahlen, biete dafür aber sehr viel Abwechslung bei der Tätigkeit, ständigen Kontakt mit neuen Technologien und Materialien sowie ein sehr gutes Betriebsklima, sagt Jan Hegewald. Flache Hierarchien und eine Zusammenarbeit aller Abteilungen von der Entwicklung bis hin zum Service sind weitere Vorteile.

Anfangs mit Maschinen für die klassischen Werkstoffprüfungen gestartet, werden längst welche zum Test verschiedener Bauteile konstruiert und gebaut. Seien es Testvorrichtungen zur Überprüfung der Belastbarkeit von Bürostühlen oder der Anzahl möglicher Verstellungen eines Lenkrades im Auto. „Kürzlich haben wir einen Steinschlagtester entwickelt. Dabei werden kleine Kugeln mit 180 Kilometer pro Stunde auf einen Autokühler abgeschossen. Das hat einen Heidenspaß gemacht“, erzählen die Hegewalds. „Wir haben immer wieder interessante Aufgaben.“

Inzwischen hat die Firma weit mehr als 60.000 Artikel in ihrer Produktpalette. So sind Prüfungen mit kleinsten Lasten im Mikroelektronikbereich ebenso möglich wie Zerreißversuche an Baustählen, die zum Beispiel in Brücken verbaut werden.

Wachstum bedeutet aber auch mehr Verwaltung, was Ressourcen bindet. Und die ständig höheren Anforderungen an die Maschinensicherheit oder die Umsetzung der Vorgaben aus der Datenschutzgrundverordnung belasten relativ kleine Unternehmen wie Hegewald & Peschke. Und bei Wirtschaftskrisen wie dem Russland-Embargo muss reagiert werden. 

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Teilweise konnte der Verlust durch den Export in andere europäische Länder kompensiert werden. „Wir haben eine Umsatzeinbuße von rund zehn Prozent. Doch inzwischen verkaufen wir wieder nach Russland. 25 bis 30 Prozent werde in die EU und nach Asien exportiert. „Dieser Exportanteil ist relativ gering für unsere Firmengröße.“ Der jährliche Umsatz liege im Bereich von zehn Millionen Euro. Von den Folgen des Brexit werde das Unternehmen aufgrund weniger bisheriger Kontakte zum Glück nicht bedroht sein: „Im Gegenteil. Wir haben jetzt mehr Anfragen aus Großbritannien als vorher“, sagt Jan Hegewald.

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