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Segway-Aus: Was wird aus Dresdner Touren?

Der US-Hersteller hat die Produktion der Gefährte gestoppt. Carola und Torsten Klapper wollen sich von dieser Nachricht aber nicht aus der Spur bringen lassen.

Jetzt erst recht: Die Segway-Touren in Dresden sollen fortgesetzt werden.
Jetzt erst recht: Die Segway-Touren in Dresden sollen fortgesetzt werden. © René Meinig

Dresden. Es gibt wohl niemanden, dem Segways einfach egal sind. Die einen fanden sie schon immer lächerlich und nutzlos - die anderen dagegen faszinierend und praktisch. Die Dresdner Carola und Torsten Klapper gehören definitiv zur zweiten Gruppe. Schon als sie 2010 im Florida-Urlaub erstmals diese neuartigen Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern sahen, hatten sie sofort Feuer gefangen.

Nur drei Jahre später machten sie sich in Dresden mit Segway-Touren selbstständig, nachdem sie zuvor eine Zeit lang für andere Anbieter im Einsatz gewesen waren. 

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Bald schon zeigte sich: Der Markt ist da. Vor allem Touristengruppe ließen sich bereitwillig auf die Segways ein und folgten Carola und Torsten Klapper auf ihren Touren. Ganz nebenbei, aber nicht ohne Stolz, erwähnen die beiden, dass sie seit Jahren auf einem bekannten Touristikportal auf Platz 1 in der Kategorie "Stadttouren in Dresden" gelistet seien.  

Natürlich ist in diesem Jahr alles anders. Zwar mussten die Klappers nicht offiziell pausieren, Fahrgäste gab es dennoch monatelang keine. "Dafür fahren die Leute jetzt auch in der größten Sommerhitze, was sie sonst nicht taten", sagt Torsten Klapper. "Die sind einfach ausgehungert und wollen etwas erleben."

Sechs Touren sind derzeit im Programm. In der Corona-Pause kam jüngst eine Einsteigerrunde ab 35 Euro dazu - wobei sowieso 80 Prozent aller Gäste nie zuvor auf einem Segway gestanden hätten. "Am Anfang sind die meisten noch skeptisch, aber am Ende will keiner mehr runter", sagt Torsten Klapper.

Mitten hinein in diesen Aufschwung platzte zuletzt eine Nachricht, die aufhorchen ließ: Nach 20 Jahren stellt der US-amerikanische Hersteller Segway die Produktion des gleichnamigen Gefährtes ein, wie er offiziell mitteilte. 

Es ist das Ende einer Mobilitätsrevolution, die 2001 noch so vielversprechend startete und am Ende zum kommerziellen Flop werden sollte. Gerade einmal insgesamt 140.000 Exemplare verkaufte Segway weltweit - dabei sollten es mal 100.000 Stück jährlich werden.

Auf dem Elberadweg wird man die Segways auch in Zukunft vor allem in Rudeln antreffen.
Auf dem Elberadweg wird man die Segways auch in Zukunft vor allem in Rudeln antreffen. © SegCity

Nun also ist der Segway am Ende - doch was wird nun aus SegCity und den Touren von Torsten und Carola Klapper, ihrem späten Lebenswerk? Sie haben Hochwasser überstanden, Diebstähle, sie haben sogar die massenweise Einführung der Elektro-Roller klaglos hingenommen, die glücklicherweise nur bedingt für das Kopfsteinpflaster in der Altstadt taugen. Und nun das.

"Natürlich machen wir weiter", sagt Torsten Klapper ohne die Spur eines Zweifels. Die Segways stünden im Lager, das Interesse der Touristen sei nicht plötzlich weg. Was soll also passieren? Womöglich könnte es für ihn und seine Frau sogar ein Vorteil werden, wenn ihre Nische bald noch kleiner würde. Wer in Dresden künftig einen Segway ausprobieren möchte, der hat dann nicht mehr viele andere Optionen. 

"Segway fahren war schon immer etwas Besonderes und das wird es auch bleiben", sagt Torsten Klapper. Für den privaten Kauf seien diese Dinger mit ihrem Preis von rund 10.000 Euro doch viel zu teuer gewesen. Und genau deshalb hätten sie sich auch nicht im Alltag durchgesetzt.

Was aber ist nun, wenn einer der derzeit 20 Segways aus seinem Fuhrpark den Geist aufgibt? "Das passiert nicht", sagt Torsten Klapper und schickt ein vielsagendes Lächeln hinterher. "Die waren viel zu teuer. Die haben alle Namen und werden von uns gestreichelt." Glücklicherweise habe das Unternehmen ihres Vertrauens in Bayern, das sich auf die Reparatur von Segways spezialisiert hat, bereits signalisiert, dass man im Schadensfall weiterhin schnell und sicher helfen könne. "Und einiges machen wir ja auch selbst", sagt Torsten Klapper.

Da die beiden ihre Segways grundsätzlich nicht verleihen, sondern nur im Rahmen ihrer Touren nutzen, können sie auch stets persönlich auf den liebevollen Umgang mit den E-Scootern achten und helfen jedem Tour-Teilnehmer schon deswegen gern beim Auf- und Absteigen.

Schlimmer als die Nachricht vom Segway-Aus trafen die Dresdner Unternehmer zuletzt die überregionalen Medienberichte, in denen die Meldung wortreich bejubelt wurde. "Das war wirklich geschäftsschädigend", klagt Carola Klapper. 

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