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Nachbarn ärgern sich über Trittbrett-Fahrerei

Coswig verlässt zum Jahresende den Tourismusverband Sächsisches Elbland (Die SZ berichtete). Die Nachbarn Radebeul und Meißen sind darüber verstimmt. Denn obwohl Coswig künftig keine Beiträge mehr zahlt, wird es zumindest teilweise weiter von der Arbeit des Verbandes profitieren.

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Von Sven Görner

„Glücklich sind wir natürlich nicht über die Coswiger Entscheidung“, sagt Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos), „fehlt doch das Geld für die Arbeit des Tourismusverbandes.“ Allerdings liege diese Entscheidung nun einmal allein in der Hoheit der Nachbarstadt. „Wir beabsichtigen aber nicht, auszutreten“, baut der Radebeuler Rathauschef Befürchtungen vor einem Dominoeffekt vor. Die Lößnitzstadt zahlt jährlich 23 800 Euro an den Verband, Coswig dagegen nur 9 700. Doch auch diese Summe war den Coswigern zu viel, weil sie aus ihrer Sicht deutlich weniger vom Tourismus profitieren als etwa Radebeul und Meißen. Darum will Coswig auch eine Veränderung der Finanzierung der Verbandsarbeit erreichen.

Gegenwärtig zahlt jede Kommune 41 Cent je Einwohner und 17 Cent für jeden ankommenden Touristen. Die Coswiger wollen das umkehren. Für Verbandschef Udo Niehoff ist das kein optimaler Vorschlag. Und auch Wendsche hält die gegenwärtigen Verfahrensweise für eine gesunde Mischfinanzierung. „Man muss schließlich auch gegenüber stellen, was man dafür bekommt. Und schließlich wurde die Zahlungsweise ja auch erst vor zwei oder drei Jahren geändert. Seit dem zahlt Radebeul übrigens fast das Doppelte.“

Ähnlich tief in die Tasche greifen muss Meißen: 22 500 Euro überweist die Domstadt an den Verband. „Das ist zwar die Schmerzgrenze, aber an einen Austritt denken wir nicht“, sagt Renate Fiedler, Referentin für Kultur und Presse. Und das, obwohl die Stadt zum Jahresende sogar ihre Tourismus-GmbH auflöst. Pro Jahr 240 000 Euro hatte die Stadt an diese überwiesen. Künftig soll die Arbeit des Tourismusbüros am Markt nur noch mit jährlich 65 000 Euro unterstützt werden. Für das Büro gebe es mehrere Bewerber. Renate Fiedler weiß allerdings nicht, ob ein reibungsloser Übergange zum Jahreswechsel gelingt, oder das Büro erst zu einem späteren Zeitpunkt seine Türen wieder öffnet.

Um so mehr ärgert sie daher die Trittbrett-Fahrerei der Coswiger im Tourismusverband. „Dagegen kann man aber leider nichts machen.“ Das sieht auch Niehoff so. Schließlich könne man die Stadt ja nicht aus Prospekten oder Internet-Informationen zum Elberadweg oder zur Weinstraße verbannen.

Außerdem ist der Verbandschef trotz der mehrheitlichen Entscheidung des Coswiger Stadtrates weiter optimistisch, dass die Stadt im Verband bleibt. Vielleicht lässt sich ja noch eine Finanzierung außerhalb der städtischen Finanzen realisieren. Die Stadtverwaltung wolle das zumindest versuchen.

Auf jeden Fall wären dann die Chancen für die Coswiger größer, letztlich doch noch eine Änderung bei der Berechnung des Beitrages zu erreichen. Wendsche sagt jedenfalls deutlich: „Wer kein Mitglied ist, kann sich auch nicht über die Finanzierung verständigen.“