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Nachbarschaftshilfe in Corona-Zeiten

Jan Krüger und Jasmin Kumar bieten mit der Facebook-Gruppe "Corona Hilfe Zittau" jetzt eine Plattform, um Unterstützung bei alltäglichen Dingen zu vermitteln.

Von Elke Schmidt
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Jan Krüger aus Zittau ist Mitglied und Koordinator in der Facebook-Gruppe "Corona Hilfe Zittau".
Jan Krüger aus Zittau ist Mitglied und Koordinator in der Facebook-Gruppe "Corona Hilfe Zittau". © Matthias Weber/photoweber.de

Jan Krüger weiß gar nicht so recht, was er sagen soll. Seit gerade einmal einem Tag führt er das Helfer-Register der Facebook-Gruppe "Corona Hilfe Zittau" und schon stehen fast 40 Leute auf dieser Liste. Sie alle wollen den Menschen, die vom Corona-Virus betroffen sind oder sein werden, helfen. Das beeindruckt den 39-Jährigen sehr. In diesem Umfang und so schnell hatte er das nicht erwartet, sagt er. Er sei regelrecht überwältigt von dieser großen Hilfsbereitschaft. Da ist ihm der doch erhebliche Zeitaufwand, den er inzwischen für die Gruppe betreibt, egal. Doch auch wenn Jan Krüger sich sehr engagiert. Er ist nicht Gründer der Gruppe.

Die Idee stammt von Jasmin Kumar. Die 26-Jährige kommt ursprünglich aus Zittau, wohnt derzeit jedoch in Berlin. Dort gibt es ähnliche Facebook-Gruppen bereits seit einiger Zeit und die werden richtig gut angenommen, schreibt sie. Sie findet das mehr als gut und wollte diese Art der Hilfe auch in ihrer alten Heimat organisieren. Jan Krüger weiß als Moderator einiger Facebook-Gruppen, wie viel Arbeit diese machen können. Also bot er Jasmin Kumar seine Hilfe an. Sie kannten sich vorher nicht persönlich, doch nun arbeiten sie als Team zusammen. Die Arbeit teilen sie sich.  Jasmin Kumar übernimmt die Administration und er organisiert die Hilfe vor Ort. 

Dafür legt der Wahlzittauer gerade ein Offline-Register an. Dort trägt er ein, wer auf welche Art helfen möchte. Dafür hat er seine private Telefonnummer veröffentlicht. Dort kann jeder anrufen, der Hilfe anbietet oder braucht und bekommt dann die passenden Kontaktdaten. Möglich ist das natürlich auch über die Facebook-Seite. Wichtig ist Jan Krüger auch der Datenschutz. Selbstverständlich gebe er die persönlichen Daten der Helfer an niemanden weiter und löscht sie am Ende der Krise, sagt er. Darum brauche sich niemand Sorgen machen.

Die beiden haben außerdem klare Regeln für die Gruppe aufgestellt. Es gehe nicht um Politik oder Religion und auch für Grundsatzdiskussionen sei sie nicht der richtige Ort, sagen sie. Sie wollen ausschließlich praktische Hilfe für wirklich alle Menschen in der Region vermitteln. Einzige Ausnahme sind Leute, die Geld verdienen wollen. Sei es privat oder kommerziell - diese Anfragen werden konsequent gelöscht, sagen sie.

©  privat

Obwohl die Gruppe "Corona Hilfe Zittau" heißt, kommen die Helfer längst nicht nur aus Zittau mit seinen Ortsteilen, sondern auch aus Großschönau, Hainewalde, Kittlitz, Löbau, Drausendorf, Hirschfelde, Waltersdorf, Herrnhut und Umgebung, Hörnitz, Olbersdorf und Seifhennersdorf. Ein erstes Mal wurde bereits geholfen. Eine Familie in Quarantäne brauchte dringend jemanden, der ihre Hunde ausführt. Die kamen mit dem plötzlichen Nur-in-der-Wohnung-sein überhaupt nicht klar. Kaum war dieser Wunsch gepostet, war dieses Problem gelöst. 

Die Helfer erledigen aber auch Einkäufe und einer kann bei Bedarf Kontakte zur Oberlausitzer Tafel vermitteln. Doch eigentlich sei es ganz egal, welches Problem jemand hat, sagen die Administratoren. Wer irgendwie von der Krise betroffen ist und Hilfe braucht, soll sich an die Gruppe wenden. Das können auch Weggezogene sein, die für ihre Angehörigen in der Heimat Hilfe brauchen. Man werde versuchen, für jeden eine passende Lösung zu finden. Dabei will Jan Krüger auch Ansprechpartner sein. Denn wenn jemand einsam in der Isolation sitzt, könne selbst ein Telefongespräch schon sehr helfen, weiß er als ehrenamtlicher Seelsorger. Jasmin Kumar bittet außerdem darum, Hilfe auch direkt bei sich im Wohngebiet oder im eigenen Hausflur anzubieten oder dort den Flyer der Gruppe auszulegen. Denn nicht jeder, der Hilfe braucht, nutze Facebook, schreibt sie.

Nicht zuletzt möchten sie und Jan Krüger den Vorwurf entkräften, sie wollten Panik verbreiten. Das stimme nicht, sagen beide. Helfer zu finden und diese zu organisieren brauche eine gewisse Zeit, die man im Ernstfall vielleicht nicht habe. Dann sei es gut, vorbereitet sein.

Doch selbst wenn gar nicht so viel Hilfe gebraucht werden sollte: Eins hat die "Corona Hilfe Zittau" schon jetzt gezeigt. Die Menschen in den ehemaligen Altkreisen Löbau und Zittau stehen zueinander, wenn es darauf ankommt.

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