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„Nachbarschaftshilfe wichtiger denn je“

In der Corona-Krise birgt gerade das Einkaufen ein hohes Risiko. Astrid Sommer vom Bürgerhaus Roßwein will gegensteuern.

Astrid Sommer leitet das Bürgerhaus in Roßwein – zurzeit unter erschwerten Bedingungen.
Astrid Sommer leitet das Bürgerhaus in Roßwein – zurzeit unter erschwerten Bedingungen. © Foto: Archiv

Das Bürgerhaus in Roßwein ist derzeit geschlossen. Gearbeitet wird aber trotzdem. Die Hilfen stehen ganz im Zeichen der Corona-Krise. Der Döbelner Anzeiger sprach darüber mit Mitarbeiterin Astrid Sommer.

Frau Sommer, soziale Distanz steht eigentlich im Widerspruch zu Ihrer Arbeit. Wie halten Sie den Kontakt trotzdem aufrecht?

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Auch wenn unsere Einrichtung geschlossen ist, sind wir für die Roßweiner da, die Hilfe brauchen oder einen Rat suchen. Leider können wir aber niemanden persönlich empfangen. Der Kontakt läuft derzeit ausschließlich über das Telefon oder per E-Mail. Anders geht es gerade nicht.

Welche Hilfsangebote halten Sie bereit?

Hauptsächlich versuchen wir, zu koordinieren. Da ist zum Beispiel die Nachbarschaftshilfe. Der Besuch im Supermarkt ist momentan eins der größten Risiken, bei dem sich gerade Menschen, die zur Risikogruppe gehören, mit dem Coronavirus infizieren könnten, auch wenn die Mitarbeiter in den Märkten aus meiner Sicht sehr umsichtig sind und alles versuchen, das Risiko so gering wie möglich zu halten. Wir wollen trotzdem helfen, dass ältere Menschen so wenig wie möglich selbst in den Supermarkt gehen. Dafür stellen wir ein Hilfsnetzwerk auf die Beine. Sehr viele engagierte Leute haben dafür ihre Hilfe bereits angeboten. Die Zahl der Hilfesuchenden hält sich aber in Grenzen.

Was denken Sie, woran liegt das?

Ich glaube, dass sehr viel über die Familien organisiert wird, was ja auch gut und richtig ist. Dass die Kinder oder Enkel zuerst für Eltern oder Großeltern einkaufen gehen, kann ich natürlich nachvollziehen. Unser Angebot richtet sich vor allem an die Menschen, die im familiären oder häuslichen Umfeld niemanden haben, der einspringen könnte. Die sollten sich nicht scheuen und bei uns anrufen. Wir organisieren das. Es könnte aber auch sein, dass Betroffene das Risiko nicht sehen oder sehen wollen. Gerade für Leute, die alleine leben, ist der Einkauf oftmals die einzige Verbindung zur Außenwelt.

Derzeit ist ja auch die Ausgabestelle der Döbelner Tafel in Roßwein geschlossen. Können Sie auch hier Hilfe vermitteln?

Ja, das ist möglich. Hierbei wäre es gut, wenn Berechtigte, die mit dem Auto zur Döbelner Tafel fahren, für andere, die nicht mobil sind, Lebensmittel mitbringen können. Ein Roßweiner Bürger hat das bereits von sich aus angeboten und praktiziert das schon. Er bringt die Waren dann auch gleich direkt vorbei, natürlich unter Beachtung der derzeit geltenden Hygieneregeln. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Helfer die Waren bei uns abgeben und wir verteilen sie dann an die Berechtigten.

Gibt es weitere Angebote für Familien?

Wir arbeiten mit dem Jugendhaus daran, eine Art Hausaufgabenhilfe via Video-Chat anzubieten. Dazu müssen die Familien aber auch die technischen Voraussetzungen zu Hause haben. Das ist mitunter ein Problem. Informieren können sich Interessierte bei uns am Fenster des Bürgerhauses am Markt über Dienste, die Essen liefern - wenn mal die Lust zum Selberkochen fehlt.

Wie sind Sie erreichbar?

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Telefonisch sind wir unter der Rufnummer 034322 581431 von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr erreichbar. Außerhalb dieser Zeiten können Betroffene auch auf den Anrufbeantworter sprechen. Wir rufen dann so schnell wie möglich zurück. Unsere E-Mail-Adresse lautet: [email protected] Einen Hinweis habe ich noch zum Thema Datenschutz: Die Kontaktdaten werden von uns ausschließlich für das Hilfsnetzwerk gespeichert und nach Ablauf der Krise gelöscht.

Das Gespräch führte Elke Braun.

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