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Nachbarstreit bleibt vorerst ungeklärt

Einer Frau wird Beleidigung und Hausfriedensbruch vorgeworfen. Vor Gericht erscheint aber nur die Angeklagte.

Die Zeugen sind der Verhandlung ferngeblieben. Ein neuer Termin ist erforderlich.
Die Zeugen sind der Verhandlung ferngeblieben. Ein neuer Termin ist erforderlich. © Symbolfoto: Sebastian Schultz

Döbeln/Ostrau. Der Vorfall liegt schon knapp zwei Jahre zurück. Dennoch ist der Angeklagten anzumerken, wie nahe ihr das Ganze noch geht.

Die 48-Jährige hat damals im Ostrauer Ortsteil Jahna gewohnt. Ihr wird vorgeworfen, Hausfriedensbruch begangen zu haben. Zudem soll sie den Besitzer geschlagen und ihn beim Verlassen der Wohnung beleidigt haben.

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Freund drückt Anrufe weg

Doch die Frau, die inzwischen nach Hessen gezogen ist, schildert die Vorfälle ganz anders. An dem besagten Tag im September 2018 wollte sie mit ihrem Freund essen gehen. Der war jedoch bei den Nachbarn nebenan. Auf ihre Anrufe habe der Mann, von dem sie inzwischen getrennt ist, nicht reagiert, habe sie immer wieder weggedrückt.

„Ich bin dann zu den Nachbarn, um meinen Freund abzuholen. In das Haus bin ich gar nicht hineingekommen“, sagt sie bei der Verhandlung vor dem Döbelner Amtsgericht. Vielmehr sei sie, nachdem sie angeklopft hatte und die Tür geöffnet wurde, von einem Mitglied der Nachbarsfamilie weggestoßen worden. Anschließend sei es vor dem Eingang zu einem Gerangel gekommen. Die Angeklagte räumt ein, dass sie dabei die Geschädigte mit ihrer Hand getroffen haben könnte. „Ich habe aber niemanden bewusst geschlagen“, sagt sie.

Auch den Tatbestand der Beleidigung – die Worte „Hartz IV-Schmarotzer“ und „Assi“ sollen laut Anklageschrift gefallen sein – weist sie weit von sich. Auf den Aktenvermerk der Polizei, man habe sie deutlich schreien hören, hat die Angeklagte nur eine Erklärung: „Ich war auf 180.“

Angespanntes Verhältnis zu den Nachbarn

In der Zeit nach dem Vorfall habe es vonseiten der Nachbarn immer wieder böse Kommentare über den Gartenzaun gegeben. Sie habe schließlich das Haus aufgegeben, welches sie zuvor ausgebaut hatte, und sei nach Hessen gezogen. Dort arbeite sie als Köchin.Anwältin Renate Krüger hält die Angaben ihrer Mandantin im Hinblick auf den Vorwurf des Hausfriedensbruchs für plausibel. „Schauen Sie sich doch die kleine Frau an. Wenn da mehrere Personen im Eingang stehen, kommt sie an denen nicht vorbei“, so Krüger.

Staatsanwalt Christopher Jusciak will die Hintergründe verstehen. Er fragt nach dem Verhältnis zwischen der Angeklagten und der Nachbarsfamilie. Das sei von Beginn an angespannt gewesen. Sie habe mit der Familie nicht viel zu tun haben wollen. Deshalb habe sie es nicht so gern gesehen, dass ihr Freund öfter Umgang mit ihnen hatte. „Und wer hat mit dem Gerangel angefangen?“, fragt der Staatsanwalt. „Vermutlich ich“, bekennt die Angeklagte. Nachdem sie vom Eingang weggestoßen worden sei, hätten alle Mitglieder der Familie um sie herum gestanden. Die Situation sei für sie durchaus bedrohlich gewesen.

Richterin Nancy Weiß fragt sich, warum die Zeugen gegenüber der Polizei diese Aussagen gemacht haben, wenn der Wahrheitsgehalt nach den Worten der Angeklagten nicht groß ist. „Die wollten mir eins auswischen“, so die Angeklagte.

Anwältin beantragt Einstellung des Verfahrens

Die Mitglieder der Familie sind allesamt als Zeugen geladen. Erschienen ist jedoch keiner von ihnen. Richterin Nancy Weiß verhängt jeweils 150 Euro Ordnungsgeld für das Wegbleiben. Anwältin Renate Krüger beantragt, das Verfahren einzustellen. „Ich finde es bezeichnend, dass keine Zeugen da sind“, sagt sie.

Staatsanwalt Christopher Jusciak will sich diesem Vorschlag jedoch nicht anschließen. „Die Angeklagte kann die Wahrheit gesagt haben oder auch nicht. Auch wenn kein Zeuge erschienen ist, macht es die begangene Straftat nicht unwichtig“, so Jusciak.

Das Verfahren wird vertagt auf den 3. September, beschließt die Richterin. Für die Angeklagte bedeutet das, dass sie erneut von ihrem neuen Wohnort anreisen wird. „Sie könnten der Verhandlung auch fernbleiben, doch dann können sie auf die Aussagen der Zeugen nicht reagieren“, macht Nancy Weiß deutlich.

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