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Juniorchef steigt im Hotel Bei Schumann ein

Viele Jahre hat Frederik Nebrich in den besten Hotels gearbeitet, jetzt kehrt er in den elterlichen Betrieb nach Kirschau zurück – und zählt erst einmal Handtücher.

Ab sofort bildet Petra Schumann gemeinsam mit Sohn Frederik Nebrich die neue Spitze im Wellness-Hotel Bei Schumann in Kirschau.
Ab sofort bildet Petra Schumann gemeinsam mit Sohn Frederik Nebrich die neue Spitze im Wellness-Hotel Bei Schumann in Kirschau. © SZ/Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Hätte sich Frederik Nebrich nicht für das Hotel- und Gastronomiegewerbe entschieden, es hätte für ihn nur eine alternative Karriere gegeben: "James Bond wollte ich werden. Aber nur um meiner Mutter einen Urlaub auf Mauritius zu bezahlen", sagt er lachend. Daraus wurde nichts, erzählt er weiter – und eigentlich habe er das Gastgewerbe sowieso immer im Hinterkopf gehabt.

Kein Wunder: Der 25-Jährige ist der älteste Spross von Petra Schumann. Gemeinsam mit ihrem Mann Rüdiger führt sie seit 1998 das Wellness-Hotel Bei Schumann in Kirschau – den künftigen Geschäftsführer des Vier-Sterne-Hauses brachte sie schon im Kleinkindalter mit zur Arbeit.

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So geprägt führte sein Weg zur Ausbildung in die besten Häuser des Landes: Im Dresdner Bülow-Palais ließ er sich zum Hotelfachmann ausbilden, arbeitete dann rund zwei Jahre im Gourmet-Restaurant Falco in Leipzig. Über Umwege gelangte er in den Bayrischen Hof und das Sofitel in München – allesamt Häuser der Luxusklasse.

Vor drei Wochen, sagt er, hat er nun gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin den Umzug von der bayrischen in die sächsische Landeshauptstadt hinter sich gebracht – und am Mittwoch seinen ersten Arbeitstag im Unternehmen der Familie angetreten.

Bald wird auch ein Foto des zukünftigen Geschäftsführers Frederik Nebrich in der Galerie im neu errichteten Seeflügel hängen.
Bald wird auch ein Foto des zukünftigen Geschäftsführers Frederik Nebrich in der Galerie im neu errichteten Seeflügel hängen. © SZ/Uwe Soeder

Dass es so kommen würde, erzählen Mutter und Sohn, sei nicht die Frage gewesen. Nur der Zeitpunkt, der musste sich erst finden. "Klick" habe es nach einem Abend unter Freunden im elterlichen Betrieb gemacht, erzählt Frederik Nebrich. Die Gespräche hätten sich um das Unternehmen gedreht; darüber, was man gut finde, wo man Handlungsbedarf sehe.

Am nächsten Tag sei er damit zu Petra und Rüdiger Schumann gegangen; habe seine Erkenntnisse mitgeteilt. "Und dann habe ich festgestellt, dass sie das alles die ganze Zeit über ganz genau im Blick hatten und mit viel mehr Weitsicht an die Sache herangegangen sind als ich junger Pimpf", sagt er anerkennend.

Darüber hinaus, fügt Frederik Nebrich hinzu, sei da noch die schwindende Zeit, die ihm zum Lernen bleibe: "Mein Stiefvater ist jetzt Mitte 70 und hat, genau wie meine Mutter, ein so unglaubliches Wissen angehäuft. Ich habe keine Betriebswirtschaftslehre studiert. Während der letzten Jahre habe ich zwar viel vom Betrieb mitbekommen, war aber eben nicht involviert. Ich muss, will und werde noch viel lernen", versichert er. 

Genau deshalb sieht sich der angehende Geschäftsführer jetzt am Beginn seiner zweiten Ausbildung – und geht erst einmal ins Praktikum: "Ich werde mir alles noch einmal von der Pike auf anschauen, jede Abteilung", sagt er und erzählt schmunzelnd von seinen ersten Arbeitsstunden in der Wäsche-Inventur: "Ich habe heute Morgen erst einmal Handtücher gezählt."

Zuhören, zurückhalten, beobachten

Auch in der kommenden Zeit will er sich strategisch zunächst im Hintergrund halten: "Zuhören, beobachten, zurückhalten" sei für den Beginn seine Devise. "Und die gilt so lange, bis ich mit meinem Wissen soweit bin, Entscheidungen zu treffen", sagt er. 

Zögernd bemüht er schließlich den Vergleich zwischen dem unternehmerischen Erbe der Familie und einem Spielplatz: "Ich kann mich ausprobieren und mich dabei auf die Erfahrung und die Aufsicht der Älteren verlassen – wie auf einem Spielplatz eben." Wäre die Selbstständigkeit ohne diesen Rückhalt für ihn eine Option gewesen? "Ich weiß nicht, ob ich diesen Schritt gehen würde", sagt er.

Bei allem Respekt vor dem Geschaffenen denkt Frederik Nebrich dennoch an die Zukunft, vergleicht und ordnet ein: "Natürlich hat man einen anderen Blick, wenn man von extern kommt und, wie ich, schon viel von der Welt gesehen hat", sagt er. Deswegen wolle er als neuer Geschäftsführer das Hotel natürlich weiter einwickeln. "Diplomatisch, aber konsequent", wie er sagt. 

Über eine vorsichtige Digitalisierung des Hotelbetriebs denkt er bereits laut nach und sagt außerdem mit Blick auf das hoteleigene Gourmet-Restaurant Juwel, das zu Beginn dieses Jahres erneut vom renommierten Guide-Michelin ausgezeichnet wurde: "Bei dem einen Stern darf es nicht bleiben."

Langsamer Abschied ohne Wehmut

Petra Schumann sitzt an der Seite ihres Sohnes, hört ihm sichtlich stolz zu und sagt ohne jede Wehmut vor dem Abschied: "Dass die Kinder da sind und uns unterstützen, ist ein großes Glück und ein Luxus. Im Juli fahre ich zum ersten Mal nach drei Jahren für zwei Wochen in den Urlaub. Ich freue mich diebisch."

Was für Petra Schumann die Aussicht auf Entlastung ist, wirkt auf ihren Sohn sichtlich weniger entspannend. Im Hinblick auf das allmähliche Ausscheiden seiner Mutter aus dem Unternehmen sagt er: "Wahrscheinlich werde ich sagen: 'Bitte geh nicht.'"

Ob und wann er Kirschau nicht nur zu seinem Arbeits-, sondern auch zu seinem Lebensort machen will, kann er noch nicht sagen: "Meine Freundin ist gebürtige Münchenerin, hat einen ganz anderen Job, muss jetzt hier erst einmal ankommen und Freunde finden", sagt er. Für ihn hingegen sei die Rückkehr ein Heimspiel.

Und die tägliche Pendelei zwischen Bautzen und Dresden? "Yoga", antwortet er. "Ich hatte nach einem langen Arbeitstag immer Probleme mit dem Einschlafen. Die einstündige Autofahrt hilft mir dabei, runterzukommen."

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