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Wirtschaft

Nachfrage-Hoch dank Corona

In der Corona-Krise sind viele Produkte begehrt. Doch die Freude ist bei einigen sächsischen Herstellern getrübt.

Vier- bis fünfmal so groß wie sonst ist die Nachfrage bei Riesaer Teigwaren. Aber was wird, wenn die Corona-Krise vorbei ist?
Vier- bis fünfmal so groß wie sonst ist die Nachfrage bei Riesaer Teigwaren. Aber was wird, wenn die Corona-Krise vorbei ist? © www.snapshot-photography.de

Von Luise Anter

Politiker und Handelsvertreter warnen täglich vor Hamsterkäufen – dennoch sind viele Regale im Supermarkt leer, nicht nur beim Klopapier und den Nudeln aus Italien. Wie spüren sächsische Hersteller die gestiegene Nachfrage?

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Konserven aller Art

Bei der Lausitzer Früchteverarbeitung Sohland GmbH haben sich Anfang März die Bestellungen verdoppelt. Vor allem Apfelmus, Suppen und Eintöpfe waren sehr begehrt, berichtet Geschäftsführer Maximilian Deharde. Das Unternehmen produziert ohnehin im Zweischicht-System, es konnte gut auf die gestiegene Nachfrage reagieren. „Das war aber nur ein einmaliger Effekt durch die ersten Hamsterkäufe.“ Man habe keine riesigen Umsatzsprünge gemacht. Jetzt sind die Lager der Kunden erst mal voll. 

„Die Leute essen ja nicht zehn Gläser Apfelmus am Tag“, sagt Deharde. Um ein drohendes Nachfragetief sorgt er sich momentan aber nicht. „Wir haben eher Bedenken, wie wir die Warenströme aufrechterhalten“, so der Unternehmer. Denn seine Fabrik ist über die A 4 zu erreichen – gut möglich, dass im 60-Kilometer-Stau auch Rohware für die Lausitzer Früchteverarbeitung feststeckt. Deshalb hat sich die Lausitzer Früchteverarbeitung selbst einen Vorrat mit einigen Rohwaren angelegt. Denn, das ist Deharde wichtig: „Die Produktion läuft ganz normal.“

Der Radeberger Wursthersteller Korch merkt keine stark gestiegene Nachfrage, auch wenn einzelne Supermärkte mehr bestellt hätten als sonst, so Marketing-Chef Ralf Ludewig. Ein größeres Problem seien zurzeit die Ausfälle in der Produktion durch die Schul- und Kitaschließungen. „Aber zum Glück ist unser Frauenanteil mit 22 Prozent relativ gering“, sagt Ludewig.

Die Klassiker: Nudeln und Klopapier

Die Hamsterkäufe haben sich auch im Riesaer Nudelwerk bemerkbar gemacht. Vier- bis fünfmal so groß wie sonst sei die Nachfrage, berichtete der Geschäftsführer André Freidler. Pro Tag können in Riesa 80 bis 90 Tonnen Spirelli, Spaghetti und Co. produziert werden. Freidler macht sich aber durchaus Sorge, was nach der Corona-Krise passiert, wenn die Menschen von ihren Nudelvorräten zehren. Das könne man schwer abschätzen.

Auch im mittelsächsischen Kriebstein macht sich Corona bemerkbar. Dort wurde früher das Toilettenpapier „Kriepa“ hergestellt, mittlerweile gehört die Fabrik zum sauerländischen WEPA-Konzern und ist dessen „Kompetenzzentrum für gefaltete Hygieneprodukte“, wie es Pressesprecherin Lea Ackermann formuliert. Wie beim Klopapier verzeichnet WEPA auch bei den Kosmetik- und Taschentüchern aus Kriebstein eine erhöhte Nachfrage. Konkreter möchte Ackermann nicht werden.

Alkohol und Schokolade

Wenn der Vorrat aus Nudeln und Klopapier steht, bleibt die Frage: Wie kann man sich die Zeit zu Hause gemütlicher machen? Zum Beispiel mit einem Anruf bei Flaschenpost, einem Lieferanten für Getränke aller Art. Dort gehen in letzter Zeit mehr Bestellungen ein, so Pressesprecherin Sabine Angelkorte. 

Konkrete Zahlen zum Dresdner Standort des Unternehmens nennt sie nicht. Man bitte die Kunden um Verständnis, falls eine Lieferung deshalb mal länger dauere. Man sei für die Nachfrage aber „bestmöglich gewappnet“. Flaschenpost hat auch Lebensmittel und Drogeriebedarf in das Sortiment aufgenommen und den Lieferprozess so gestaltet, dass ein Kontakt zwischen Kunden und Mitarbeitern vermieden wird.

Auch Bier braucht man offenbar für einen Abend zu Hause. Der Deutsche Brauerbund teilte vor ein paar Tagen mit, dass das Geschäft mit Flaschenbieren unverändert laufe. Aber die Brauer haben eine große Sorge: Der Außer-Haus-Markt bricht zusammen. 

Keine Sportveranstaltungen, keine Messen, geschlossene Kinos, geschlossene Bars – alles Orte, wo Menschen normalerweise Bier trinken. „Das muss zwangsläufig massive Auswirkungen auf den Absatz von Brauereien und Getränkeherstellern haben“, sagt Jana Kreuziger, Pressesprecherin der Radeberger Exportbierbrauerei. Insofern nutze es wenig, sich über einen eventuell steigenden Absatz im Einzelhandel zu freuen.

Karl-Heinz Hartmann, Chef der Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH hat hingegen Grund zur guten Laune: Denn Nudossi verkauft sich gerade richtig gut. „Wir haben im Zeitraum Februar bis März 100.000 Euro mehr Umsatz gemacht als im letzten Jahr“, sagt Hartmann. In ganz Deutschland steige die Nachfrage an, vor allem aber im Westen.

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 Er glaubt nicht, dass die Kunden jetzt lange keinen Schoko-Nachschub brauchen. „Wenn der Handel ein Sonderangebot hat und die Kunden mehrere Gläser auf einen Schlag kaufen, merken wir das auch nicht.“ Auch hier ist das Problem eher die personelle Ausdünnung.