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Nachts von der Kathedrale zum Kanonenhof

Bevor es im nächsten Juni wieder eine reguläre Dresdner „Nacht der Kirchen“ gibt, präsentieren deren Organisatoren in reichlich zwei Wochen mit der „Nacht der Innenstadtkirchen“ eine reduzierte Variante der deutschlandweit einzigartigen Veranstaltung.

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Von Andy Dallmann

Bevor es im nächsten Juni wieder eine reguläre Dresdner „Nacht der Kirchen“ gibt, präsentieren deren Organisatoren in reichlich zwei Wochen mit der „Nacht der Innenstadtkirchen“ eine reduzierte Variante der deutschlandweit einzigartigen Veranstaltung. Das einigende Motto dafür heißt „Wege zur Seligkeit“ und solle ein bewusster Kontrast zu den gegenwärtig verbreiteten Wahlkampf-Worthülsen sein, so Superintendent Albrecht Nollau. „Damit wollen wir die Seligkeit natürlich nicht nur zurück in den Wortschatz holen, sondern den Begriff auch interpretieren und erklären.“

Dennoch ginge es keineswegs darum, Besucher zu missionieren. Vielmehr wolle man allen, die sich sonst nicht in eine Kirche trauen würden, den Zugang durch den konsequent unaufdringlichen Empfang leicht machen. So versichert Dompfarrer Klemens Ullmann, dass die Kathedrale an diesem Tag selbstverständlich auch die Wettinergruft öffnen werde. „Das ist nun mal eine große Attraktion – erst recht zur Nacht“, sagt er.

Generell sei er davon überzeugt, dass die Wertmaßstäbe vieler Dresdner weitaus christlicher sind, als es die Statistik vermuten lasse. Ullmann: „Wer nicht an Gott glaubt, kann dennoch barmherziger sein als mancher Christ.“ Dieser Ansatz wird in der Dreikönigskirche aufgegriffen, wo Mitarbeiter vom Haus der Kirche und der Dresdner Tafel gemeinsam zum Abendessen an die „Tafel der Barmherzigkeit“ einladen. Hier sollen „Bessergestellte zwanglos mit Menschen ins Gespräch kommen, die am sozialen Rand unserer Gesellschaft leben“, so Nollau. „Überhaupt sind Begegnungen, Austausch und geistige Anregung wichtiges Anliegen der Veranstaltung.“ Das Nachdenken geradezu provozieren will Klaus Vesting, Pfarrer der Evangelisch-reformierten Gemeinde am Brühlschen Garten. „Wer seine Kirche in einem einstigen Kanonenhof untergebracht hat, landet beim Thema Seligpreisung fast automatisch bei den Friedensstiftern“, erklärt er.