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Nachwehen der „Freitaler Biermeile“

Körperverletzung. Ein 24-Jähriger wird zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

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Von Adolf Heger

Die gewalttätigen Auseinandersetzungen in Freital am 13. August 2005 und in der darauf folgenden Nacht sorgten vor einem Jahr für großes Aufsehen, füllten die Presse deutschlandweit, und auch im Internet wurde ausführlich darüber berichtet.

Was war vorgefallen? Auf der „Biermeile“ in Freital entwickelte sich am Sonnabendabend eine massive Auseinandersetzung zwischen Spätaussiedlern und anwesenden deutschen Jugendlichen. Die Gewaltspirale schraubte sich hoch und höher. Nachdem die öffentliche Sicherheit und Ordnung wieder hergestellt war, kam es im Umfeld des Aussiedlerheimes durch Aussiedler zu weiteren Ausschreitungen. Ein Teil dieser Straftaten hatten jetzt ein gerichtliches Nachspiele vor dem Strafrichter des Amtsgerichtes Dippoldiswalde.

Zwischen dem jetzt angeklagten 24-jährigen Russlanddeutschen und einer jungen deutschen Frau soll es zu einer Rangelei gekommen sein, nachdem jemand gerufen haben soll: „Die Nazis kommen wieder.“ Er soll die Frau massiv in den Brustbereich gestoßen haben. Nachdem die Freundin des Angeklagten versucht hatte, die beiden zu trennen, schien alles wieder in Ordnung. Aber die junge deutsche Frau vermisste nun plötzlich ihr Handy. Deshalb soll sie ihm hinterher gerannt sein und ihr Handy verlangt haben. Der Russlanddeutsche habe mit einer Eisenstange auf die Frau eingeschlagen, die ihren Kopf vor den Schlägen schützen wollte und dabei an einer Hand verletzt wurde.

Der 24-jährige Angeklagte, der erst wenige Monate vor der Tat mit seinen Eltern und drei Schwestern nach Deutschland umgesiedelt war, hat mit seiner Freundin, ebenfalls einer in Kasachstan geborenen jungen Frau, ein Baby. Er bewohnt mit ihr eine eigene Wohnung und besucht einen Deutschkurs. Die Schule schloss er in Kasachstan mit der 11. Klasse ab, danach hatte er seinen Armeedienst absolviert und war als Kraftfahrer tätig.

Bei seinen Aussagen vor Gericht, die er übrigens stehend und mit ruhiger Stimme vortrug und die von einer Dolmetscherin übersetzt wurden, wollte er dem Gericht glaubhaft machen, dass er der Geschädigten überhaupt nichts getan habe. Er wollte sie lediglich zurückstoßen, als sie auf ihn zu kam. Sie sei schon vorher in eine Schlägerei verwickelt gewesen, vielleicht habe sie dort etwas abbekommen.

Aber die Aussagen der Frau deckten sich mit denjenigen, die sie schon bei früheren polizeilichen Aussagen zu Protokoll gegeben hatte. Der Richter erkannte zudem in den Aussagen der Frau keine belastenden Tendenzen. Wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung verurteilte er den jungen Russlanddeutschen zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und einer Woche. Als Bewährungsauflage hat er 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verrichten. Er gab dem jungen Mann mit auf den Weg, den Sprachkurs mit aller Konsequenz zu absolvieren, damit die Integration dann auch besser erfolgen kann.