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Nadals Bestmarken stellen alles in den Schatten

Der spanische Tennisprofi denkt nach seinem French-Open-Erfolg bereits an Halle in Westfalen.

© dpa

Von Robert Semmler

Lediglich ein Tennis-Musketier wie Björn Borg konnte nach dem nächsten French-Open-Sieg von Rafael Nadal wohl begreifen, welche unfassbaren Rekorde der Spanier derzeit aufstellt. Der legendäre Schwede und sechsfache Paris-Champion plauderte locker mit dem gerührten Nadal, dem er die Coupe des Mousquetaires überreichte und nach dem fünften Triumph hintereinander eine weitere Bestmarke überlassen musste.

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„Zum neunten Mal König von Paris: Nadal wird zu einem Mythos des Sandplatzes“, titelte die Zeitung El Pais gestern. El Mundo verwies darauf, dass die Rekorde von Borg, der viermal in Folge gewann, lange Zeit uneinholbar zu sein schienen. Nadal brach sie. „Er ist Spaniens bester Sportler aller Zeiten. Er ist eine Inspiration für ein Land, in dem eine betrübte Stimmung herrscht“, schwärmte As.

Nadal mochte sich im Hochgefühl des 3:6, 7:5, 6:2 und 6:4 über den erneut gescheiterten Boris-Becker-Schützling Novak Djokovic nach 3:30 Stunden in drückender Hitze nicht von den Lobeshymnen umschmeicheln lassen. Er genoss den Moment und dachte anschließend bereits an seine Reise gestern zum Rasenturnier im westfälischen Halle, wo er sich auf Wimbledon einstimmt.

„Wir sehen nach meiner Karriere, wie viele Grand Slams ich habe und ob ich drei, vier oder fünf in Serie gewinne“, betonte der 28-Jährige aus Mallorca. „Für mich ist nur der Sieg in Roland Garros von Bedeutung, für mich das wichtigste Turnier des Jahres.“ Daher flossen Tränen bei der spanischen Nationalhymne, nachdem Nadal den Pokal in einer letzten Anstrengung mit ausgestreckten Armen und auf Zehenspitzen so hoch streckte, wie er nur konnte. Eine Niederlage gab es seit 2005 im Schatten des Eiffelturms – zur Freude von Borg 2009 gegen dessen Landsmann Robin Söderling. Mit dem 14. Grand-Slam-Titel hat Nadal jetzt so viele wie Pete Sampras aus den USA und lediglich noch drei weniger als der führende und auch im westfälischen Halle antretende Schweizer Roger Federer. Das bereite ihm keine Sorgen und sei kein Ansporn, sagte Nadal: „Ich folge meinem Weg.“ Der führte ihn nach körperlichen Beschwerden beim verlorenen Australian-Open-Finale Ende Januar gegen Stan Wawrinka und einigen Niederlagen auf Sand im Frühjahr jetzt dank unbändiger Willensstärke zurück auf das Siegerpodest.

Bereits 2004 feierte Maria Scharapowa in Wimbledon ihren ersten großen Erfolg. Nach dem 6:4, 6:7 und 6:4 in drei Stunden gegen die Rumänin Simona Halep wunderte sich die Russin, dass sie ausgerechnet auf dem früher wenig geliebten roten Sand zum zweiten Mal beim gleichen Grand-Slam-Turnier gewann. „Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich an einem Punkt meiner Karriere mehr Titel in Roland Garros habe als bei jedem anderen Grand Slam, dann wäre ich mich wahrscheinlich betrinken gegangen“, scherzte die 27-Jährige und wurde dann noch nachdenklich: „Ich habe das Gefühl, dass ich diese Momente mehr zu schätzen weiß, je älter ich werde.“ (dpa)