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Nadine wird heiraten

Vor etwa einem Jahr wurden Stammzellenspender für die blutkrebskranke Frau gesucht. Nun gibt es Hoffnungszeichen.

Nadine Winkler – hier mit ihrer Tochter, die jetzt in die Schule kam – wird Ende September heiraten. Dank einer Knochenmarkspende hat sie überlebt. Ihre Mutter will 2020 einen weiteren Spendertag für alle Betroffenen am BSZ Großenhain organisieren.
Nadine Winkler – hier mit ihrer Tochter, die jetzt in die Schule kam – wird Ende September heiraten. Dank einer Knochenmarkspende hat sie überlebt. Ihre Mutter will 2020 einen weiteren Spendertag für alle Betroffenen am BSZ Großenhain organisieren. ©  privat

Region. Es war im November 2018. Da gab es mehrere große Typisierungsaktionen für die an Blutkrebs erkrankte Nadine Winkler. Im Beruflichen Schulzentrum Großenhain organisierte ihre Mutter Jana, die hier Lehrerin ist, eine Registrierung potenzieller Stammzellenspender durch die Deutsche Gesellschaft für Knochenmarkspende (DKMS). 175 Schüler, Lehrer, aber auch Eltern, ehemalige Berufsschüler und Fremde ließen sich typisieren. 

Beim Großenhainer Fußballverein kamen kurz danach noch einmal 75 Registrierungen zustande. Eine dritte Aktion hatte die Familie in Brandenburg organisiert, wo Nadine mit Familie lebt. Dort konnten sogar 1171 potenzielle Spender notiert werden. Insgesamt wurden 1.500 Menschen registriert.

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Und nun ist die 34-jährige Nadine soweit stabilisiert, dass sie heiraten kann. „Ende September ist der Termin, wir freuen uns alle drauf“, sagt Mutter Jana glücklich. Im Sommer waren die Verwandten schon zusammen beim Schuleingang der sechsjährigen Tochter von Nadine. „Ich möchte doch so gern auf ihrer Hochzeit tanzen“, mit diesem Spruch hatte die DKMS um Hilfe für Nadine gebeten. Nun legt die schwer gebeutelte Mutter mit ihrer eigenen Trauung erst mal vor.

Sehr viel Geduld ist erforderlich

„Ihr Immunsystem ist noch schwach, sie ist nicht sehr belastbar“, schildert Jana Winkler den Zustand ihrer Tochter. Glücklicherweise hatten sich ja zwei passende Stammzellenspender gefunden, zwei genetische Zwillinge: ein Mann und eine Frau. Das war die Nachricht noch vor Weihnachten.

„Wo genau sie herkommen, wissen wir nicht“, sagte Jana Winkler damals. Gleich zu Jahresbeginn war die Stammzellentransplantation erfolgt. „Neun Merkmale von Spender und Empfänger mussten übereinstimmen, bei Nadine waren es sogar zehn“, hatte Jana Winkler freudig berichtet. Doch dann stellten sich Schwierigkeiten ein. Die Blutbildung, die quasi von vorn begann, kam nur auf niedrigem Niveau zustande.

Jetzt ist die Brandenburgerin zwar zu Hause und nicht mehr in der Klinik. Aber sie erhält immer noch Transfusionen. Ihr wird auch wieder Knochenmark entnommen. „Es ist sehr viel Geduld erforderlich“, gibt Jana Winkler zu und holt tief Luft. Scheinbar ist ihre Nadine ein Sonderfall.

Hilfe für die DKMS

Stammzellenspender müssen zwischen 17 und 55 Jahre alt und sollten bei guter Gesundheit sein.

Hilfe für die DKMS

Typisierungstermine werden in den Medien bekannt gegeben.

Hilfe für die DKMS

Das Registrierungsset kann man auch bestellen unter www.dkms.de

Hilfe für die DKMS

Spenden: Deutsche Knochenmarkspende, Deutsche Bank, IBAN: DE50100708480151231809, Verwendungszweck: ggf. Name 

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Wie gut, dass es die drei Mutmacher-Bücher gibt. Sie waren von Menschen mitgestaltet worden, die sich typisieren ließen – eins davon in Großenhain. Der an Leukämie erkrankten Frau wird darin auf vielfältige Weise Mut zugesprochen, es gibt nette Zeilen und Zeichnungen darin. Nadine hatte sich sehr über diese große Anteilnahme gefreut und darüber, dass Fremde so auf ihr Schicksal reagiert haben. „Sie will sich bei allen ausdrücklich bedanken“, unterstreicht ihre Mutter immer wieder.

Bei Winklers wussten alle, dass auch mit der Knochenmarkspende die Kuh noch nicht vom Eis ist. „Das war wie ein Reset, das Immunsystem wurde außer Kraft gesetzt, damit die fremden Stammzellen nicht abgestoßen werden“, erklärt Jana Winkler. Die Bluttransfusion dauerte fast zwei Wochen. Dann musste Nadine bis zu sechs Wochen in völliger Isolation bleiben, denn ihre Abwehrkräfte bauten sich erst wieder auf, was ja immer noch nicht auf dem richtigen Weg ist.

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Ihre eigene Tochter durfte Nadine in der Zeit nicht sehen. Kurz vor Weihnachten war sie gerade sechs Jahre alt geworden. Durchhalten bleibt also weiterhin die Parole. Auch psychisch ist das für Nadine eine harte Zeit.

Jana Winkler will im Herbst 2020 wieder einen Spendertag für die DKMS im BSZ Großenhain organisieren. „Dann haben wir wieder neue Schüler“, so die Lehrerin. So kriegen auch andere Menschen mit Gendefekt vielleicht die Chance einer Spende.

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