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Nächste Ausfahrt Gefängnis

Nachts um halb drei wollte ein Meißner einen Freund besuchen. Doch die Besuchszeit ist noch das kleinste Problem.

Von Jürgen Müller

Gut, wenn man Freunde hat. Denen kann man sich anvertrauen, über Freuden, Sorgen und Probleme reden, auch mal ein Bier trinken. Das wollte Anfang September vorigen Jahres auch ein 47-jähriger Meißner. Freilich war die Besuchszeit eher ungewöhnlich: nachts um 2.30 Uhr. Was sein Freund gesagt hätte, wenn zu nachtschlafender Zeit die Klingel an der Wohnungstür schrillt, ist nicht bekannt. Denn der Besucher kam dort nicht an. Vorher hatte ihn die Polizei auf der Goethestraße in Meißen aus dem Verkehr gezogen. Ein Zufallstreffer. Denn der Mann hatte stolze 2,29 Promille Alkohol im Blut. Doch das war noch nicht alles. Auch eine Fahrerlaubnis konnte der Meißner nicht vorweisen. Die war ihm schon lange wegen Trunkenheit im Verkehr entzogen worden.

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Bei der Untersuchung im Krankenhaus muss der Arzt wohl nicht schlecht gestaunt haben. Denn trotz der hohen Alkoholisierung zeigte der Mann nahezu keine Ausfallerscheinungen. „Gang sicher, Sprache klar, Denkablauf geordnet“, kreuzt der Arzt im Untersuchungsprotokoll an. Nun sitzt der Mann vor Gericht. Dort gibt er sich geständig, reuig, geläutert. „Ich entschuldige mich dafür, weiß, dass das ein Fehler war, nehme alle Konsequenzen in Kauf. Ich weiß nicht, warum ich das getan habe, es gibt dafür keine logische Erklärung“, sagt er. Keine logische Erklärung gibt es auch dafür, dass er ein Auto besitzt, obwohl er schon seit längerer Zeit keine Fahrerlaubnis mehr besitzt und die Aussicht, eine neue zu bekommen, gegen null geht. Das Auto habe seine Freundin genutzt, gibt er an. Der Verdacht liegt nahe, dass er auch schon vor dieser Tat selbst gefahren ist.

Schon 2005 wurde er wegen Trunkenheit im Verkehr zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, 2012 dann noch einmal. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unerlaubtes Verlassen des Unfallortes erhielt er 2013 eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen. Dies war fünf Monate nach der letzten Tat. „Bei den Maßstäben, die wir hier regelmäßig anlegen, hätten Sie schon beim letzten Mal eine Haftstrafe auf Bewährung bekommen müssen“, sagt der Richter. Dann wäre diesmal keine Bewährung mehr drin gewesen. Wie vom Staatsanwalt beantragt, verurteilt das Gericht den Mann zu einer Haftstrafe von vier Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Dass er überhaupt Bewährung bekommt, hat er nur der außergewöhnlichen Milde des Gerichtes zu verdanken. Außerdem darf ihm die Fahrerlaubnisbehörde frühestens in zwei Jahren eine neue Fahrerlaubnis erteilen. Zuvor muss er aber zur medizinisch-psychologischen Untersuchung. Und um die zu bestehen, muss er sein Alkoholproblem gelöst haben. Doch das hat er in all den Jahren noch kein einziges Mal angegangen. Unter diesen Umständen macht ihm der Richter wenig Hoffnung, dass der Mann bald wieder Auto fahren darf. „Sie sollten sich auf absehbare Zeit auf ein Leben ohne Fahrerlaubnis einstellen“, sagt er.

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