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Nächsten Monat wird Albertbrücke voll gesperrt

Die Bauleute errichten eine provisorische Straßenbahntrasse. Ist die fertig, wird die erste Brückenhälfte ausgebaut.

© marco klinger (www.mkl-news.de)

Von Peter Hilbert

Auf der Albertbrücke dröhnt der Abbruchhammer. Das Baugerät am Baggerarm zerstückelt Betonteil für Betonteil, bis die alte Fahrbahnplatte auf der elbabwärts liegenden Brückenhälfte einem Trümmerfeld gleicht. Das aber abschnittsweise flugs beräumt wird. So liegen die nach der Sprengung bis 1946 wieder aufgebauten Brückenbögen erstmals wieder frei. Im Mai hatten die Arbeiten begonnen. Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz inspiziert regelmäßig den Fortschritt. „Es hat sich nichts verzögert. Wir liegen voll im Plan“, schätzt er ein.

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Die Umleitung: Waldschlößchenbrücke jetzt stark befahren

Wegen des Baus dürfen Autos seit 18. Mai nur noch in Richtung Neustadt über die Albertbrücke rollen. Nach einem Stauchaos in den ersten Tagen haben sich die Verkehrsströme auf den möglichen Umleitungsstrecken eingependelt. Über die Carolabrücke fahren jetzt statt bislang 38 000 Fahrzeuge täglich 3 000 mehr, nennt Koettnitz das Fazit. Die Waldschlößchenbrücke wurde zuvor von bis zu 28 000 Autos täglich überquert. „An manchen Tagen haben wir jetzt bis zu 35 000 Fahrzeuge“, sagt er. Manche Kraftfahrer würden sogar bis zur Marienbrücke ausweichen.

Der Bau: Nach Abbruch beginnen in Kürze Arbeiten am Behelfsgleis

„Die Abbrucharbeiten sind schon weit fortgeschritten“, erklärt Koettnitz. Etwa 2 000 Kubikmeter Beton und Füllmaterial müssen abtransportiert werden. Auf dieser Brückenhälfte wurden auch eine alte Gasleitung und ein historisches 10-Kilovolt-Starkstromkabel entfernt, das von einem Mantel umhüllt ist, durch das einst kühlendes Öl floss. „Es ist beachtlich, wie aufwendig unsere Altvorderen die Probleme gelöst haben“, so der Amtschef.

In Kürze könne bereits damit begonnen werden, den Unterbau für die provisorische Straßenbahntrasse herzustellen. Die Arbeiten sind aufgrund des gerade mal vier Meter breiten Baufeldes schwierig. Bagger und Lkws können nicht wenden. Deshalb wird hier im sogenannten „Vor-Kopf-Bau“ gearbeitet, erläutert Koettnitz. So müssen beispielsweise Lkws erst rückwärts in die Baustelle reinfahren, um die Abbruchtrümmer dann vorwärts abtransportieren zu können.

Die Überwachung: Sicherheitsposten haben Baggerschaufeln stets im Blick

Der Bau ist nicht ganz ungefährlich. Schließlich hängt die Oberleitung direkt über den Baggern, fahren Straßenbahnen nur wenige Handbreit entfernt vorbei. Mitunter seien die Baggerarme schon in die Nähe der Oberleitung gekommen, berichtet Koettnitz. Deshalb sind Sicherheitsposten eingesetzt.

Zu denen gehört der Dresdner Thomas Knebel. Er warnt die Baggerfahrer auch, dass sie nicht zu nahe an vorbeirollende Straßenbahnen kommen. „Die Leute sitzen doch direkt an den Fenstern“, so der 42-Jährige. Er musste aber auch schon einen Eindringling vertreiben, der einfach über die Baustelle wollte. Doch Knebel hat Erfahrung. Er sicherte jahrelang den Bau der Waldschlößchenbrücke. „Wer das überlebt hat, wird mit allem fertig“, sagt er schmunzelnd.

Die Brückenvögel: Pfiffige Schwalben durchkreuzen den Schutzplan

Die Waldschlößchenbrücke hatte 2010 ihren Biber, der es sich dort gemütlich machte, die Albertbrücke ihre Schwalben. Die hatten ihre Nester bisher auf der Ostseite Richtung Blasewitz. Die Brückenplaner ließen im Frühjahr grüne Netze spannen, damit die Vögel nicht mehr an der künftigen Baustelle nisten. Doch dabei hatten sie die Rechnung ohne die Schwalben gemacht. „Sie haben sich offenbar gesagt, wir haben die Albertbrücke gemietet“, nennt Koettnitz die Konsequenz. Denn die Vögel hätten sich im Frühjahr einfach auf der anderen Brückenseite eingenistet, wo sie vorher nicht waren. „Das muss jetzt bei den Arbeiten beachtet werden. Größere Einschränkungen gibt es dadurch aber nicht.“

Der Einschnitt: Elf Monate lang muss der Verkehr umgeleitet werden

Ende Juli soll das provisorische Straßenbahngleis fertiggestellt sein. Zuletzt wird auf der Altstädter Seite noch eine Weiche eingebaut. Ab 27. Juli rollen die Bahnen über die Behelfstrasse. Dann wird die elbaufwärts liegende Brückenseite für Autos voll gesperrt, sodass sie komplett ausgebaut werden kann. Geplant ist, dass diese Bauphase bis Ende Juni kommenden Jahres dauert. Ist diese Brückenseite ausgebaut, fahren die Straßenbahnen darüber. Zudem können Autos wieder in Richtung Neustadt rollen. Bis Juni 2016 wird dann die zweite Hälfte der Albertbrücke saniert.