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Nächster Schulstreit?

Weil das Rathaus jetzt vorschlägt, Erksdorfer Kinder künftig in die Grundschule-Süd zu schicken, wittert Ullersdorf eine politische Rache durch den OB.

Von Jens Fritzsche

Droht der nächste Streit zwischen Ullersdorf und Großerkmannsdorf? Denn als sich Mittwochabend der Großerkmannsdorfer Ortschaftsrat im Dorfgemeinschaftshaus zur Sitzung traf, war kurzfristig noch ein Tagesordnungspunkt mit in die Sitzung gerutscht: Änderung der Satzung zur Bildung von Grundschulbezirken. Was ein wenig sperrig klingt, heißt im Klartext: Von Sommer des nächsten Jahres an bis 2020 sollen die Großerkmannsdorfer Grundschüler aus dem Bereich Radeberger Straße und des Wohngebietes an der Dresdner Heide nicht mehr im benachbarten Ullersdorf eingeschult werden, sondern in der Grundschule-Süd an der Radeberger Heidestraße. Grund, so heißt es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, seien steigende Schülerzahlen in diesen Jahren. Je nach Jahr würden dann bis zu elf Schüler mehr eingeschult, als eine Klasse haben darf. Sachsen hat bekanntlich 28 Schüler als Höchstgrenze pro Grundschulklasse festgelegt. Also schlägt die Stadt vor, die Grundschule Ullersdorf in den Jahren 2015 bis 2020 nur noch mit je einer Klasse pro Altersstufe laufen zu lassen und Großerkmannsdorfer Kinder derweil nach Radeberg einzuschulen.

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Erksdorfer Schüler werden aufgeteilt

„Wir sind mal wieder die Gebissenen“, sagt Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher Harry Hauck (Freie Wähler). Denn am liebsten wäre ihm natürlich die Fortführung der noch bis Sommer 2015 laufenden Außenstellenregelung. Bis dahin dürfen Großerkmannsdorfer Schüler in einer Außenstelle der Ullersdorfer Grundschule im Großerkmannsdorfer Schulgebäude an der Hauptstraße betreut werden. „Aber eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung hat das Ministerium leider abgelehnt“, bedauert Hauck. Also bleibe einfach nichts anderes, als die Großerkmannsdorfer Kinder quasi aufzuteilen. „Ein Teil geht weiter nach Ullersdorf, ein Teil eben in die Grundschule-Süd“, beschreibt er. Ab 2020 kommen dann in beiden Ortsteilen – Ullersdorf und Großerkmannsdorf – nur noch eine gemeinsame Klasse je Altersstufe zusammen. „Dann gehen wieder alle Erksdorfer nach Ullersdorf“, macht Harry Hauck dann deutlich klar.

Ullersdorfs Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth (CDU) sieht in den Beschlussvorschlag dennoch vor allem eines: „Eine Rache des Oberbürgermeisters wegen unserer erfolgreichen Klage zur Zukunftssicherung der Ullersdorfer Schule!“ Denn eigentlich, so Wieth, gebe es gar keine Eile. „Wir könnten also erst mal in Ruhe darüber reden, wie es an der Ullersdorfer Grundschule zum Beispiel in Sachen Schulsport weiter geht und dann eine Entscheidung treffen“, sagt er. Bekanntlich wird ja derzeit darüber diskutiert, ob an der Grundschule eine neue Turnhalle gebaut werden soll. Oder der Gasthofsaal weiter ausgebaut wird. Vor Jahren hatte der Stadtrat sogar mal die Entscheidung gefällt, eine Halle zu bauen, in der auch Platz für zusätzliche Klassenräume wäre. Später hatte der Stadtrat diesen Beschluss aus Kostengründen gekippt und für den kompletten Umzug der Grundschule Ullersdorf ins benachbarte Großerkmanndorf gestimmt, wo ja seit der Schließung der Mittelschul-Außenstelle ein Schulgebäude leer stand. Dagegen hatte dann Ullersdorf mit Verweis auf den im Eingemeindungsvertrag festgeschriebenen Bestandsschutz für die Ullersdorfer Grundschule geklagt – und Recht bekommen. „Aber es hat durchaus den Anschein, dass hier der OB das Thema noch unbedingt vom bisherigen Stadtrat durchpeitschen lassen will – denn hier kann er sich seiner Mehrheit ja sicher sein, was nach der Stadtratswahl Ende Mai passiert, ist hingegen offen“, mutmaßt CDU-Mann Wieth.

Lemm weist Vorwürfe zurück

„Blödsinn“, kontert OB Gerhard Lemm (SPD). Es gehe, so der OB, schlicht darum, eine bis Sommer 2020 abzusehende Überlastung der Ullersdorfer Grundschule zu überbrücken. „Und natürlich hat das auch mit Planungssicherheit in Sachen Finanzen zu tun“, macht Lemm klar. „Ich muss doch wissen, wie viele Schüler eine Schule besuchen und auch, wie groß dafür dann die Sportmöglichkeit sein muss“, so der OB. Es mache aus seiner Sicht jedenfalls keinen Sinn, die Ullersdorfer Schule überdimensioniert auszubauen, „wenn abzusehen ist, dass der Platz schon in wenigen Jahren in Ullersdorf wieder reicht“. Für die Übergangszeit solle einfach die freie Kapazität in der Grundschule-Süd mitgenutzt werden. „Ob die Schüler mit dem Bus nach Ullersdorf oder in die Grundschule-Süd fahren, ist ja quasi egal“, findet der OB. Niemand, stellt er dann noch einmal ausdrücklich klar, wolle die Grundschule Ullersdorf gefährden. „Und natürlich ist auch die Investition in den Schulsport in Ullersdorf damit überhaupt nicht vom Tisch!“ Das wisse im Übrigen auch der Ullersdorfer Ortsvorsteher, „wir haben das ja bereits im Sozialausschuss besprochen!“

Frank-Peter Wieth bleibt dennoch skeptisch, sagt er. „Wir werden das Ganze jedenfalls ganz genau beobachten – wir sind nicht vor Gericht gezogen, um uns dann durch die Hintertür kaltstellen zu lassen!“