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Nächtliche Entsorgung von Müll und Möbeln

Ein Müllberg im Großen Garten. Diesmal nicht „verloren“ oder „abgestellt“, sondern ganz bewusst von den Mitarbeitern der Staatlichen Schlösser und Gärten für ein Wochenende arrangiert. „Wir beobachten seit Jahren eine Zunahme von Vandalismus und Rücksichtslosigkeit.

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Von Monika Dänhardt

Ein Müllberg im Großen Garten. Diesmal nicht „verloren“ oder „abgestellt“, sondern ganz bewusst von den Mitarbeitern der Staatlichen Schlösser und Gärten für ein Wochenende arrangiert. „Wir beobachten seit Jahren eine Zunahme von Vandalismus und Rücksichtslosigkeit. Dazu gehört auch, dass immer mehr Müll die schöne Anlage verschandelt“, sagt Uwe Michel, der Geschäftsstellenleiter vom Großen Garten. Doch wenn die ersten Spaziergänger durch den Park schlendern, ist der Müll meist nicht mehr zu sehen. Täglich schwärmen früh die Gärtner ins 147 Hektar große Gelände aus, um die Ordnung wiederherzustellen. Zeit, die ihnen bei der Pflegearbeit fehlt.

Vom Fahrrad bis

zur Babybadewanne

Die „Ausstellung“ am Wochenende zeigte einmal, was im Großen Garten – meist über Nacht – so abgelagert wird: vom kaputten Fahrrad über Babybadewannen bis zur Truhe. Dazu kommen Berge von Wohlstandsmüll: Flaschen, Büchsen, Trinkpacks, vergammelte Essensreste, Verpackungen, alte Zeitungen. Immer wieder bleiben Parkbesucher vor dem unappetitlichen Berg stehen. Etwa fünf Kubikmeter Abfall sind zu besichtigen. Umgerechnet auf Mülleimer im privaten Haushalt wären dies etwa 310 Eimer. Und dies alles wurde nur in einer Woche aufgesammelt. „Denkt man gar nicht, dass so viel zusammenkommt“, meint ein Mann und schwingt sich wieder aufs Fahrrad. Die 81-jährige Edith Olejniczak sagt: „Über 50 Jahre gehe ich schon im Großen Garten spazieren. Und ich will mir das auch nicht vermiesen lassen. Warum sind die Menschen heute so rücksichtslos?“ Ihr bereitet auch die zunehmende Gewalt Sorgen. Vor zwei Wochen wurde die alte Dame an einem Nachmittag im Großen Garten überfallen: „Ich wollte mit meiner Freundin nur ein bisschen Luft schnappen. Da ist es passiert. Glücklicherweise kamen uns nette Studenten zu Hilfe.“

Hoffen auf Einsicht statt verstärkter Kontrollen

Zwei Teenies kommentieren den gezeigten Müllberg mit: „Das werden sie wieder alles uns unterschieben.“ Uwe Michael weiß, dass nicht sie die Übeltäter sind. Auf das Konto junger Leute kommt meist nur nachlässig Weggeworfenes. Den großen Sperrmüll fahren nachts Erwachsene an.

„Es sollte viel mehr Kontrollen geben“, sagt eine Frau, die ihr Hündchen ausführt. Abgesehen davon, dass dies zusätzliches Geld kosten würde, hoffen die Initiatoren der „Müllausstellung“ auf die Einsicht der Bürger. Zumindest für den Augenblick haben sie bei den meisten Betrachtern Nachdenklichkeit ausgelöst. Immer mehr Müll ist ja nicht nur im Großen Garten zu entdecken.