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Nagel für den neuen Stall

Die Agrargenossenschaft baut für knapp dreieinhalb Millionen Euro eine Milchviehanlage mit Melkkarussell und „Kreißsaal“.

Von Udo Lemke

Dafür musste ein Wildschwein sein Leben lassen, erklärte Manfred Engelmann, der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Skäßchen gestern. Grund war das Richtfest für die neue Milchviehanlage des Betriebes. Nachdem bei strahlendem Sonnenschein der Richtspruch verlesen und der Sekt getrunken war, machten sich die Bauarbeiter auf den Weg ins Verwaltungsgebäude der Genossenschaft, wo eben jenes Schwein gebacken aufgetafelt wurde.

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Der neue Stall ist 128 Meter lang, knapp 13 breit und zwölf Meter hoch, er bietet Platz für 470 Milchkühe. Hinzu kommt ein separater kleinerer Stall, in dem die 35 Kühe untergebracht werden, die bald kalben werden. „Das ist quasi unser Kreißsaal“, erklärt Constance Nagler. Die 26-Jährige, die an der Berufsakademie Dresden Agrarmanagement studiert hat, wird die Anlage leiten. Zu dieser gehört noch ein Melkkarussell für 40 Kühe, an dessen Steuerung sich gerade zwei Monteure zu schaffen machen, und die Anlagen zur Beseitigung der Gülle aus den Ställen und die Lagerbehälter dafür.

Alles in allem wird die neue Milchviehanlage etwa 3,4 Millionen Euro kosten, „das ist die größte Investition, die die Genossenschaft seit der Wende getätigt hat“, so Manfred Engelmann. Entschlossen hat man sich dazu, weil die alte Anlage am Sitz der Genossenschaft nicht mehr den Anforderungen entspricht. Die jetzt dort noch untergebrachten Kühe geben zwischen 8 500 und 8 800 Kilogramm Milch im Jahr. „Wir wollen perspektivisch mit dem neuen Stall auf 9 500 bis 10 000 Kilogramm kommen“, sagt der Geschäftsführer. Erreicht werden soll dies, indem die Bedingungen für die Tiere im Vergleich zu den alten Ställen entscheidend verbessert werden. So können sich die Kühne nicht nur frei bewegen im großen neuen Laufstall, sondern haben auch Liegeboxen zur Verfügung, „die mit einem Stroh- und Kalkgemisch ausgelegt sind“, so Constance Nagler. Die Tiergesundheit soll so weit verbessert werden, dass die Kühe nicht wie jetzt im Durchschnitt 24 Monate Milch geben, sondern 48 Monate lang, dann werden sie geschlachtet. Dem dient auch eine automatische Entmistung, die im Winter, wenn notwendig, im Dauerbetrieb läuft, so dass der Mist nicht am Betonfußboden anfrieren kann.

Die Tiere, die im Schnitt täglich drei Wassereimer Milch geben, „sind Hochleistungskühe und empfindlich wie Marathonläufer“. Dafür, dass es ihnen gutgeht, soll auch die computergesteuerte Belüftungsanlage sorgen. Sie besteht aus Jalousien an den Seitenwänden des Stalls. Im Sommer sollen sie für Schatten, also Kühlung, sorgen, im Winter für Wärme, indem sie den Wind abhalten. Und Wind gibt es hier reichlich, steht die neue Anlage doch auf dem mit 126 Meter höchsten Punkt von Skäßchen, wie Manfred Engelmann erklärt.

Den Windreichtum will sich der Landwirtschaftsbetrieb mittelfristig zunutze machen: „Wir wollen hier zwei Windräder zur Eigenversorgung der Anlage bauen, sie sollen aber nicht 200 Meter hoch sein, sondern nur 30.“ Bis es soweit ist, kommt der Strom zu der deutlich außerhalb von Skäßchen gelegenen Anlage aus dem Ort. Von dort musste auch eine 850 Meter lange Trinkwasserleitung verlegt werden. Das Brauchwasser und das für das Tränken der Kühe kommt aus eigens gebohrten Brunnen.

Mit der neuen Milchviehanlage steigert die Agrargenossenschaft Skäßchen ihren Bestand an Milchkühen von derzeit 300 auf dann 500 Tiere. Es habe die Entscheidung gestanden, mit der Milchproduktion aufzuhören oder zu investieren und weiterzumachen. Man habe sich für Letzteres entschieden, so Manfred Engelmann. Auch, weil die Genossenschaft mit der Heinrichsthaler Molkerei in Radeberg seit vielen Jahren ausgezeichnet zusammenarbeitet und eine stabile Abnahme der Milch hat. „Wir brauchen nicht vor Aldi auf die Knie gehen“, so Manfred Engelmann.

Nach einem Jahr Bauzeit soll die neue Milchviehanlage dann im September fertiggestellt sein: „Am 1. Oktober muss sich das Melkkarussell drehen – mit Kühen drauf.“