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Nah und gut – und zu

Flutschäden am Einkaufsmarkt sind noch immer nicht beseitigt. Doch der Betreiber hat noch ein weiteres Problem.

Von Jürgen Müller

Auf dieses Jubiläum würde Gottfried Bräuer gerne verzichten: Bald ist es ein Jahr her, dass sein Einkaufsmarkt in Zehren wegen des Elbe-Hochwassers im vergangenen Jahr geschlossen ist. Im Dezember vorigen Jahres wollte er wieder öffnen, dann hieß es im Januar oder Februar. Jetzt ist schon April, und der Laden ist noch immer dicht. Der Grund: Die Versicherung hat zwar einen Großteil der Schäden reguliert, vieles ist schon gemacht worden. Die Ladeneinrichtung wurde erneuert, die Kühlung ebenso. Auch für Waren und Betriebsausfall hat die Versicherung gezahlt. Insgesamt entstand ein Versicherungsschaden von über 100 000 Euro. Doch das ist nicht alles. Die Gebäudeschäden waren nämlich nicht versichert, weil es hierfür keine Versicherung gab. Bräuer hofft nun auf Hochwasser-Mittel der Sächsischen Aufbaubank.

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Doch das zieht sich in die Länge, was nicht unbedingt Schuld der Bank ist. Die Anträge wurden spät eingereicht, ein neues Gutachten musste angefertigt werden. Der Inhaber hofft auf eine 80-prozentige Förderung. Der Bewilligungsbescheid steht aber noch aus. Sobald die Fördermittel zugesagt sind, soll es losgehen. So soll die Heizung ins Erdgeschoss verlegt, möglicherweise von Öl auf Flüssiggas umgestellt werden. Doch es gibt noch ein anderes Problem. Bräuer soll von den Hochwasserschäden im Jahr 2002 eine größere fünfstellige Summe zurückzahlen, wovon der überwiegende Teil Eigenleistungen war. Diese wurden plötzlich nicht mehr anerkannt, obwohl damals eine Vergütung verbindlich geregelt und die meisten Unternehmen diese auch abrechnen konnten. Selbst auf Anfragen zu Gesprächen mit dem betreuenden Gutachter reagierte die SAB nie. Die Sache wird derzeit juristisch geklärt. „Ich habe dieses Geld gar nicht. Wenn die Rückforderung bestehen bleibt, geht in Zehren definitiv das Licht aus“, sagt Gottfried Bräuer, der Geschäftsführer des Meißner Frucht- und Getränkehandels ist, rund 30 Mitarbeiter beschäftigt und auch Lebensmittel- und Getränkemärkte in Meißen, Borna bei Oschatz, Ostrau, Leisnig und Weinböhla betreibt.

2002 kaufte der heute 64-Jährige das Grundstück. Dreimal stand die Verkaufsstelle seither unter Wasser, dreimal hat er sie wieder aufgebaut. Das will er auch diesmal tun, auch wenn die Gefahr groß ist, dass das Haus bei der nächsten Flut wieder unter Wasser steht. Einige Vorkehrungen hat er schon getroffen. Bereits nach der Flut 2002 wurde auch die Elektrik vom Keller ins Obergeschoss verlegt.

Der Einkaufsmarkt, der mit dem Slogan „Nah & Gut“ wirbt, ist vor allem für die Älteren im Dorf eine der letzten verbliebenen Einkaufsmöglichkeiten im Ort. Erst vor gut einem Jahr machte der Bäcker zu. Der Einkaufsmarkt im nahen Obermuschütz ist schon seit Jahren geschlossen. Bräuer, der einst Zierpflanzengärtner lernte, dann im Gemüsebau arbeitete und später ins kaufmännische Fach wechselte, weiß dennoch, dass ihm mit zunehmender Schließzeit die Kunden wegzulaufen drohen. Deshalb will er so schnell wie möglich wieder öffnen. Eine neue Verkäuferin habe er schon gefunden, sagt er. Der Backwarenstand, für den ein Bäcker frische Waren wie Brot, Brötchen und Kuchen liefert, soll erhalten bleiben ebenso wie die Poststelle, die noch erweitert werden soll. Gottfried Bräuer setzt auch künftig auf regionale Kundschaft und einheimische Produkte.

Obwohl der Zehrener Markt schon vor dem Hochwasser sein Sorgenkind war, Verluste einfuhr, hält er an der Wiedereröffnung fest. Wahrscheinlich im Sommer dieses Jahres soll es so weit sein. Im Gespräch ist er auch mit der Sparkasse, um in dem Geschäft künftig kleine Geldsummen an Sparkassenkunden auszuzahlen. Was bei vielen Zehrenern schon wieder die Vermutung nährt, dass die Sparkasse ihren Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker bald abbaut. Schon im Vorjahr wurden die Filial-Mitarbeiter der Sparkasse aus Zehren abgezogen. Sparkassen-Sprecher Ralf Krumbiegel räumt ein, dass es Probleme mit der Filiale in Zehren gibt: „Wir überprüfen unser Filialnetz ständig auf Wirtschaftlichkeit. Zehren wird einfach zu wenig genutzt.“ Deshalb suche man nach einer anderen Auszahlmöglichkeit im Ort. Der Lebensmittelmarkt sei eine Möglichkeit. „Doch bevor wir keine definitive Lösung gefunden haben, wird der Standort Zehren nicht dichtgemacht“, verspricht er.