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Nahezu täglich Vorfälle in der Asylunterkunft

Das Heim an der Hamburger Straße in Dresden ist zu einem Brennpunkt geworden. Das belegen interne Protokolle.

© René Meinig

Von Andreas Weller

Seit einer Weile steht die Erstaufnahmeeinrichtung an der Hamburger Straße im Fokus: es gibt Gewalt untereinander, aber auch Angriffen auf Polizisten wie vergangene Woche. Die Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun. Denn in der Unterkunft leben derzeit 449 Menschen, einige seit mehr als einem halben Jahr, vielen droht die Abschiebung. Perspektivlosigkeit und das Zusammenleben verschiedenster Menschen, etwa Flüchtlingen arabischer Herkunft und Männern aus ehemaligen Sowjetstaaten schüren Aggressionen.

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Der Sächsischen Zeitung liegen Einsatzprotokolle der Sicherheitsfirma vor, die die Heime an der Hamburger und Bremer Straße bewacht. Ein Mitarbeiter aus dem Umfeld, der nicht genannt werden möchte, sagt gegenüber der SZ: „Jeden Tag gibt es ähnliche Vorfälle.“ Eine Auswahl der Eskalationen aus den Protokollen von der Hamburger Straße allein aus dem Mai, zeigt die Brisanz.

  • Am 3. Mai wird gegen 18.20 Uhr ein Streit gemeldet. Zwei Tunesier sind aufeinander losgegangen. Beide werden getrennt und fixiert. Weil ein Messer mit im Spiel gewesen sein soll, wird einer der Asylbewerber durchsucht. Bei ihm wird ein scharfkantiger, 13 Zentimeter langer, metallischer Gegenstand gefunden, an dem Blut klebt. Laut Protokoll ging es um „Drogen und Geldschulden“. Einer ist ein Bewohner des Heims, der andere ein ehemaliger Bewohner. Es gibt eine Anzeige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung.
  • Am 6. Mai hören die Sicherheitsleute gegen 14.50 Uhr Lärm aus dem zweiten Obergeschoss. Alle verfügbaren Kräfte stürmen hin und kommen mit einem Georgier nach unten, um zu klären, was passiert ist. „Plötzlich sprang er auf und lief auf einen Araber zu. Bei ihm angekommen, versetzte er ihm einen Schlag ins Gesicht“, heißt es im Protokoll. Der Araber habe den Georgier beschuldigt, ihn bestohlen zu haben. Ob das zutrifft, ist unklar.
  • Am 11. und 14. Mai werden jeweils Asylbewerber am Einlass mit offensichtlichem Diebesgut – mehrere Kleidungsstücke und vier Parfümflaschen – erwischt. Da sie keine Kaufbelege haben, wird die Polizei geholt, die die Täter mitnimmt. Ebenfalls am 14. Mai findet das Sachpersonal zwei Mietfahrräder, die zum Teil zerlegt sind. Die Polizei wird informiert.
  • Am 15. Mai ertönt gegen 19.25 Uhr der Feueralarm. Mehrere Feuermelder wurden eingeschlagen. Ein libyscher Asylbewerber wird mit frischen Schnittverletzungen an der Hand erwischt. Ob und warum er auf mehreren Etagen die Brandmelder ausgelöst hat, bleibt unklar.
  • Am 16. Mai gibt es eine versuchte gefährliche Körperverletzung. Ein Asylbewerber wirft nachts eine Flasche in Richtung Eingang. Der mutmaßliche Täter wird in den sogenannten „Sanktionscontainer“ gebracht. Als andere Bewohner das sehen, bildet sich ein Pulk. Plötzlich wirft ein Bewohner einen Feuerlöscher aus dem zweiten Stock. Die Polizei wird gerufen – Anzeige.
  • Am 18. Mai gerät ein tunesischer Flüchtling im Essenszelt mit dem Sicherheitsdienst in Streit, weil er sein Essen nicht aufs Zimmer nehmen darf. Der Bewohner schlägt mit einer Eisenstange zu. Weitere Asylbewerber mischen sich ein.
  • Am 19. Mai brennt es im Zimmer eines Serben. Er hat das Feuer selber gelegt.

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  • Am 20. Mai geraten zwei Gruppen aneinander. Im Innenhof eskaliert der Streit. Um die 40 Menschen prügeln sich, ziehen Messer und schlagen mit Stühlen und Feuerlöschern zu. Es gibt drei Verletzte.

Die Landesdirektion stockt nun das Wachpersonal auf. Innenminister Roland Wöller (CDU) hat angekündigt, das Sicherheitskonzept zu überprüfen. „Es wird für alle Betroffenen Konsequenzen haben.“