merken
PLUS Döbeln

Nahverkehr, Lehrermangel, Landärzte

Sechs Direktkandidaten des Wahlkreises 21 stellten sich im Volkshaus den Fragen der Wähler. Ein Schlagabtausch blieb beinahe aus.

Marika Tändler-Walenta (Linke, von links), Henning Homann (SPD), Maria-Christin Anderfuhren (Grüne), Constanze Cyrnik (FDP), Dr. Rudolf Lehle (CDU) und Lars Kuppi (AfD) haben sich im Volkshaus den Fragen des Moderators und der Zuhörer gestellt.
Marika Tändler-Walenta (Linke, von links), Henning Homann (SPD), Maria-Christin Anderfuhren (Grüne), Constanze Cyrnik (FDP), Dr. Rudolf Lehle (CDU) und Lars Kuppi (AfD) haben sich im Volkshaus den Fragen des Moderators und der Zuhörer gestellt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Trotz drückender Schwüle debattieren am Mittwochabend sechs der sieben Direktkandidaten des Wahlkreises 21 über ihre Ambitionen, sollten sie es denn in den Landtag schaffen: Marika Tändler-Walenta (Linke), Henning Homann (SPD), Maria- Christin Anderfuhren (Grüne), Constanze Cyrnik (FDP), Dr. Rudolf Lehle (CDU) und Lars Kuppi (AfD).

Unerwartet ruhig bleibt es beim Wahlforum der Landeszentrale für politische Bildung im Döbelner Volkshaus. Vielleicht, weil aufgrund schlechter Tonqualität manches untergeht und das Publikum brisante Themen wie innere Sicherheit und Integration abgewählt hat. Je zwei Klebepunkte darf jeder der etwa 150 Gäste auf seine favorisierten Themenfelder pappen. Fünf stehen zur Auswahl. Auf „Bildung, Kita, Wissenschaft“ kleben die meisten.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Kampf gegen den Lehrermangel

Wie wollen Sie Lehrer in die Schulen bringen?, fragt Moderator Bastian Wierzioch. Homann, seit 2009 im Landtag, räumt ein, Lehrermangel war und bleibe das größte Thema. Es sei zwar gelungen, die Stellen auf 30 000 zu erhöhen. „Das Problem: Die Menschen sind nicht da, die als Lehrer arbeiten. Wir müssen mit Quereinsteigern arbeiten, weiter ausbilden und allen, die in Sachsen ihr Lehrerstudium abschließen, ein attraktives Angebot machen.“ 

Dass dies nicht funktioniert, sagt Constanze Cyrnik. Alle fünf Referendare ihrer Schule verließen Sachsen. „In einer Förderschule hätten sie ein Angebot bekommen.“ Maria-Christin Anderfuhren moniert, dass Quersteinsteigern der Job erschwert werde, weil sie nicht fachgerecht eingesetzt würden. Für eine Erhöhung der Ausbildungskapazität an Hochschulen setzt sich Marika Tändler-Walenta ein. 

„Sachsen hat zu lange mit der Verbeamtung der Lehrer gewartet“, so CDU-Mann Lehle. Deshalb würden ausgebildete Lehrer abwandern. „Das müssen wir umdrehen“, sagt er. Lars Kuppi begrüßt die Verbeamtung. Mit der Altersgrenze von 42 Jahren wurde aber auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen, kritisiert er. Einig sind sich alle, auch künftig viel Geld einzusetzen, um Lehrer auszubilden und zu halten. Dafür müsse der ländliche Raum aber attraktiv genug und die Infrastruktur entwickelt werden.

Umbau des Schulsystems

Aus dem Publikum kommt die Frage, in welche Richtung sich das Schulsystem entwickeln soll. Laut Rudolf Lehle ist das dreigliedrige Schulsystem das erfolgreichste in Deutschland. „Die CDU will es beibehalten.“ Allerdings müsse die Durchlässigkeit für Schüler von der Oberschule zum Gymnasium und umgekehrt gewährleistet sein. 

Henning Homann könnte sich ein längeres gemeinsames Lernen bis zur 8. Klasse vorstellen. „Ich finde es nicht gut, dass nach der vierten Klasse über die Zukunftschancen entschieden wird.“ Auch Constanze Cyrnik findet längeres gemeinsames Lernen „förderlich“. Die FDP wolle aber keine Gemeinschaftsschulen. Auch die AfD wolle das längere gemeinsame Lernen, so Lars Kuppi. „Aber nicht von der 1. bis zur 12. Klasse.“

Öffentlicher Personenverkehr

Wie kann die Anbindung an die großen Städte besser werden?, fragt Moderator Bastian Wierzioch. Mobilität sei für die Linke ein Grundrecht, sagt Marika Tändler-Walenta. Allerdings liege der Schwerpunkt noch viel zu sehr auf dem Auto. Als Finanzierungsmodell schlägt sie eine Nahverkehrsabgabe für jedermann vor. Zum Beispiel: für fünf Euro im Monat freie Benutzung des ÖPNV. 

Schrittweise soll es eine kostenlose Schülerbeförderung geben. Nach Ansicht von Rudolf Lehle braucht Döbeln eine schnelle Anbindung an die Landeshauptstadt Dresden per Bahn. „Dazu haben alle sehr ähnliche Ansichten.“ Laut einer Studie seien mit modernen Fahrzeugen 57 Fahrminuten machbar. Gebraucht werde aus ökologischen Gründen mehr ÖPNV. Der finanzielle Elternbeitrag zum Schülerverkehr sei mit 20 Prozent klein. Maria- Christin Anderfuhren bringt das 360-Euro-Ticket ins Spiel, für das Schüler und Azubis ein ganzes Jahr lang den ÖPNV benutzen können. 

„Wir wollen den Sachsentakt, von 5 bis 24 Uhr sollen Busse und Bahnen stündlich fahren.“ Zusammen mit alternativen Fortbewegungsmitteln wie dem E-Bike soll das eine funktionierende Mischung ergeben. Die Grünen seien gegen die Schließung der Eisenbahnverbindung nach Dresden gewesen. Constanze Cyrnik spricht sich für kostenfreien Schülerverkehr aus.

 Die Fahrzeiten von Schülern – in manchen Fällen bis zu eine Stunde jeweils morgens und nachmittags – seien viel zu lang. Der ÖPNV müsse langfristig ausgebaut werden. Das Auto sei flexibel. „Man kann von niemandem verlangen, dass er den ÖPNV nutzt, wenn er damit lange unterwegs ist.“ Zudem forderte die Kandidatin den Bau von Radwegen. „Die Eisenbahnstrecke nach Dresden muss wieder aufgenommen werden“, sagt auch Lars Kuppi. 

„Dörfer könnten mit Anruftaxis besser angebunden werden, damit dort nicht ständig der Bus fahren muss.“ Die Infrastruktur, sprich auch die Straßen, sei zu erhalten und zu verbessern. Henning Homann will Döbeln enger mit den Oberzentren vernetzen, um von deren Wachstum zu profitieren. 

Bei den Bemühungen um die Wiederaufnahme der Eisenbahnverbindung nach Dresden hätten alle Parteien mitgeholfen. Homann spricht sich für eine Landesverkehrsgesellschaft aus. Diese könnte dann auch ein Bildungsticket einführen und ein übergreifendes Mobilitätskonzept entwickeln.

Konzepte für die Energiewende

Welche Konzepte haben Sie für die Energiewende“, war eine der Fragen. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie und der Braunkohleverstromung habe die Wende schon längst begonnen, sagt Rudolf Lehle. Beim Aussteig aus der Braunkohle gehe es auch um die Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche und soziale Sicherheit für die Menschen in der Braunkohleregion. 

Auch Constanze Cyrnik brachte das Argument der Versorgungssicherheit und des Defizits zwischen Erzeugung und Verbrauch an. Die benötigte Energie werde sogar eingekauft. „Wollen wir 5000 Kohlekumpeln sagen, dass wir sie nicht wertschätzen? Erst muss eine Lösung für das Energieproblem her, dann kann der Ausstieg erfolgen.“ 

Nach ihrer Ansicht sollen Braunkohlestrom und alternative Energieerzeugung nebeneinander bestehen. „Es ist von oben entschieden worden, wir steigen aus“, sagte der AfD-Kandidat. „Man sollte an die Menschen denken, deren Arbeitsplätze vernichtet werden.“ Kuppi ist für den schrittweisen Ausbau der alternativen Energien.

 Solange es keine Lösungsvorschläge zur sicheren Energieversorgung gebe, würden die konventionellen Energien gebraucht. Maria-Christin Anderfuhren argumentiert, dass die Braunkohlekumpel nicht morgen schon arbeitslos werden. Es müssten Konzepte für die künftige Beschäftigung entwickelt werden.

Ärzte aufs Land

„Wie wollen Sie mehr Ärzte aufs Land bringen?“, fragte Bastian Wierzioch. Die Ausbildung von Ärzten dauert elf bis zwölf Jahre, meint Rudolf Lehle. Er schlägt vor, vorübergehend die ärztlichen Leistungen auf dem Lande besser zu vergüten. Für bestimmte Berufsgruppen bei Ärzten soll auch das gedeckelte Budget, das das Einkommen begrenzt, aufgeweicht werden. Marika Tändler-Walenta spricht sich für ein Stipendium für Ärzte aus, mit der diese für eine Praxis auf dem Land verpflichtet werden. 

Auch Constanze Cyrnik würde Anreize für Ärzte setzen, aufs Land zu gehen. „Die Arbeit soll sich lohnen und ordentlich vergütet werden. Auch eine gute Infrastruktur, Schulen, Kindergärten schaffen einen Anreiz.“ Henning Homann setzt auf Polikliniken, in denen auch angestellte Ärzte arbeiten. Viele wollen sich – auch wegen der Bürokratie – nicht mehr selbstständig machen. 

Die Digitalisierung sei eine Chance für eine bessere medizinische Versorgung. Das sieht auch Maria-Christin Anderfuhren so. Zum Beispiel ist ärztliche Beratung per Videokonferenz möglich. Außerdem könnten die Ärzte durch gut geschulte Gemeindeschwestern entlastet werden. Lars Kuppi setzt auf eine ausgebaute Infrastruktur, damit die Hochqualifizierten auf dem Land gut leben können. Landärzte sollten Vergünstigungen erhalten.

Mehr zum Thema Döbeln