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Narren fordern City-Tunnel für Kamenz

Zum 9. karnevalistischen Frühschoppen hatte der Karnevalsklub auch Ideen fürs Gymnasium parat.

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Von Constanze Knappe

Die Lösung für die Zukunft des Lessing-Gymnasiums Kamenz auf der Henselstraße liegt auf der Hand. Jedenfalls, wenn man dem Kamenzer Karnevalsclub (KKC) glauben will. Unter dem Motto „Lessing. Lausitz. Lebensabend.“ gäbe das Haus ein gutes Seniorenstift für alternde Lehrer ab. In Sachen Demografie folgten beim 9. Karnevalistisch-politischen Frühschoppen gestern in Kamenz noch weitere solcher Ratschläge. Das Gericht könnte ein Seniorenstift für Richter und Polizisten werden, das einstige Krankenhaus zum Seniorenstift für Ärzte und Schwestern und das Rathaus… Na ja, Sie ahnen es. Aber nein, dafür würde den Karnevalisten dann doch noch etwas anderes einfallen.

Stadtbüttel Lorenzo rollt karnevalistischen Frühschoppen im Hotel „Stadt Dresden“ als Generalmusikdirektor auf seinem Kulturmobil in den Saal.
Stadtbüttel Lorenzo rollt karnevalistischen Frühschoppen im Hotel „Stadt Dresden“ als Generalmusikdirektor auf seinem Kulturmobil in den Saal.

Vor 650 Gästen im Hotel „Stadt Dresden“ wurden Politik und Politiker durch den Kakao gezogen. Die als „graue Maus“ besungene „Zuckerpuppe aus der Hauptamtsstube“ Dr. Gisela Seidel nahm es gelassen. Die Finanz-Dezernentin der Stadtverwaltung winkte sogar durch den Saal. Für den Seitenhieb auf OB Roland Dantz hatte der die Steilvorlage allerdings selbst geliefert. Beim 10-jährigen Jubiläum des Adventsspectaculums trat er mit einer Kampfansage zum Erhalt der Kamenzer Schulen an. Das könne er ja wieder gut machen und die richtige Rede in 10  Jahren mitbringen. Dann sei er immer noch Bürgermeister, mutmaßte Stadtbüttel Lorenzo. Einen Citytunnel für Kamenz schlug KKC-Ehrenpräsident Heiner Müller in seiner Büttenrede vor: Von der Mauerschleuse am Busbahnhof zur Saarstraße. In den Schlaglöchern der Straße könnte man indes Blumen pflanzen. „Gelb, rot, blau, dann klappt’s mit der Landesgartenschau“, so seine Empfehlung. Die große Politik bekam gleichfalls ihr Fett weg wie Alice Schwarzer, die selbst bei der Steuerhinterziehung auf Frauenquote achtet oder die Liberalen, deren Partei „Fern Des Parlaments“ einen neuen Namen braucht. Stadtbüttel Lorenzo lief zur Hochform auf – als Sänger, Trompeter, philosophierender Alkoholiker oder als gestresster Ehemann. Sein Duett mit Charlotte de Cognac brachte den Saal zum Kochen: „Spaß und Ehe sind wie Dracula und Knoblauchzehe“ sangen die zwei (Steffen Lorenz und Ina Förster). Und die müssen’s ja wissen. Funkengarde und Juniorfunken gaben einen Vorgeschmack auf die 27. Saison unter dem Motto „Kruzifix und Knoblauchzeh' - Dracula beim KKC“. Das Prinzenpaar, Seine Durchlaucht Gerd I. und „Ihre reizende Lieblichkeit“ Manuela III. waren mit Handicap erschienen, die Prinzessin mit Gipsbein.

„Einfach super“ fand Peter Hartmann die Veranstaltung. Der 73-Jährige Kamenzer zollte den Machern ein großes Lob. Als Kamenzer dürfe man das auf keinen Fall verpassen, erklärte Dieter Schmiedge (65). „Toll, wie die ernsten Themen so locker rübergebracht wurden“, schwärmten Jane Berndt (26) und Andreas Hube (36) aus Weißig bei Oßling. Der Kamenzer OB will bei diesem Frühschoppen auf keinen Fall fehlen. „Das würde ja aussehen, als ob ich kneife“, sagte er. Im Karneval stecke viel Hintersinn. „Wenn aus der Schule kein Altenheim werden soll, müssen wir uns drehen“, so Roland Dantz. Für Heiner Müller hatte er einen Trost parat: „Die Saarstraße wird in diesem Jahr gebaut.“ „Der Kamenzer hat sein Forstfest und den Rest des Jahres seine Ruhe“, stellte Lorenzo fest. Das gilt aber wohl nicht für ihn und den KKC. Der Frühschoppen ist jedenfalls so gut gelungen, dass sich Besucher schon jetzt sicher sind, 2015 wieder dabei zu sein.