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Naschen für den guten Zweck

Den Oberlausitzer Stollenpfennig gibt es in der Ostritzer Bäckerei Geißler

Von Tina Soltysiak

Glücklich beäugt Paul die dunklen Schokokekse, die ihm Bäckermeister Erik Geißler auf dem Silbertablett reicht. Der Dreijährige ist einer der Ersten, die den neuen Oberlausitzer Stollenpfennig kosten dürfen. Er beißt rein und kaut die Leckerei genüsslich. Es ist ein Traum aus Kakao, weißer und dunkler Schokolade. Mmmmmh. Das schmeckt nicht nur Paul.

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Im deutsch-polnischen Kinderhaus St. Franziskus in Ostritz ist die traditionsreiche Aktion „Oberlausitzer Stollenpfennig“ für die gesamte Oberlausitz eingeläutet worden. Die Idee für den Oberlausitzer Stollenpfennig, der auch als Kekspfennig bezeichnet wird, hatte Winfried Ullrich von der Kirchenbezirkssozialarbeit der Diakonie Löbau-Zittau. Das war 2008.

Vorbild für das Projekt ist der „Sächsische Stollenpfennig“, der in diesem Jahr zum 20. Mal stattfindet. Unter dem noch immer gültigen Gründungsmotto „Wir haben Stollen, andere nicht einmal Brot“ stellen die Bäcker des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen Blechdosen auf ihre Tresen. In die Büchse können Kunden ihr Wechselgeld beim Stollenkauf stecken.

Etwa 1 500 dieser Dosen für den guten Zweck stehen sachsenweit in den Bäckereifilialen und wollen mit Kleingeld und auch Scheinen zum Klingeln gebracht werden. In der Oberlausitz wird das Verfahren ein wenig anders gehandhabt: Hier ist der Stollenpfennig nämlich essbar. 20 Cent aus dem Verkaufserlös einer 150-Gramm-Tüte Oberlausitzer Stollenpfennige, die 2,40 Euro kostet, kommen einem „Brot für die Welt“-Projekt zugute. Konkret sollen Kleinbauern in Kenia unterstützt werden, erklärt Ullrich den großen und kleinen Gästen. Den Bauern soll vermittelt werden, wie Wasser konserviert werden kann. „In Kenia herrscht nämlich große Dürre und die Kleinbauern haben Probleme, dass die gesäte Kartoffel auch wirklich wächst“, erzählt der Mitinitiator des Oberlausitzer Stollenpfennigs.

Aber nicht nur das Hilfsprojekt in Kenia soll mit dem Oberlausitzer Stollenpfennig unterstützt werden. „Wir wollen damit auch die regionale Wirtschaft stärken“, sagt Winfried Ullrich. In diesem Jahr hat die Ostritzer Bäckerei Geißler die Ehre, den Stollenpfennig zu kreieren. „Wir haben uns für diese Bäckerei entschieden, weil sie 2010 schlimm vom Hochwasser betroffen war und wir nun auch ein wenig Werbung für sie machen wollen“, erklärt Ullrich.

Darüber freut sich Erik Geißler, Juniorchef der Bäckerei: „Wir konnten damals selbst erfahren, was Hilfe bedeutet.“ Ihm und seinem Vater Jörg sei es wichtig, dass niemand auf der Welt hungern muss. Deshalb haben sie keinen Augenblick gezögert, als im Frühjahr die Anfrage kam. Erik Geißler fing an zu tüfteln, probierte mehrere Rezepte, bis schließlich der Traum aus Schokolade herauskam. „Mehr Kakao passt eigentlich in keinen Keks“, scherzt der 26-jährige Bäckermeister.

Immer von Ende November bis Ende Dezember wird das Buttergebäck in ausgewählten Bäckereien und Konditoreien angeboten. Es sind Spezialsorten, die so nur im Advent erhältlich sind. Die Ostritzer Bäckerei Geißler ist die Fünfte im Bunde, die den Keks in Pfennigform kreieren durften. „Seit 2008 kommt jedes Jahr, bis auf vergangenes, eine neue Sorte hinzu“, sagt Ullrich. Die vier Vorgänger bieten ihre Sorte seitdem jeden Dezember wieder im Laden an.

Besonders viel Wert legen alle beteiligten Bäcker auch auf die Zutaten: Mindestens eine davon muss jeweils Bio-Qualität haben und eine weitere fair gehandelt sein. Der Kakao wird aus Kenia importiert. Auf regionale Produkte aus biologischem Anbau würden sie in ihrer Bäckerei sowieso setzen, erzählt Erik Geißler. Die Eier kommen aus Strahwalde, das Mehl aus der Rittermühle in Rennersdorf. Die Kekse sind nicht nur regional und Bio, sondern auch lecker. Das ist nicht nur am zufriedenen Schmatzen der Knirpse im Ostritzer Kinderhaus zu hören.