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„Natürlich gibt es Konflikte mit den Mietern“

Die WGF stellt derzeit 20 Wohnungen für Flüchtlinge bereit. Geschäftsführer Uwe Rumberg erklärt, was das bedeutet.

© Daniel Förster

Das Thema Flüchtlinge ist in Freital aktueller denn je. Nicht nur daher veranstaltet die Stadt am 3. Februar um 19 Uhr im Kulturhaus eine öffentliche Bürgerversammlung. Dort wollen Landrat Michael Geisler (CDU) und Kerstin Körner, zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, auch über die aktuelle Situation und zu den gesetzlichen Gegebenheiten informieren. Die Bürger sollen Fragen stellen können.

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Der Landkreis verteilt die ihm zugewiesenen Flüchtlinge anteilmäßig nach Einwohnerzahlen. Freital hätte 2014 also um die 170 aufnehmen müssen. 100 waren es letztlich. Die meisten davon leben in Wohnungen der städtischen Wohnungsgesellschaft WGF. Die SZ hat dazu mit Geschäftsführer Uwe Rumberg gesprochen.

Herr Rumberg, wie viele Wohnungen stellt die WGF derzeit zur Verfügung?

Im Stadtgebiet sind es derzeit 20 Wohnungen, in Potschappel, Deuben und Niederhäslich. Es sind einfach sanierte oder teilsanierte Wohnungen. Derzeit vergeben wir maximal eine Wohnung je Aufgang dafür.

Wie ist die aktuelle Situation?

Wir haben am Montag eine Begehung mit der ITB aus Radebeul gemacht. Die betreut die Wohnungen im Auftrag des Landkreises, der diese über ITB anmietet. Wir wollten uns einfach ein Bild machen – und haben die ganze Bandbreite des menschlichen Zusammenlebens erlebt. Es ging los mit einem jungen Iraker, der sich eine Zukunft aufbauen, eine Malerlehre antreten will. Der hatte eine Deutschlandkarte an der Wand und die Grammatikregeln, um die Sprache und etwas übers Land zu lernen. Es endete dann in einer anderen Wohnung mit verbalen Auseinandersetzungen.

Was war passiert?

Wir haben dort in Deuben einen Syrer angetroffen, der in Potschappel neulich sein Zimmer samt Tür zerlegt hatte und deswegen Hausverbot bekam. Der Mann sollte wegen seines Aussetzers in die zentrale Unterkunft nach Schmiedeberg oder Langburkersdorf verlegt werden. Das hat offenbar nicht funktioniert. Wir haben dann die Polizei gerufen. Der Mann hat uns Blicke zugeworfen, die durch Mark und Bein gingen.

Wie haben Sie die Wohnungen insgesamt vorgefunden?

Meist leben dort Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, fünf bis sechs pro Wohnung. Die Einrichtung ist spartanisch: bis zu drei Betten pro Zimmer, für jeden ein Schrank, ein gemeinsames Bad und eine einfache Küche. Richtig schmutzig war es nirgends, aber auch nicht gerade ordentlich – aber das ist ja bei jungen Leuten hierzulande ebenfalls nicht immer so. Festzustellen war auch, dass die Bewohner elektronisch sehr gut ausgestattet sind, Handy und Laptop sind quasi der Standard. Und es war oft viel zu sehr geheizt. Hier sollte man wegen der Betriebskosten gegensteuern.

Sehen Sie sich wegen der Thematik Flüchtlinge mit einem verstärkten Konfliktpotenzial konfrontiert?

Da muss man differenzieren. Zum einen sind natürlich viele Nationalitäten zusammengewürfelt. Das sorgt schon allein dafür. Außerdem war zu sehen, dass viele bis Mittag im Bett liegen, viel vorm Fernseher oder Computer hängen. Aber was sollen oder könnten sie denn tun? Ich denke, hier ist eine Perspektive ganz wichtig, kurz wie mittelfristig. Und natürlich darf man auch ein Konfliktpotenzial mit den anderen Mietern nicht verschweigen.

Wie äußert sich das?

Zum Beispiel im ganzen Reden und Verhalten der Flüchtlinge. Die Sprache ist lauter, hat einen anderen Rhythmus, als wir es gewöhnt sind. Und natürlich sind auch die Tagesabläufe anders. Wegen Lärms vom Reden oder Fernseher, oder wegen Geräuschen, beispielsweise vom Stühlerücken, fühlen sich Mieter belästigt, vor allem nachts. Sie müssen ja früh auf Arbeit.

Was tun Sie dann?

Darauf bestehen, die Hausordnung strikt einzuhalten und notfalls Hausverbote erteilen. Es ist aber schon eine ganz schwere Situation. Wir haben uns einerseits dazu bekannt, dass wir uns solidarisch zeigen. Andererseits handeln wir auf Weisung der Behörden. Und die Mieter sagen, sie hätten vorher informiert werden wollen. Doch was ändert es, wenn wir das tun? Bei der aufgeheizten Situation liegen die Nerven blank und die Reaktionen kann man sich ausrechnen. Die Angst vor Problemen, die Scheu vor dem Fremden ist groß. Es würde sicher leichter fallen, wenn nicht nur junge Männer, sondern auch mal die Familien kommen würden, von denen die Rede ist.

Wie stehen Sie persönlich zum Thema?

Wenn jemand vor Krieg, Gewalt und Verfolgung flieht, wollen und werden wir helfen so lange wir können. Insgesamt sind aber für alle die, die zu uns kommen, klare Regeln und die Einhaltung von Gesetzen nötig und sichtliche Konsequenzen für Leute, die sich nicht an die Spielregeln halten. Und als drittes Regeln dafür, was aus den Flüchtlingen wird. Ob die hier dauerhaft integriert werden sollen – oder nicht doch irgendwann in ihrem Land wieder gebraucht werden, um es wieder aufzubauen, wenn der Krieg vorbei ist. Es ist zu kurz gedacht, unseren Fachkräftemangel regeln zu wollen und die Situation dort vor Ort auszublenden.

Sie sind seit vielen Jahren in der CDU aktiv, wollen als OB kandidieren. Die Politik ist Ihnen also nicht fremd. Hat die in der Flüchtlingsfrage versagt?

Nicht nur wegen Pegida ist die Politik gefragt klare Antworten und Lösungen zu geben, die Probleme der Menschen ernst zu nehmen. Ich denke, man sollte die ganze Aufregung aus der Sache schnellstens herausnehmen. Wenn jeder wieder ein Stück weit mehr zuhört, filtert man leichter das Wesentliche raus und kann an Perspektiven arbeiten. Ich hoffe, dass das gelingt, damit wir hier in Frieden weiterhin zusammenleben können.

Es sind ja noch bis zu 230 weitere Flüchtlinge angekündigt. Wie wollen sie die unterbringen?

Der Landkreis führt mithilfe der Stadt Gespräche auch mit anderen Vermietern – privaten und Genossenschaften. Aufgrund des geringen Leerstands ist Wohnraum allerdings knapp. Das wird also eine Herausforderung – vorbei kommt man daran aber wohl nicht, weil es eine gesetzliche Pflicht ist. Notfalls müssten wir als erste Maßnahme eben mehrere Wohnungen pro Aufgang bereitstellen, was natürlich neue Probleme mit Mietern und den Flüchtlingen untereinander schafft. Sinnvoll wäre es auch, die bisherigen Wohnungen effektiver zu verteilen. Bei der Begehung stellten wir nämlich fest, dass einige zwar dort eine Adresse haben, dort aber nicht lebten und sich ganz woanders aufhalten. Das ist doch Platz, der dann anderweitig fehlt.

Das Gespräch führte Matthias Weigel.