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Wie auf Schotter Blumen wachsen können

Ein Häuflein Enthusiasten plant auf einer Brache in Hainewalde ein großes Projekt. Mit Tatendrang allein ist das nicht zu stemmen. Vielleicht aber mit dieser Idee?

Kleiner Verein mit großem Tatendrang: Die Mitglieder des Naturschutz- und Nachhaltigkeitsvereins "KuxBau" in Hainewalde.
Kleiner Verein mit großem Tatendrang: Die Mitglieder des Naturschutz- und Nachhaltigkeitsvereins "KuxBau" in Hainewalde. © Verein

Das Grundstück ist unverkäuflich! Mareen Jockusch muss schmunzeln, als sie an dieses Gespräch mit dem Immobilienmakler zurückdenkt. Und an seinen verdutzen Blick, als sie ihm sagt: Wir nehmen es trotzdem! Ob ihr denn klar sei, dass zu dem Hof auch noch viereinhalb Hektar Land gehören, fragt er. Genau deswegen, sagt sie. 

Mareen Jockusch stapft über die riesige Wiese am Kux in Hainewalde, die jetzt ihr und ihren Freunden gehört. "Das liegt hier alles noch brach", sagt sie, "ehemaliges intensives Weideland, völlig überdüngt". Dort drüben, sie zeigt auf eine große Schotterfläche, dort haben die Laster eines Fuhrgeschäfts gestanden, da ist sogar noch Abraum aus dem Olbersdorfer Tagebau drunter.

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Zehn Jahre ist das Gespräch mit dem Immobilienmakler jetzt her. Mareen Jockusch ist damals gerade mit dem Studium fertig. Sie hat in Zittau Ökologie und Umweltschutz studiert und zusammen mit ein paar anderen Studienfreunden beschlossen, in der Oberlausitz bleiben zu wollen und hier gemeinsam etwas aufzubauen.

Mareen Jockusch (40) und Patrick Roscher (44) vom  Hainewalder KuxBau-Verein hatten die Idee für die Crowdfunding-Aktion. Hier stehen sie im kleinen Bauerngarten, den die Mitglieder schon vor einigen Jahren angelegt haben. Jetzt haben sie Großes vor.
Mareen Jockusch (40) und Patrick Roscher (44) vom  Hainewalder KuxBau-Verein hatten die Idee für die Crowdfunding-Aktion. Hier stehen sie im kleinen Bauerngarten, den die Mitglieder schon vor einigen Jahren angelegt haben. Jetzt haben sie Großes vor. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Der große Plan: So soll das drei Hektar große Grundstück des Vereins aus einem Brachland in eine grüne Oase umgewandelt werden.
Der große Plan: So soll das drei Hektar große Grundstück des Vereins aus einem Brachland in eine grüne Oase umgewandelt werden. © KuxBau-Verein
Im Bauerngarten des kleinen Naturschutz- und Nachhaltigkeitsvereins KuxBau in Hainewalde reift es ganz ohne Chemie.
Im Bauerngarten des kleinen Naturschutz- und Nachhaltigkeitsvereins KuxBau in Hainewalde reift es ganz ohne Chemie. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Mareen Jockusch (40) und Patrick Roscher (44) zeigen das kleine Feuchtbiotop, das die Vereinsmitglieder auf dem Grundstück schon angelegt haben.
Mareen Jockusch (40) und Patrick Roscher (44) zeigen das kleine Feuchtbiotop, das die Vereinsmitglieder auf dem Grundstück schon angelegt haben. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mareen Jockusch und ihre Studienfreunde sind hier geblieben und auf den großen Hof gezogen, haben Wohnhaus und Scheunen saniert, Familien gegründet. "Wir wollten genau dieses Grundstück, um hier das umsetzen und zeigen zu können, was wir im Studium gelernt haben", sagt die heute 40-Jährige, die als Ökologin in einem Dresdener Ingenieurbüro Städte und Gemeinden beim Klimaschutz berät.

"Wir haben angefangen, das Grundstück nach und nach wieder in einen Lebensraum zu verwandeln", erzählt sie. "Am Anfang war hier nur Schotter und Gras, sonst nichts. Jetzt gibt es hier wieder Schmetterlinge, Bienen, Käfer, Igel und Vögel." Eine kleine Eidechse huscht über den Weg. Mareen Jockusch schaut ihr nach und lächelt: "Oben am Teich haben wir jetzt sogar eine Ringelnatter entdeckt", erzählt sie, "bestimmt ein Meter lang."

Oben am Teich wartet Patrick Roscher, Mareens Lebensgefährte. Auch er ist begeistert von der Idee, auf dem Grundstück einen Lebensraum für alle Arten von Klein- und Kleinstlebewesen zu entwickeln. Dafür steht auch er in jeder freien Minute hier, hat das Feuchtbiotop angelegt, gräbt, pflanzt und baut. "Was wir in den zehn Jahren beobachtet haben, ist, dass die Natur jeden kleinen Schritt dankbar annimmt", sagt der 44-Jährige. "Jedes Jahr entdecken wir etwas mehr Vielfalt. Das ist unglaublich."

Die Idee von der großen Arten-Oase

Über dem Teich schwirrt eine Libelle, im Bauerngarten blühen Ringelblumen und Kapuzinerkresse, in den Köpfen der Sonnenblumen summen die Hummeln. Die Kürbisse sind reif zum Ernten. Patrick Roscher schaut nach den Äpfeln auf der Steuobstwiese, die sie vor zehn Jahren als ersten gepflanzt haben. "Letztes Jahr waren es 360 Flaschen Apfelsaft", erzählt er.  

Vor allem aber stehen die Bäume und Sträucher für die Insekten, die Vögel, die Igel oder die Rehe, die sich hier ab und zu blicken lassen: Kornellkirschen, die schon ganz zeitig im Frühjahr blühen, Esskastanien, Quitten, Hagebutten, Schlehen, Nüsse. "Wir ernten höchstes zwei Drittel", sagt Patrick Roscher, "den Rest lassen wir für die Tiere drauf."

Der größte Teil des Grundstücks aber, rund drei Hektar, liegt immer noch brach. Und dafür haben Mareen Jokusch, Patrick Roscher und ihre Mitstreiter auf dem Hof am Kux jetzt einen großen Plan: Das ganze Grundstück soll wiederbelebt werden. Die Bewohner haben einen Verein für Naturschutz- und Nachhaltigkeit gegründet, den Hainewalder KuxBau e. V.

Gemeinsam haben sie die künftige Gestaltung der Flächen geplant. "Wir haben ja hier geballtes Fachwissen auf dem Hof", schmunzelt Mareen Jockusch. Neben ihr arbeiten vier weitere Hochschulabsolventen der Fachrichtung Ökologie und Umweltschutz im Verein mit. 

Unser Ziel ist es, auf dem ganzen Grundstück wieder einen kleinteiligen Lebensraum für alle zu schaffen, eine Arten-Oase im besten Wortsinne", schwärmt die Ökologin. Es sollen Blühsträucher und heimische Wildobstbereiche entstehen, die Schmetterlingen, Faltern und Bienen das ganze Jahr über Futter bieten. Es soll Blühwiesen geben, einen Distelgarten und große Bereiche mit Kräutern und Stauden.

Was der Traum von der intakten Natur kostet

Die Vereinsmitglieder wollen Bereiche mit Totholz anlegen, die Käfern, Larven, Glühwürmchen und Wildbienen Nahrung und Wohnort sind. Sie wollen  Igelbehausungen bauen, Steinhügel für Eidechsen und Schlangen und Nistplätze, Bruthöhlen und Vogelhäuser in großer Zahl.

"Unser Traum ist es, dass diese Arten-Oase auch ein öffentlicher Ort wird, ein Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie es gehen kann", erklärt Mareen Jockusch. Sie wünscht sich, dass hier später mal Schulklassen und Kindergartengruppen zum Staunen und Lernen kommen.

Aber der Traum von der intakten Natur kostet Geld, das die Vereinsmitglieder nicht haben. Für die Umsetzung ihrer Idee brauchen sie unzählige Baum- und Strauchpflanzen, eine riesige Menge an Kräutern und Stauden, Vogelhäuser und Nisthilfen, Natursteine, Baumstämme, Lehm und viele andere Arbeitsmaterialien - und nicht zuletzt Technik, die für das Anlegen und die spätere Pflege der Flächen nötig ist -wenigstens einen kleinen einachsigen Traktor.

Deshalb wagen die Vereinsmitglieder jetzt einen großen Schritt: Am Montag haben sie auf der Spendenplattform Startnext eine sogenannte Crowdfunding-Aktion gestartet, über die das Projekt mit Spendengeldern finanziert werden soll. Das Geld wird nur ausgezahlt, wenn die insgesamt benötigte Summe von 14.800 Euro bis zum 30. November - dem Ende der Aktion - tatsächlich zusammenkommt. Mareen Jockusch und die anderen wären sehr glücklich darüber.

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