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Natur pur als Lockstoff

Manche Gemeinden sind vom Nationalpark Sächsische Schweiz und seinen Regeln genervt. Andere sehen darin ihre Chance für den Tourismus.

Ottendorf bei Sebnitz: intakte Natur als Werbeversprechen für die Gäste.
Ottendorf bei Sebnitz: intakte Natur als Werbeversprechen für die Gäste. © Marko Förster

Im Gegensatz zu Gästen aus aller Welt, die vom Versprechen der unberührten Natur in die Sächsische Schweiz gelockt werden, ist der Nationalpark als Institution in den anliegenden Ortschaften teils gar nicht wohlgelitten. Als hinderlich für die Entwicklung empfinden manche die Einschränkungen, die mit der Lage in dem Naturschutzgebiet verbunden sind.

Anders in Ottendorf. Der Sebnitzer Ortsteil hat sich jetzt um den Titel Nationalparkgemeinde beworben. Als zweiter Ort überhaupt im Elbsandsteingebirge – nach Hinterhermsdorf, das die Bezeichnung schon seit 2009 führt – könnten die Ottendorfer dann entsprechende Schilder an ihren Ortseingängen aufstellen. „Die Einwohnerschaft trägt die Sache mit“, sagte Ortsvorsteher Dominique Weidensdörfer in der jüngsten Sitzung des Sebnitzer Stadtrats. Die Vermieter und Gastronomen würden den Titel als eine Chance sehen, Ottendorf touristisch weiter voranzubringen. Ausgangspunkt der Überlegungen war eine Umfrage unter den Einwohnern, wie das Dorf denn an Attraktivität gewinnen könnte. Nationalparkchef Dietrich Butter begrüßte das Anliegen, ein Anfang Oktober in einer Einwohnerversammlung vorgestellter Entwurf einer schriftlichen Vereinbarung stieß auf positive Resonanz.

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Der Titel Nationalparkgemeinde ist dabei keine amtliche Bezeichnung, wie es beispielsweise das Prädikat Kurort ist – Ottendorf ist staatlich anerkannter Erholungsort –, sondern in erster Linie ein Marketinginstrument. „Mit der Bezeichnung ‚Nationalparkgemeinde‘ soll dem Ortsteil Ottendorf ein spürbarer Vorteil bei der Bewerbung eines naturverträglichen Tourismus im touristischen Wettbewerb gegeben werden“, lautet Ziel Nummer eins in der schriftlichen Vereinbarung. Ziel Nummer zwei ist das Verständnis füreinander: Einwohner, Waldbesitzer, Jäger und Tourismusanbieter auf der einen Seite und die Nationalparkverwaltung mit ihrem Naturschutzzielen auf der anderen sollen sich gegenseitig besser verstehen lernen.

Konkret sieht das folgendermaßen aus: Ottendorf bekommt kostenfrei Schilder mit dem Titel Nationalparkgemeinde für die Ortseingänge gestellt und darf das geschützte Logo des Nationalparks für Werbezwecke nutzen. Der Nationalpark kümmert sich außerdem um Informationstafeln und Wanderwegemarkierungen und bietet geführte Wanderungen sowie andere Naturbildungsveranstaltungen auf Ottendorfer Gebiet an.

Im Gegenzug verpflichtet sich der Ort, die Grundsätze des Nationalparks zu unterstützen und für ihn zu werben. Gemeinsam haben Ortschaftsrat und Nationalparkverwaltung dafür einen Arbeitsplan entworfen. Neben Infotafeln und der Pflege von Wanderwegen und Schutzhütten ist darin die Ottendorfer Feuerwehr erfasst, die schon bisher regelmäßig bei Waldbränden oder Unwettern im Nationalparkgebiet im Einsatz war.

Einen eigenen Schwerpunkt bildet die Arbeit an einem Verkehrskonzept. Ottendorf soll besser an die Öffentlichen angebunden werden. Zudem gelte es, Parkflächen im Ort selbst sowie im Kirnitzschtal besser zu nutzen und das Wildparken auf geschützten Flächen einzudämmen. Unter anderem setzen sich die Vertragspartner das Ziel, neue Parkmöglichkeiten für Reisebusse zu schaffen, um den Pkw-Verkehr im Kirnitzschtal zu minimieren. Das Radwegenetz soll erweitert sowie Radverleihstationen und E-Mobilität gefördert werden.

Der Sebnitzer Stadtrat hat sich bereits für die Vereinbarung ausgesprochen. Der Vertrag mit dem Nationalpark soll Ende November unterzeichnet werden,

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