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Naturfreunde fühlen sich allein gelassen

Die Lindenallee zwischen Nostitz und Lauske ist fast drei Kilometer lang. Die Grüne Liga pflegt sie. Ohne Hilfe der Stadt.

Von Kerstin Fiedler

Da ist Mandy Buchholz und Rolf Kubenz von der Grünen Liga Oberlausitz jetzt mal der Kragen geplatzt. Bei einer ihrer Frühjahrskontrollen am Naturdenkmal Lausker Lindenallee bemerkten sie, dass nicht nur viel Windbruch zu beseitigen ist, sondern dass nun auch die Mitte der 90er- Jahre aufgestellte Wanderschutzhütte demoliert wurde. „Schon im vergangenen Jahr wurden Latten durch landwirtschaftliche Fahrzeuge kaputt gefahren, nun ist eine Seite völlig offen“, beschreibt Rolf Kubenz die Situation. Was ihn aber am meisten ärgert ist, dass sich die Stadt Weißenberg, der die Lindenallee eigentlich gehört, darum nicht kümmert.

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Anerkennung der Arbeit wäre gut

Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben die Naturschutzhelfer in das Naturdenkmal gesteckt. „Wir machen das ja auch gern“, sagt Mandy Buchholz, „aber es sollte dann auch geachtet werden“, findet sie. Auf ein Schreiben an den Weißenberger Bürgermeister Michael Staude (parteilos), in dem der Zustand erläutert wird, hat die Stadt noch gar nicht reagiert. Und dabei legt doch auch Weißenberg viel Wert darauf, dass sich der Tourismus weiterentwickelt. „Wenn man dann mit solch einem Pfund nicht wuchert, ist das verwerflich“, findet Rolf Kubenz. Immerhin ist die Lausker Lindenallee mit ihren 2,8 Kilometern Länge und fast 500 Bäumen die wohl längste Lindenallee Sachsens. Die Mitglieder der Grünen Liga schwärmen davon, wie verschieden doch das Erscheinungsbild in den vier Jahreszeiten ist. Immerhin pflegt der Verein die Allee schon seit rund 20 Jahren. Da steckt viel Arbeit drin. Und Fördergeld – zum Beispiel für die Beschilderung von Wander- und Radwanderwegen, wobei eine Radwanderkarte entstand und eben auch solche Schutzhütten finanziert wurden. Doch nun ist sie kaputt und niemand kümmert sich. „Aber eigentlich hat zum Beispiel bei der Verkehrssicherungspflicht die Stadt den Hut auf“, sagt Rolf Kubenz. Von Januar bis April sanieren die freiwilligen Helfer unter anderem Bäume mit schweren Sturmschäden, nehmen schrittweise Eichen und Wildwuchslinden außerhalb des Rasters heraus, ziehen wilden Eschen- und Lindenaufwuchs, schneiden Stock- und Wurzelaustriebe oder tief sitzende Seitentriebe an den Alleelinden. Zurzeit stapeln sich an den Wegesrändern die abgeschnittenen Äste. Das Hexenbrennen in Särka profitiert von diesem Baumschnitt – ebenfalls kostenlos, erzählt Rolf Kubenz. Doch das scheint von der Stadt gar nicht wahrgenommen zu werden, glauben die Naturfreunde.

Michael Staude entschuldigt sich, dass er noch nicht auf die E-Mail der Grünen Liga geantwortet hat. Und er gibt zu, dass die Lausker Lindenallee und ihre Schutzhütte in letzter Zeit auf der Prioritätenliste der Vorhaben nicht sehr weit oben standen. „Wir haben viele verschiedene Naturensemble. Die Gröditzer Skala oder die Bernau – alle wollen die Hilfe der Stadt“, sagt Michael Staude. Und er weiß, dass eben gerade das Engagement an der Lindenallee nicht ganz unumstritten in der Stadt ist. Ohne weitere Details zu nennen. Nach Ostern will sich der Bürgermeister mit dem Ortschaftsrat Nostitz/Kotitz zusammensetzen, um zu beraten, wie die Stadt hier reagiert. „Ich denke, dass eine Reparatur der Hütte im Rahmen unserer Möglichkeiten vielleicht über den Bauhof möglich ist“, sagt Staude, weist aber darauf hin, dass zwar die Grundstücke der Stadt gehören, nicht aber der Unterstand. Er wird sich mit der Grünen Liga in Verbindung setzen. Das ist gut, denn immerhin gibt es die Allee schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Verkehrsverbindung zwischen den Rittergütern Lauske und Nostitz.