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Naturheilmittel auf dem Vormarsch

Vor allem junge Eltern setzen auf Homöopathie, um Krankheiten ihrer Kinder zu behandeln.Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten.

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Von C. Raatz und U. Stöckel

Die „sanfte Medizin“ findet immer mehr Anhänger. Bei der Behandlung ihrer kranken Kinder setzen inzwischen rund 65 Prozent der deutschen Eltern auf alternative Heilmethoden wie etwa die Homöopathie (siehe Kasten) mit ihren natürlichen, hochverdünnten Wirkstoffen. Das ergab jetzt eine repräsentative Forsa-Studie.

Kraft der Kügelchen

Christiane Bense vom Hahnemannzentrum in Meißen freut das Ergebnis: „In der Bevölkerung wächst die Akzeptanz“, bestätigt sie. Das sollte auch ein Zeichen für die Wissenschaftler sein, alternative Heilmethoden endlich ernst zu nehmen, so Bense. Die stehe der Homöopathie jedoch weiterhin kritisch gegenüber. Trotz des guten Umfrage-Ergebnisses gebe es in den neuen Bundesländern aber Nachholbedarf. „Homöopathie hat hier 40 Jahre lang keine Rolle gespielt“, erklärt Bense. Das zeigt auch die Forsa-Studie: Im Westen sind es knapp 30 Prozent, die regelmäßig auf sanfte Medizin zurückgreifen, im Osten rund zehn Prozent. Tendenz allerdings steigend.

Bei der Homöopathie geht es vor allem darum, Krankheiten mit sanften Mitteln zu bekämpfen und den Körper zur Selbstheilung anzuregen. Ein kompletter Ersatz für schulmedizinische Behandlungen, gerade bei Unfällen oder schweren Krankheiten, kann das jedoch nicht sein, schränkt Bense ein.

Monika Hennig aus Lampertswalde bei Großenhain arbeitet bereits seit Anfang der 90er Jahre als Heilpraktikerin. Auch viele junge Patienten kommen zu ihr. „Alternative Medizin und Homöopathie werden stärker angenommen“, so Hennig. Auch klassische Ärzte lassen sich immer häufiger auf diesem Gebiet weiterbilden. Zwar gebe es nach wie vor das Vorurteil, dass Homöopathie etwas mit Zauberei und Hokuspokus zu tun habe. Das nehme aber ab, so Hennig. Auch, dass die Zusammenarbeit mit den Apothekern gut funktioniert, freut die Heilpraktikerin.

Mittlerweile gehören die weißen Mini-Kügelchen, so genannte Globuli, in vielen Apotheken zum Standardangebot. So verzeichnet die Apotheke am Heideberg in Riesa seit geraumer Zeit eine enorme Nachfrage. Vor allem bei Husten und Schnupfen sind homöopathische Mittel begehrt. Zu Beginn der Pollenzeit suchen viele Menschen nach einem sanften Mittel gegen Heuschnupfen. Senioren greifen vor allem auf Salben gegen Knochenschmerzen zurück. „Es gibt für jedes Wehwehchen ein homöopathisches Mittel“, sagt eine Mitarbeiterin. Auch bei Ärzten scheinen natürliche Pillen nach und nach einen besseren Ruf zu haben: „ Viele verschreiben sie auf Rezept“.

Vorurteil: Alles Zauberei

Mittlerweile übernehmen einige Krankenkassen die Kosten: So werden Medikamente für Kinder unter 18 Jahren, die Entwicklungsstörungen aufweisen, von den meisten Kassen bezahlt. Wenn sich zeigt, dass generell eine Behandlung mit homöopathischen Präparaten gute Erfolge erzielt, stehen die Chancen auf eine Übernahme der Kosten ebenfalls gut.

Die Leistungen können allerdings von Kasse zu Kasse unterschiedlich sein. Bei der Barmer etwa wird die Behandlung beim Heilpraktiker in den meisten Fällen bezahlt. Einige Versicherer bieten zudem die Möglichkeit, einen Extravertrag zu schließen und tragen dann auch für Erwachsene die Kosten für alternative Medikamente.