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Naturschätze auf Prüfstand

Landkreis. Aus Theorie soll endlich Praxiswerden: Zurzeit unter-suchen Landschaftsarchitekten schützenswerte Gebiete für Natura 2000.

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Von Anja Beutler

Überall im Landkreis wird vermessen, begutachtet und kartographiert. Für Natura 2000. „Das ist ein europaweites Netz von ökologisch funktionsfähigen und naturschutzfachlich besonders wertvollen Gebieten“, erklärt Knut Vorberger vom Umweltfachbereich des Regierungspräsidiums Dresden, Außenstelle Bautzen. Um Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume zu bewahren, habe die EU dieses Programm aufgelegt.

Und damit es nicht nur bei der Theorie bleibt, läuft jetzt die Arbeit vor Ort auf Hochtouren. Bereits im vergangenen Jahr sind einige der zehn schutzwürdigen Gebiete im Kreis untersucht worden. Zurzeit nehmen Mitarbeiter von Planungsbüros die Natur-Schatztruhen des Landkreises unter die Lupe, vermessen bestehende natürliche Lebensräume, begutachten den momentanen Zustand und tragen alles in Karten und Listen ein.

So wie die Mitarbeiter des Unternehmens Herbstreit Landschaftsarchitekten aus Radeberg. Sie sind mit dem so genannten Pließnitzgebiet betraut, bestätigt Mitarbeiterin Gunhild Oelschlägel. Zwei Kollegen seien zurzeit dabei, die einzelnen Lebensraumtypen wie beispielsweise Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder oder Flachlandmähwiesen zu erfassen. Ein weiterer Kollege kümmere sich derzeit um Vielfalt der Tierwelt.

Bis Ende Mai, so hofft sie, werde die Erfassung der Lebensräume abgeschlossen sein. Dann sei alles im Pließnitzgebiet mit seinen Besonderheiten von Baum bis Strauch genau vermerkt. Gearbeitet werde dabei sowohl mit Karten und Luftbildern, als auch mit modernen Satellitensystemen wie GPS. „Die Erfassung der Arten wird aber mindestens bis August dauern, weil zum Beispiel manche Schmetterlinge eben erst im Sommer zu sehen sind“, fügt Oelschlägel hinzu.

Dass die Mitarbeiter der verschiedenen Planungsbüros nicht einfach so durch Wiese, Wald und Flur stapfen können, versteht sich für Knut Vorberger von selbst: Mit den betroffenen Landnutzern und Grundstückseigentümern werden deshalb Gespräche geführt. Oft gebe es zunächst Berührungsängste oder Vorurteile gegenüber dem Naturschutz. „Bei den allgemeinen Informationsveranstaltungen kann ein Großteil der Bedenken aber zerstreut werden“, sagt Vorberger.

Mit vielen Betroffenen – das können neben Privateigentümern auch Kommunen oder das Land selbst sein – suche man ohnehin persönlichen Kontakt. „Hier in Zittau lief das bis jetzt sehr gut“, schätzt Angela Bültemeier, die Forstbeamtin der Stadt ein. Sie war im vergangenen Jahr bei einer Info-Veranstaltung zu Untersuchungen im Mandautal dabei.

Auch Uwe Schulz, stellvertretender Forstamtsleiter in Löbau, ist mit der bisherigen Zusammenarbeit zufrieden: „Wir stellen den Bearbeitern auch Unterlagen über den Zustand der Gebiete zur Verfügung“, erzählt er. Für einige Abschnitte lägen sogar schon so genannte Managementpläne vor.

Diese Pläne sind das Herzstück des Projektes: Denn sie geben Auskunft, ob noch mehr für die Erhaltung des jeweiligen Lebensraumes getan werden muss, oder ob es reicht, den derzeitigen Zustand zu bewahren. Konflikte mit den Nutzern sollen aber ausgeschlossen werden: „Die bisherige land-, forst-, fischereiwirtschaftliche oder jagdliche Nutzung hat grundsätzlich Bestandsschutz, wenn sie dem günstigen Erhaltungszustand nicht entgegen steht“, erklärt Vorberger.

Bis 2008 wird es wohl zunächst dauern, bis alle zu schützenden Gebiete erfasst sind. Und damit der Schutz auch von Dauer ist, muss demnächst alle sechs Jahre über Entwicklung und Zustand der Gebiete berichtet werden.

Die nächste allgemeine Infoveranstaltung findet für das Pließnitzgebiet am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Kiesdorf statt.

www.umwelt.sachsen.de