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Naturschützer gegen Parkplatz am Spitzhaus

Der Lebensraum vieler Tier- und Insektenarten ginge damit verloren. Zum Beispiel sei dort der seltene Bluthänfling noch zu Hause.

Im Spitzhaus einen neuen, großen Parkplatz? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Sollte der Stellplatz kommen, muss diese Blühwiese dafür weichen. Das stört vor allem Umweltschützer.
Im Spitzhaus einen neuen, großen Parkplatz? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Sollte der Stellplatz kommen, muss diese Blühwiese dafür weichen. Das stört vor allem Umweltschützer. © Norbert Millauer

Radebeul. Es ist einer der herrlichsten Ausblicke, den Radebeul zu bieten hat. Über das Elbtal, ganz Dresden bis zu den Bergen der Sächsischen Schweiz kann man vom Spitzhaus aus gucken. Bald eröffnet sich noch der Blick bis zum Meißner Dom – vom Bismarckturm aus, der im September öffnen soll. Für die Besucher des Turms und der Gaststätte will die Stadt einen großen Parkplatz auf einer Wiese bauen. 63 Stellplätze sind geplant. Der Verkehr soll vor dem Spitzhaus auf den Parkplatz abbiegen und dann in einem Bogen über eine Einbahnstraße, die extra neu gebaut wird, zurückfahren (siehe Grafik).

Doch gegen die Pläne regt sich Widerstand. Naturschützer sehen die Parkplatzpläne äußerst kritisch. Denn für die Stellplätze muss die Wiese dort weichen. Joachim Schruth von der Landesgeschäftsstelle des NABU schreibt in einer Stellungnahme: „Allein der Parkplatz- und Straßenbau bedeutet infolge der Versieglung, der Frequentierung durch Fahrzeuge und Menschen und des Wegfalls von Fortpflanzungs- und Nahrungsstätten für Insekten, Vögel und andere Tierarten einen erheblichen Eingriff in dieses relativ naturnahe, gut ausgestattete Ökosystem.“ So habe beispielsweise der vor Jahren noch häufige Bruthänfling, eine Finkenart, sein einziges Brutrevier in Wahnsdorf in diesem Bereich. Auch die Streuobstwiese neben der Wiese als geschütztes Biotop werde durch den Straßenbau erheblich beeinträchtigt, sagt Schruth. „Der Ostrand der Streuobstwiese wird zur Gefahrenzone für nicht schnell genug fluchtfähige Tiere, sogar mit Lebensgefahr.“

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Auch Brigitte Heyduck, die Vorsitzende der Regionalgruppe Radebeul und Moritzburger Land des BUND, hat Einwände: „Die überwiegende Ausrichtung der Planung auf den motorisierten Individualverkehr ist abzulehnen. Dies entspricht nicht den Erfordernissen des Klimaschutzes“, schreibt sie. „Zwei bis drei Parkplätze für gehbehinderte Menschen in unmittelbarer Nähe des Spitzhauses sind sicher hilfreich. Für alle anderen Menschen dürfte der Weg vom vorhandenen Parkplatz nicht zu weit sein. Insbesondere Besuchern des Bismarckturms, die die neu eingebaute Treppe desselben besteigen wollen, kann man zumuten, einige Meter zu laufen.“

Die Stadt hält die Größe des geplanten Parkplatzes hingegen für gerechtfertigt. Laut Sächsischer Bauordnung sind für Gastronomien ein Stellplatz je sechs Sitzplätzen vorgesehen. Das bedeute, bei rund 45 Sitzplätzen und vier Gästebetten im Spitzhaus, plus benötigte Stellplätze für die Angestellten, sei der geplante Parkplatz nicht überzogen, da außerdem noch die Besucher des Bismarckturms dazu kommen, argumentiert die Verwaltung. Erst recht zu Spitzenzeiten wie bei Feierlichkeiten und Veranstaltungen würden die Stellplätze benötigt. Im Stadtentwicklungsausschuss gehen die Meinungen zum Parkplatz auseinander. Eva Oehmichen (Bürgerforum/Grüne) und Thomas Gey (SPD) erklärten, dass sie die Größe des Parkplatzes übertrieben finden. CDU-Stadtrat Wolfgang Jacobi hingegen argumentierte, es sei gut, wenn so ein Parkplatz für die Allgemeinheit gleich etwas größer gebaut werde.

Fest steht: Kommt der Parkplatz, muss die Stadt Ausgleichsflächen für die verlorengegangene Wiese schaffen. In direkter Nähe sollen Streuobstwiesen mit Apfel, Birne und Süßkirsche angelegt werden. Entlang vom Parkplatz außerdem mehrere Straßenbäume und Hecken hinkommen. Den Umweltschützern von BUND und Nabu reicht das jedoch nicht. Um den Parkplatz samt Straße zu kompensieren, würden die gesamten Freiflächen in der Umgebung benötigt, schreibt Joachim Schruth. Bis auf die angedachte Ausgleichsfläche seien diese aber für Wohnbebauung vorgesehen. Die einzig sachgerechte Lösung des Kompensationsproblems sei es, auf die Wohnbebauung zu verzichten.

Die Pläne für den Parkplatz hängen noch bis zum 23. August im Schaukasten im Technischen Rathaus aus. In dieser Zeit können schriftlich Anregungen und Hinweise abgegeben werden. Der B-Plan und alle Stellungnahmen sind auch unter www.radebeul.de sowie unter www.bauleitplanung.sachsen.de einsehbar.

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