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Naturschützer helfen Windkraftgegnern

Der Kreistag lehnt die Ausweisung weiterer Standorte ab. Nur Die Linke will mehr Windenergie nutzen.

Ganz so ungetrübt wie hier in Langenwolmsdorf ist die Situation für Betreiber von Windkraftanlagen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nicht.
Ganz so ungetrübt wie hier in Langenwolmsdorf ist die Situation für Betreiber von Windkraftanlagen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nicht. © Steffen Unger

Das wollte Kreisrat Rainer Böhme (Die Linke) nicht akzeptieren. Am zweiten Tag nach der Klima-Konferenz in Katowice könne man nicht für ein „Weiter so“ bei der Energieproduktion stimmen. „In Polen ging es um weltweite Auswirkungen. Hier vor Ort beschließen wir die Details“, sagte er im Kreistag. Damit meinte er die Stellungnahme des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zum Regionalplan, speziell den Teil „Windenergienutzung“. Der aktuelle Entwurf sieht dabei mehrere Standorte als Vorrang- und Eignungsgebiet für Windenergie vor. Dazu gehören auch Beerwalde und Breitenau im Osterzgebirge sowie das Areal am Wachberg im Neustädter Ortsteil Rückersdorf. Gegen Letzteres gibt es Proteste von Anwohnern und Stadtverwaltung.

Der Kreistag hat nun gegen die Stimmen der Linken diese drei Standorte als ungeeignet abgelehnt. Dabei kam es zu einer erstaunlichen Allianz mit Naturschützern. Diesen wird in der Mehrzahl nachgesagt, die Nutzung regenerativer Energien wie Windkraft zu unterstützen. In diesem Fall kam es aber anders.

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In der Stellungnahme des Landratsamtes heißt es, dass grundsätzlich große Bedenken gegen die Ausweisung der Standorte Rückersdorf, Breitenau und Beerwalde bestehen. Dazu werden nun naturschutzrechtliche Bedenken ins Feld geführt. Naturschützer befürchten, dass eine steigende Anzahl von Windrädern zum vermehrten Tod von Milanen führt. Die Greifvögel gelten als schlaggefährdete Art. Das heißt, sie kann von Rotorblättern erschlagen werden.

Ob überhaupt solche Vögel in der Region leben, ließ Neustadt, zu der das Gebiet bei Rückersdorf gehört, zehn Jahre lang untersuchen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass vier Horste von Rot- und Schwarzmilanen besetzt sind, die sich in einer Entfernung von 150 bis 500 Metern von dem Vorranggebiet für Windenergie befinden und ein fünfter 1 300 Meter weit weg. Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten fordert weit größere Abstände zu Windkraftanlagen, so das Landratsamt.

Ähnlich sei die Situation in Breitenau und in Beerwalde. Auch dort seien Milane gesichtet worden, zudem Schwarzstörche, ein Uhu und ein sehr schützenswertes Paar Kiebitze. „Das ist ein fantastischer Naturraum, den wir erhalten müssen und nicht stören sollten“, sagte Kreisrat Thomas Klingner (Grüne). Deshalb stimmten er und die Fraktion SPD/Grüne in dem Falle gegen die Erweiterung von Vorrangflächen für die Windenergienutzung. Das erklärte zuvor auch schon Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother für die CDU-Fraktion. „Die Milane sollten auf dem Land bleiben“, sagte er. Würden geschützte Arten in urbane Gebiete ausweichen, wäre das für die Entwicklung noch problematischer.

Doch nicht nur das Leben der Greifvögel sieht der Kreistag in Gefahr, sondern tatsächlich auch das von Fledermäusen. So ist der aktuelle Planungsentwurf so verändert worden, dass Windkraftanlagen nun näher an Waldflächen heran gebaut werden dürfen, als bisher geplant. Statt des ursprünglichen Abstands von 100 Metern sollen jetzt nur noch 50 Meter gelten. Dabei bezieht sich der Planungsverband auf ein Gutachten des Instituts für Biologie der Universität Erlangen/Nürnberg. Demnach sinke die Aktivität von Fledermäusen schon ab Entfernungen von 30 Metern vom Waldrand aufs Niedrigste. Wo keine Fledermäuse aktiv sind, könnten auch keine in Gefahr sein.

Das stellt das Landratsamt erheblich infrage, weil in dem genannten Gutachten Windkraftanlagen gar nicht mit einbezogen gewesen waren. „Somit ist eine pauschale Überführung der Ergebnisse nicht nachvollziehbar“, heißt es in der Stellungnahme des Landkreises. Allen Windkraftgegnern kommt in diesem Falle mal der Naturschutz entgegen.

„Das erinnert mich stark an die Diskussion um die Hufeisennase an der Waldschlösschenbrücke in Dresden, die zwar niemand gesehen hat, aber alle schützen wollen“, sagt Böhme. Da werde sich auf Naturschutz berufen, wie es gerade passt. Dabei müssten grundsätzlich die Dinge angegangen werden. „Die Art des Wirtschaftens muss geändert werden“, erklärte Böhme.

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Das ermunterte schließlich den Vorsitzenden der FDP-Fraktion, Uwe Steglich, seine Klima-Rechnung als Erwiderung kundzutun. „Würde unser Landkreis komplett auf den Ausstoß von Kohlendioxid verzichten, würde man das in der weltweiten Statistik gar nicht merken“, sagte er.

Sämtliche Stellungnahmen zum Regionalplan werden nun von der Landesdirektion abgewogen und schließlich entschieden, ob sie berücksichtigt werden. In der Februar-Sitzung will der Kreistag über die restlichen Teile des Regionalplans befinden.