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Naturschützer pflanzen bei Großdittmannsdorf eine neue Feldhecke

Vogelkundler und Jäger haben gemeinsam ein neues Zuhause für bedrohte Feldtiere geschaffen.

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Wer heute beim Wandern über die Felder Rebhühner oder Feldhasen sieht, hat Glück. Weil ihr Lebensraum immer mehr eingeschränkt wurde, gehören sie inzwischen zu den bedrohten Arten. Was diese seltenen Feldtiere ebenso wie Mauswiesel, Neuntöter und andere brauchen, sind Hecken.

Am Wochenende haben 36 fleißige Pflanzer in der Nähe des Weges zum Metzenberg bei Großdittmannsdorf einen 150 Meter langen neuen Gehölzstreifen angelegt. Neben zahlreichen Mitgliedern der Nabu-Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf, ihrer Kinder- und Jugend-Natur AG und anderen freiwilligen Helfern waren auch die beiden Jagdpächter Michael Scheibe und Thomas Neumann beteiligt.

Die Agrargenossenschaft Radeburg stellte das Pflanzgut und einen Wasserhänger zur Verfügung und pflügte den Pflanzstreifen. Insgesamt kamen 15 Ebereschen, 600 Wildrosen und zehn Haselnusssträucher in den Ackerboden.

Wichtiger Lebensraum

„Die Pflanzung ist ein gelungenes Beispiel für das gemeinsame Wirken von Naturschutz, Jagd und Landwirtschaft für eine schöne Landschaft, die unserer Ernährung und Erholung ebenso dient wie dem Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen“, sagt Projektleiter Jens Kocka von der Nabu-Fachgruppe Großdittmannsdorf.

Wie wichtig solche Pflanzungensind, zeigt auch eine Untersuchung der Fachgruppe. Im Jahr 2003 hatten deren Mitglieder sämtliche Hecken im Landschaftsschutzgebiet Moritzburger Kleinkuppenlandschaft erfasst. 398 Einzelsträucher und Hecken wurden registriert, „Das waren 13 je Quadratkilometer“, so Kocka. „Verglichen mit den 1960er und 70er Jahren eine geringe Zahl.“ Durch das Entstehen großer Felder im Zuge der LPGs seien viele Hecken, Feldraine, Bäche und Gräben verschwunden. „Doch die Feldhecken prägen eben nicht nur ein schönes Landschaftsbild, sondern sie sind auch unverzichtbarer Lebensraum seltener Feldtiere und dienen dem Biotopverbund“, weiß der Naturschützer.

Einheimische Arten wählen

Doch nicht nur die verschwundenen Hecken bereiten Probleme. Kocka: „Seit 1990 werden einige der verbliebenen nicht mehr so intensiv gepflegt.“ Durch heranwachsende Pappeln, Birken und Eichen werden manche für ihre Bewohner zunehmend ungeeignet. „Heckenpflege tut also Not. Mit Genehmigung und im Zusammenwirken mit den Eigentümern kümmern wir uns als Fachgruppe Ornithologie daher auch um das Lichten und Verjüngen, damit diese Hecken wieder gute Brut-, Nahrungs- und Rückzugsstätten werden.“

Für diejenigen, die auf ihren Äckern selbst Gehölzstreifen anlegen wollen, haben Kocka und seine Mitstreiter noch einen wichtigen Tipp: „Für Feldhecken sollte man einheimische Gewächse verwenden, weil fremdländische Pflanzen oft von heimischen Tieren gemieden werden oder als invasive Arten sogar der Natur schaden können.“

Deshalb wurden für die Pflanzaktion in der Radebeuler Baumschule Schumann auch Wildformen der Sträucher und Bäume ausgewählt. Möglich sei zudem die Anzucht aus von Wildpflanzen gesammelten Samen.Sven Görner