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Naturschützer stellen sich gegen Wohngebiet in Mickten

Auch wenn Dresden wächst, darf die Stadt nicht an der hochwassergefährdeten Flutrinne bauen, sagt der Nabu.

Von Sandro Rahrisch

Ab Sommer soll zwischen Flutrinne und Sternstraße ein neuer Wohnpark entstehen. Zwei Tage vor Ablauf der Widerspruchsfrist für den Bebauungsplan meldet sich nun der sächsische Naturschutzbund und kritisiert das Projekt. „Dresden hat immer noch nichts dazugelernt“, sagt der Vorsitzende, Bernd Heinitz. Die Brache stelle bei Hochwasser einen natürlichen Überflutungsraum dar. Werden dort Häuser gebaut, würden die Flächen versiegelt und die Hochwassergefahr steige an. Noch bestehe die Möglichkeit, den Plan zu ändern. „Der Nabu fordert: Hände weg von den Elbauen und -wiesen“, so Heinitz weiter.

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Tatsächlich stand die Fläche, auf der insgesamt 460 Wohnungen entstehen sollen, während der Flut 2002 unter Wasser. In den darauffolgenden Jahren ist zwischen dem Ballhaus Watzke und der Sternstraße die Flutschutzlinie erneuert worden. Bei den Hochwassern 2006 und 2013 konnte die Flutrinne die Elbe zurückhalten. Außerdem gilt für Neubauten an der Sternstraße, dass die Fußböden im Erdgeschoss zwischen 30 und 50 Zentimeter über der Hochwassermarke liegen müssen. Der Investor sagte zuletzt zu, dass die Wohnungen erst ab einem Pegel von zehn Metern gefährdet wären. Dieser ist allerdings auch 2002 nicht erreicht worden. Damals erreichte die Elbe einen Stand von 9,40 Metern. Dem Nabu reicht das aber nicht – ein wirkungsvoller Hochwasserschutz sei in den Plänen nicht zu erkennen. Außerdem betont Bernd Heinitz, dass in der nur wenige Kilometer breiten Elbaue etwa 24 geschützte Brutvogelarten sowie die Zauneidechse vorkommen würden.

Erst im November hatte der Investor seine Pläne auf Wunsch der Stadt geändert. So wird in den meisten Bereichen fünf- statt sechsgeschossig gebaut, damit keine dunklen Straßenschluchten entstehen. Außerdem sind extra Schallschutzwände und dickere Fenster vorgesehen. Die Mietpreise sollen zwischen 8,50 und 10 Euro pro Quadratmeter liegen. Bis zu 100 Millionen Euro kostet das Vorhaben laut Investor. Läuft alles nach Plan, könnten die ersten Mieter spätestens 2020 in die zwischen 80 und 120 Quadratmeter großen Wohnungen einziehen. Der Entwurf des Bebauungsplanes liegt noch bis zum Freitag im Rathaus aus. Bis dahin kann jedermann Stellung nehmen, also auch Einwände vorbringen.

Der Naturschutzbund fordert generell, elbnahe Projekte wie die Hafencity und Marina Garden nicht mehr zu planen.