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Naturschützer über Baumpflege empört

An Straßenbäumen zwischen Leisnig und Zschoppach sind die unteren Äste abgesägt worden. Maja Lichtenstein vom BUND sieht keinen Grund dafür.

Von Heike Heisig
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Der Landkreis bezeichnet die Baumschnitte an der S 36 zwischen Leisnig und Zschoppach als Pflegearbeiten. Naturschützer sprechen von einer Verstümmelung.
Der Landkreis bezeichnet die Baumschnitte an der S 36 zwischen Leisnig und Zschoppach als Pflegearbeiten. Naturschützer sprechen von einer Verstümmelung. © Lutz Weidler

Leisnig. Zu beiden Seiten der Umgehungsstraße, die seit kurzem eine Staatsstraße ist, wurden in den letzten Tagen Büsche entfernt. Das ist manchem Kraftfahrer aufgefallen. Von vielen unbemerkt sind dagegen die Baumpflegearbeiten an der S 36 zwischen Leisnig und Zschoppach geblieben. Bei Maja Lichtenstein allerdings haben sie den Blutdruck in die Höhe getrieben.

„Das geht gar nicht, was dort und auch andernorts passiert ist“, findet Maja Lichtenstein. Die Polditzerin gehört zu den Mitgliedern der Regionalgruppe Leisnig des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND.

Sie hat Ende vergangener Woche zum Beispiel an der Straße in Richtung Zschoppach bemerkt, dass bei etwa einem Dutzend Linden die unteren Äste radikal abgesägt worden sind. „Manche waren handtellergroß“, erzählt Maja Lichtenstein.

„Ich habe die Arbeiter gleich angesprochen. Aber sie haben sich nicht stoppen lassen“, berichtet die Naturschützerin. Wie sie sagt, habe sie daraufhin mit einigen Behörden, darunter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Mittelsachsen, telefoniert und ihren Unmut über die „radikale Vorgehensweise“ geäußert.

Ihre Befürchtungen, dass die Baumpflegearbeiten nicht in jedem Fall fachgerecht passiert sind, hat sich Maja Lichtenstein von zwei hinzugezogenen Experten – aus ihrer Sicht – bestätigen lassen. Einem Praktiker, der jeden Tag mit Baumpflege zu tun hat, und einem Forstwirt mit jahrzehntelanger Erfahrung. „Ich bin auf diesem Gebiet ein Laie“, gibt sie zu.

Nicht jeder Schnitt sei so passiert, dass Wasser ablaufen kann, was zu Fäulnis führen könne. „Außerdem haben damit Pilze, Frost und Sonne Angriffsflächen. Überdies wird die Wasserversorgung gestört. An den Schnittflächen werden jetzt ständig Schösser herauswachsen. Ich denke, dass die einen noch höheren Pflegeaufwand nach sich ziehen“, meint Maja Lichtenstein.

Auch den optischen Aspekt sieht sie: „Die Linden waren so schön in Kegelform gewachsen, davon wird nicht mehr viel übrig bleiben“, befürchtet sie.

Einen Grund für die Rückschnitte sieht sie nicht. An dieser Stelle könne es nicht darum gehen, ein Lichtraumprofil für vorüberfahrende Fahrzeuge freizuschneiden. „Wir haben nachgemessen: Zwischen der Fahrbahn und den Bäumen sind fünf Meter Platz.“ Die Naturschützerin befürchtet vielmehr, dass die Bäume „von Menschenhand zu Tode gepflegt werden. Das darf so nicht weitergehen. Doch das tut es leider“, sagt sie und zeigt auf den weiteren Straßenverlauf, wo sie wieder orangefarbene Fahrzeuge der Straßenmeisterei gesehen hat.

Kreissprecher André Kaiser bestätigt die Arbeiten: „Die Straßenmeistereien führen derzeit Gehölzarbeiten durch.“ Grundlage dafür seien Überprüfungen einmal durch den Freistaat an Staats- und Bundesstraßen sowie den Kreis an Kreisstraßen. „Im Ergebnis der sogenannten Baumkontrollen wird festgehalten, ob und wie die Gehölzpflege erfolgen muss.“

Im kritisierten Bereich an der S 36 handele es sich entsprechend des Prüfprotokolls um einen Erziehungs- und Aufbauschnitt. „Der macht es meist erforderlich, dass die Bäume aufgeastet werden müssen“, erklärt André Kaiser.

Nach seinen Worten gehen die Mitarbeiter auch durchaus fachgerecht vor: „Der Baumschnitt ist Teil der Ausbildung der Straßenwärter.“