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Naturschutz kein Selbstzweck

Zum Beitrag „Längste Bank in Sachsen muss verschwinden vor den Linden“, der in der SZ-Gesamtausgabe (außer in Kamenz) am 24. Juni stand, schreibt Günther W. Schneider aus Dresden :

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Mein Kommentar: Die Bank gibt ein schönes Bild ab und ist eine Bereicherung, wenn auch mit dem fragwürdigen Motiv eines zweifhaften Rekordversuches errichtet. Die Frage ist, wen stört die Bank? Die Initiatoren hatten Mühe und Spaß. Die Spaziergänger und Wanderer amüsieren sich, und sie gefällt in ihrer natürlichen Konstruktion. Regendurchlässiger Schotter, im respektablen Abstand zu den Linden, stört diese auch nicht. Die Linden spenden weiter ihren wohltuenden Schatten und dürften ein wenig stolz sein, dass manch neuer Bewunderer durch die Bank angelockt wird.

Gestört sind die Bürokraten, die nicht gefragt wurden, und bedroht fühlen sich militante Naturschützer. Sie erheben schon mal den Schutz zum Selbstzweck, am liebsten würden sie den Menschen aus der Natur verbannen. Die Naturbewahrer vergessen, dass die Natur den Menschen erfreuen soll und er sie erleben können muss. Wenn wir diesen „Naturwächtern“ folgen, sind wir bald in Siedlungsghettos eingesperrt und rings um uns verwildert Kulturlandschaft zu kränkelnden Biotopen. Wir dürfen diese dann nur noch mit Sondergenehmigung, an der Leine geführt, betreten. Ist es das?

Verärgert sind zu Recht die Grundstückseigentümer, natürlich hätte man den oder die Besitzer vorher fragen müssen, diese überzeugen und eine für beide Seiten erträgliche Vereinbarung abschließen müssen. Es geht darum, die Eigentümer von Verpflichtungen und Risiken zu entlasten. Es bleibt zu hoffen, dass die Beteiligten vernünftig miteinander reden und schnell zu einem Konsens finden, bevor durch Blockadehaltung und blinden Aktionismus der eigentlich guten Tat eine Ende gesetzt wird.