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Mangusten tanzen auf den Tischen

Dank einer neuen Anlage kann man den possierlichen Tieren im Görlitzer Naturschutztierpark jetzt besonders nahe sein. Sie sitzen quasi mit im Biergarten.

Das neue Mangustengehege im Tierpark Görlitz.
Das neue Mangustengehege im Tierpark Görlitz. © Nikolai Schmidt

Hopsen die etwa auf dem Tisch herum? Mitten im Biergarten? Mitten unter den Gästen? Ob sie getürmt sind? Nein. Oder doch? Tatsächlich. 40 drollige Zebramangusten haben eine Dauerreservierung - ein eigener Tisch im Biergarten am Eingang des Görlitzer Tierparks. Mittendrin und doch nicht dabei. Denn wenn der Besucher glaubt, die kleinen Kerlchen könnten auch an seinen Tisch kommen, irrt er.  Panoramascheiben - erst auf den zweiten Blick erkennbar - trennen das neue Mangustengehege vom restlichen Biergarten.

Vor einigen Wochen ist es nach einem Jahr Bauzeit eingeweiht worden, 100 Quadratmeter groß und ganz offenbar schon ein Publikumsmagnet. Vor allem Kinder hocken auf dem Boden und kleben an der Scheibe, um den eigentlich in Ost- und Südafrika beheimateten Tieren ganz nah zu sein und sie bei ihrem drolligen Spiel zu beobachten.  Lange lassen sich die Mangusten auch nicht bitten und liefern die erhoffte Show. "Diese Tiere sind so genannte Kulturfolger", erklärt Kuratorin Catrin Hammer. "Das heißt, sie gehen dahin, wo die Menschen sind. In Afrika findet man sie deswegen viel in Lodges und Camps."

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Es begann mit zwei Brüdern

Ein Magnet war die Mangustenanlage im Görlitzer Naturschutztierpark schon länger.  Aber erstens wurde ihr früheres Domizil aufgrund der rapide wachsenden Familie zu klein. Dabei begann 2012 alles ganz beschaulich mit zwei Brüdern, die aus einem an der Grenze beschlagnahmten Tiertransport stammten. Als der Tierpark der besseren Geselligkeit wegen dazu noch zwei Weibchen anschaffte, verpaarten sich die Tiere sofort und die fröhliche Mangusten-Großfamiliengeschichte begann. 

Die Tiere mauserten sich schnell zu Besucherlieblingen und deshalb wollte man sie  zweitens nun besser präsentieren. Das ist mit der Biergarten-Kulisse rundum gelungen. "Da ein Klein-Afrika in unserem Eingangsbereich recht deplatziert wirken würde, haben wir uns entschieden, den vorhandenen Stil aufzunehmen und mit entsprechender Einrichtung einen artgemäßen Ersatzlebensraum für die agilen Raubtiere zu schaffen", so Catrin Hammer. Statt über Termitenhügel geht’s hier nun drüber, drauf, durch und unter Fässer, Kisten, Tische und Bänke.

Bildergalerie

Guck guck: Die Fässer und Kisten bieten den Tieren unzählige Spiel- und Versteckmöglichkeiten. 
Guck guck: Die Fässer und Kisten bieten den Tieren unzählige Spiel- und Versteckmöglichkeiten.  © Nikolai Schmidt
Hinter der Panoramascheibe kann man die Mangusten aus nächster Nähe beobachten. Scheu sind sie überhaupt nicht.
Hinter der Panoramascheibe kann man die Mangusten aus nächster Nähe beobachten. Scheu sind sie überhaupt nicht. © Nikolai Schmidt
Scheinbar mittendrin. Die Panoramascheibe entdecken viele erst auf den zweiten Blick.
Scheinbar mittendrin. Die Panoramascheibe entdecken viele erst auf den zweiten Blick. © Nikolai Schmidt
Die Anlage auf einen Blick. Sie befindet sich gleich links vom Eingang. 
Die Anlage auf einen Blick. Sie befindet sich gleich links vom Eingang.  © Nikolai Schmidt
Und bei der Bullenhitze lieben auch Zebramangusten ein wenig Abkühlung. 
Und bei der Bullenhitze lieben auch Zebramangusten ein wenig Abkühlung.  © Danilo Dittrich
Wie funktioniert dieses Ding nur, warum kommt aus einem freischwebenden Wasserhahn Wasser raus? 
Wie funktioniert dieses Ding nur, warum kommt aus einem freischwebenden Wasserhahn Wasser raus?  © Danilo Dittrich

Der magische Wasserhahn

Zum Mangusten-Biergarten gehören auch eine überdachte Sandkiste, die sich die Tiere mit spielenden Kindern gefühlt teilen und ein Brunnen mit magischem Wasserhahn, der sowohl als Aussichtspunkt aber auch gern zur Abkühlung genutzt wird. Wie der Wasserhahn, der scheinbar schwebt, genau funktioniert, mag wohl Kindern ein ewiges Rätsel bleiben und sich auch manchem Erwachsenen erst nach längerer Grübelei erschließen. 

Vom Freigehege aus haben die Mangusten direkten Zugang in ihr Haus, das - ebenfalls im passenden Stil eingerichtet ist und mehr Komfort bietet als das frühere. So gibt es unter anderem eine Fußbodenheizung. Das macht es leichter, die Tiere jetzt auch im Winter zu Gesicht zu bekommen. Am Haus hat der Tierpark eine Menge Informationsmaterial deponiert, denn man möchte den Besucher so viel wie möglich am fröhlichen Mangustenleben teilhaben lassen. Sogar eine Webcam in der Wurfkiste gibt es, doch von hier konnten noch keine Bilder übertragen werden -  weil die Mangusten ihren eigenen Kopf haben und die vorgesehene Kiste nicht benutzt haben. Und so verstecken sich die aktuellen Jungtiere noch in irgendeinem der Bierfässer. Mangusten sind äußerst wurffreudig. Sie können das sogar synchron: Die Weibchen sind meist zusammen trächtig und bekommen die Jungen nahezu zur gleichen Zeit. 

Zum Abendessen gibt es Fleisch

Dass dann nicht immer klar ist, wer zu welcher Mutter gehört ist nachvollziehbar. Vier Mütter gibt es meistens - die Jungen werden dann von allen gesäugt. Und sie halten alle zusammen wie Pech und Schwefel. "Sie können recht garstig werden, wenn sie sich bedroht fühlen", sagt Catrin Hammer. "Das haben wir beim Umzug ins neue Gehege gemerkt. Die Jungtiere quietschten und schon hatten wir die ganze Meute der Erwachsenen am Bein hängen." Aber alles ging gut und wie wohl sich die possierlichen Tierchen, die sehr an Erdmännchen erinnern, im neuen Zuhause fühlen, sieht jeder Besucher.

Jeder Besucher sieht auch, was es bei Mangusten zum Abendbrot gibt: kleine Tiere. "Sie sind nun mal Raubtiere", sagt Catrin Hammer mit Blick auf die toten Küken in der Futterkiste. Es gehört zum Konzept des Tierparks, auch diese Facette zu zeigen. Normalerweise gehören auch tägliche Schaufütterungen dazu, doch wegen Corona geht das im Moment nicht. Das Risiko, die Leute könnten zu dicht zusammenstehen, ist zu groß. Aber irgendwie ist es auch Schaufütterung, wenn die Mangusten auf "ihrem" Biertisch herumklettern. Der hat nämlich viele kleine Löcher, in denen sich auch Futter verbirgt. 

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